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Rezension

Das Praxishandbuch für Unternehmer und Führungskräfte

Produkthaftung in Deutschland und Europa

Redaktion RiskNET

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein heißer Sommerabend und Sie freuen sich auf ein kühles Glas Wasser. Sie nehmen eine Flasche Wasser in die Hand – die kurz danach in der Hand explodiert. Sie werden von umherfliegenden Glassplittern am Auge getroffen und verletzt. Wer haftet?

Die Mineralwasserflasche war fehlerhaft im Sinne des Produkthaftungsgesetzes. Denn bei Glasflaschen mit kohlensäurehaltigen Getränken gehen Sie als Kunde davon aus, dass Flaschen keine Beschädigungen haben, die zu einer Explosion führen können. Fakt ist, dass sich Hersteller und Abfüller kaum der Produkthaftung entziehen können. Exakt mit dem Fall einer explodierenden Flasche hatte sich das Oberlandgericht München beschäftigt (siehe Urteil des OLG München, 11.01.2011 – 5 U 3128/10).

Die Produkthaftung bezeichnet die Haftung auf Schadensersatz gegen den Hersteller für Schäden, die beim Endabnehmer infolge eines fehlerhaften Produkts entstanden sind. Die Produkthaftung beruht in den EU-Staaten auf der europäischen Richtlinie 85/374 EG. In Deutschland ist die Produkthaftung im Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) geregelt. Die Produkthaftung ist ein Teil des Deliktsrechts. Sie ist in den §§ 1 bis 19 des ProdHaftG kodifiziert. Und das besondere an der Produkthaftung ist, dass man für die Gefahren, die vom eigenen Produkt ausgehen haftet, ohne dass dazu ein Verschulden des Herstellers notwendig ist (Gefährdungshaftung). D.h. die Produkthaftung setzt logischerweise keinen Vertrag zwischen dem Hersteller und dem Endverbraucher voraus (der in der Praxis sehr häufig nicht vorhanden sein wird).

Ein Hersteller haftet nur dann nicht, wenn der Fehler nach dem Stand der Wissenschaft und Technik zu dem Zeitpunkt, in dem das Produkt in den Verkehr gebracht worden ist, nicht erkannt werden konnte (Entwicklungsrisiko).

Wichtig ist auch (siehe § 1 ProdHaftG), dass nicht nur der eigentliche Produzent für Fehler seines Produkts haftet, sondern auch der Importeur, der Quasi-Hersteller, der seinen Namen am Produkt anbringt sowie der Hersteller eines Teilprodukts oder auch der Händler, wenn der Hersteller nicht festgestellt werden kann.
In dem Praxishandbuch "Produkthaftung in Deutschland und Europa" weisen die Autoren darauf hin, dass ein wirksames Produkthaftungs-Management Systemdenken und Interaktionsvermögen im Innen- wie im Außenverhältnis verlangt. Produkthaftungsanforderungen lassen sich offensiv und damit innovativ bewältigen.

Das Praktiker-Buch behandelt anhand von praxisbezogenen Beiträgen, Fallbeispielen, Checklisten und Grafiken die betriebsorganisatorischen Maßnahmen im Bereich Management, Forschung & Entwicklung, Produktion und Vertrieb und hilft bei der Lösung von Problemen der Vertragsgestaltung mit Zulieferern und internationalen Vertragspartnern.

Besonders berücksichtigt sind dabei Qualitätssicherungsvereinbarungen sowie der Kauf- und Liefervertrag. Wegen der starken wirtschaftlichen Verflechtung Deutschlands mit seinen EU-Partnern wird auch die Entwicklung des Produkthaftungsrechts in den anderen EU-Mitgliedstaaten beleuchtet.

Die Autoren zeigen, wie einem Schadensfall durch Produktbeobachtung und gegebenenfalls durch Warnungen und Rückrufe effizient und professionell begegnet werden kann. Sie gehen auch auf die produktbegleitende Technische Dokumentation sowie auf die Gestaltung und Platzierung von Warn- und Sicherheitshinweisen ein.

In Kapitel 6 gehen die Autoren auch auf das Thema Risikomanagement ein. Methodisch konzentrieren sich die Autoren hierbei auf die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), ohne konkrete Details für die Durchführung in der Praxis zu erwähnen. Auf weitere analytische Methoden (bspw. Bow-Tie-Anayse) oder Kreativitätsmethoden (Simulationsverfahren, Szenarioanalyse etc.) gehen die Autoren nicht ein und liefern auch keine Hinweise für ein vertiefende Literatur. Auch die Ausführungen zum Krisenmanagement bewegen sich eher auf einer "Metaebene" und werden für viele Praktiker zu wenig konkret sein.

Fazit: Der Mehrwert des Buches ist in den Inhalten der Kapitel 3 bis 4 zu finden. Dort findet der Praktiker viele konkrete Beispiele und Urteile zum Thema Produkthaftung und Produktsicherheit (auch der Unterschied wird transparent erläutert).

[ Bildquelle: expert Verlag ]



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