Internes Controlling, externe Bilanzierung und aufsichtsrechtliche Limitierung des Zinsänderungsrisikos

Integrierte Banksteuerung


Anette Köcher [Redaktion RiskNET]
Rezension

In einer digitalen und durch Disruption von Geschäftsmodellen geprägten Welt, spielen methodisch fundierte, hochwertige, adressatengerechte und schnelle Informationen eine sehr wichtige Rolle. Dies bedingt vor allem ein Überwinden eines Silodenkens. So ist es beispielsweise wichtig, dass in einer Bank – dies gilt grundsätzlich aber für jede Branche – die Unternehmenssteuerung, das interne Controlling und die externe Bilanzierung zusammenarbeiten und Brücken zwischen den einzelnen "Silos" gebaut werden. Unter anderem durch die Bankenaufsicht hat im Bereich der Banken in den vergangenen Jahren ein Umdenkprozess stattgefunden. Auch im Bereich der Standards für die externe Rechnungslegung hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden und die Notwendigkeit einer Verzahnung erkannt.

Das Buch "Integrierte Banksteuerung" des Autorentrios Arnd Wiedemann (Professor an der Universität Siegen und Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Bankmanagement), Vanessa Hille (Lehrstuhls für Finanz- und Bankmanagement an der Universität Siegen) und Sebastian Wiechers (bei der DZ Bank AG im Konzern-Risikocontrolling tätig) zeigt die Spannungsfelder auf und eröffnet Perspektiven für eine geschäftsmodellkonforme Verzahnung. Die verschiedenen (geschäftsmodellgetriebenen) Kalküle der Zinsbuchsteuerung und deren Unterschiede sowie Abhängigkeiten werden systematisch analysiert und mit der VaR-Resampling-Methode wird ein Konzept aufgezeigt, wie sich auch Stressereignisse systematisch in die Risikomessung integrieren lassen.

Das rund 630 Seiten umfassende Buch gliedert sich in insgesamt sechs Kapitel. Das einführende erste Kapitel setzt sich mit dem Spannungsfeld in der Banksteuerung auf. Hierbei werden ausgehend von den unterschiedlichen Geschäftsmodellen von Banken die mono- und multifunktionalen Risikomanagement-Systeme beschrieben. Hierbei wird auch das Geschäftsmodell sowie das Risikomanagement im Spannungsfeld von Ökonomie, Rechnungslegung und Regulatorik aufgezeigt. In einem kurzen Einführung wird auch auf die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen im Kontext der europäischen Bankenunion, des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM), das Baseler Rahmenwerk (Basel III) sowie,den aufsichtsrechtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process, SREP) eingegangen. Damit bauen die Autoren ein Fundament für die nachfolgenden Kapitel.

Das zweite Kapitel zeigt die Konzeption einer ganzheitlichen Gesamtbanksteuerung auf. Hierbei wird deutlich, dass Risk Governance das übergeordnete und verbindende Rahmenkonzept bietet. Risk Governance gewährleistet eine stakeholderorientierte Risikosteuerung aus strategischer Sicht und bildet den organisatorischen, methodischen und verhaltensorientierten Überbau, so die Autoren. Der konzeptionelle Lückschluss zwischen Corporate Governance und Risikomanagement wird die (Risiko-)Robustheit einer Bank verbessert. Und selbstverständlich gilt dieser Ansatz auch für jedes andere Unternehmen außerhalb der Bankenbranche. Auch die Ausführungen zu den Grundsätzen einer Rendite-/Risikosteuerung lassen sich im Wesentlichen auf andere Branchen übertragen. Selbstverständlich liefert in einem ersten Schritt eine Risikoinventur einen Überblick über das Gesamtrisikoprofil. Auf der anderen Seite muss in einem Gesamtkonzept einer ertrags- und risikoorientierten Gesamtbanksteuerung das Risikodeckungspotenzial (Risk Taking Capacity) mit dem aggregierten Gesamtrisiko verglichen werden. Hierbei sollte das Risikokapital aus ökonomischer Perspektive unter Ertrags-/Risiko-Verhältnissen optimiert werden. Auch die in AT 4.1 Tz. 1 der MaRisk definierte Sicherstellung der Risikotragfähigkeit kann direkt auf Unternehmen aller Branchen übertragen werden: "Auf der Grundlage des Gesamtrisikoprofils ist sicherzustellen, dass die wesentlichen Risiken des Instituts durch das Risikodeckungspotenzial, unter Berücksichtigung von Risikokonzentrationen, laufend abgedeckt sind und damit die Risikotragfähigkeit gegeben ist." 

Diese Ausführungen passen zu den Anforderungen aus dem IDW PS 340 sowie dem StaRUG (Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen), das seit dem 1. Januar 2021 die Krisen- sowie Risikofrüherkennung für Unternehmen aller Branchen – und insbesondere auch im Mittelstand – deutlich verschärft hat.
Hierbei geht die Publikation auch auf die Themen Risikoappetit und Risikolimitierung ein.

Den methodischen Grundlagen für das Steuerungsregime des Zinsänderungsrisikos widmet sich das dritte Kapitel. Nach einer Klassifizierung der unterschiedlichen Risikoarten werden die Methoden der Zinsbuchsteuerung beschrieben. Außerdem liefert das Kapitel einen systematischen Überblick über Zinsprodukte.

Das anschließende vierte Kapitel widmet sich der ökonomischen Rendite-/Risikosteuerung. Zunächst wird eine Methodik zur Renditeberechnung präsentiert. Die ökonomische Risikobewertung von zinsabhängigen Produkten kann über vier Verfahren erfolgen, entweder über Sensitivitätsparameter, szenariobasierte Verfahren, analytische Verfahren oder simulationsbasierte Verfahren. Als Alternative zur historischen Simulation wird die stochastische Simulation (Monte-Carlo-Simulation) vorgestellt. Auch auf die Resampling-Methodik mit der Integration von Stressereignissen wird in diesem Kapitel eingegangen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Performancemaße zur risikoadjustierten Performancemessung (also bspw. RORAC, RARORAC, RORAC. Ein konkretes Berechnungsbeispiel runden das Kapitel ab.

Das fünfte Kapitel (Externe Abbildung der ökonomischen Substanz) beschäftigt sich mit den Bewertungsgrundlagen der externen Rechnungslegung sowie den Unterschieden, Entwicklungslinien, Parallelen sowie Konflikten. Auch auf die bilanzielle Behandlung von Absicherungsgeschäften (etwa Hedging) wird eingegangen. Kapitel 6 diskutiert die Kalküle der Zinsbuchsteuerung, d.h. Ansätze für die reale Steuerung – basierend auf der konkreten methodischen Ausgestaltung der Zinsbuchsteuerung.

Fazit: Das Buch bietet eine methodisch fundierte und praxisorientierte Einführung in die "Integrierte Banksteuerung" am Beispiel des Zinsänderungsrisikos. Viele Ausführung lassen sich auch auf andere Risikoarten übertragen. Insbesondere lassen sich viele Aussagen, etwa zur Risk Governance, zur ökonomischen Rendite-/Risikosteuerung sowie zu den grundsätzlichen Methoden der Risikobewertung auch auf andere Branchen übertragen. Das Buch liefert vor allem einen Ansatz zur Auflösung der der häufig in der Praxis existierenden Silos und bietet Impulse für eine Verzahnung der einzelnen Themen zu einem konsistenten Gesamtsystem. Nur so lassen sich die massiven Herausforderungen – nicht nur in der Bankenwelt – über einen integrierten und methodisch fundierten Steuerungsansatz bewältigen.
 

[ Bildquelle: Schäffer-Poeschel Verlag ]

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