Banken der Eurozone müssen Kapitalpolster stärken

Risiken und Gegenwind


Banken der Eurozone müssen Kapitalpolster stärken: Risiken und Gegenwind News

Die neue europäische Bankenaufsicht hat die großen Geldhäuser der Eurozone aufgefordert, ihre Kapitalpolster im Durchschnitt um einen halben Prozentpunkt zu erhöhen. Der so genannte einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus (SSM), der Ende 2014 als Reaktion auf die Schuldenkrise in Europa gestartet war, warnte Ende vergangener Woche, dass die Risiken für die rund 130 Banken der Eurozone sich seit 2014 nicht vermindert hätten.

Viele Banken seien immer noch dabei, sich von der Finanzkrise 2012 zu erholen und hätten mit Risiken und Gegenwind zu kämpfen. Das größte Risiko sei dabei, das Geschäftsmodell an das neue Umfeld der Niedrigzinsen anzupassen, glaubt der Bankenregulierer.

Es war das erste Mal, dass die neue Aufsicht die Risiken für die großen Banken der Eurozone nach einem einheitlichen Standard beurteilt. Zuvor war dies die Aufgabe der nationalen Regulierer gewesen, die verschiedene Ansätze zur Beurteilung von Kapitalausstattung der Banken und Geschäftsrisiken angewendet hatten.

Die Banken der Eurozone müssen nun ihre Kernkapitalquote nun im Durchschnitt auf 9,9 Prozent von 9,6 Prozent vor einem Jahr anheben. Hinzu kommen 0,2 Prozentpunkte zusätzlicher Kapitalpuffer als Schutz vor Risiken durch systemrelevante Geldhäuser. Die Geldhäuser waren bereits Ende Dezember über diese Anhebung der Kapitalquote informiert worden.

Der Bericht der Aufsicht zeigt, dass fünf Banken derzeit nicht ausreichend gut mit Kapital ausgestattet sind. Eins der Geldhäuser hat sogar deutlich zu wenig Kapital. Namen der Banken wurden aber nicht genannt. Andere Geldhäuser müssen ihre Kapitalquote nicht nachbessern, weil sie ohnehin schon besser ausgestattet sind als erforderlich.

Als Teil der Prüfung hatte sich die Aufsicht vier Elemente angeschaut: das Geschäftsmodell der Banken, Unternehmensführung und Risikomanagement, die Kapitalrisiken und schließlich die Liquiditätsrisiken. Die Banken erhalten jetzt jeweils einen Bericht mit den Angaben, wie sie dastehen und welche Anforderungen sie künftig zu erfüllen haben. Diese Dokumente sind vertraulich, dürfen aber von den Banken selbst veröffentlicht werden.

Bafin hält Risiko einer neuen Finanzkrise für gering

Der Präsident der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, hält das Risiko einer neuen globalen Finanzkrise für sehr gering. "Die Situation heute ist definitiv nicht mit 2008 vergleichbar", sagte Hufeld im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Die Banken hätten "deutlich mehr Kapital", erklärte Hufeld, "und die Zentralbanken stellen viel mehr Liquidität bereit. Es gibt jetzt außerdem im Euroraum eine gemeinsame Aufsicht und eine Behörde für Bankenabwicklung. Wir können jetzt im Krisenfall viel mehr tun."

Die zuletzt rasant fallenden Börsenkurse von Bank-Aktien hält Hufeld für unangemessen: "Die derzeitigen Ausschläge an den Aktienmärkten spiegeln nicht die fundamentalen Fakten wider, so wie wir sie in den Bilanzen sehen." Der Behördenchef, der auch im Entscheidungsgremium der neuen Europäischen Bankenaufsicht bei der EZB sitzt, nimmt die Unruhe aber ernst. Er bezeichnete das Marktumfeld als "hypernervös". Deswegen spreche man "selbstverständlich mit den Instituten. Aber das tun wir ohnehin ständig, und wir glauben nicht an eine krisenhafte Zuspitzung, die mit 2008 vergleichbar wäre."

[ Bildquelle Titelbild: © animaflora - Fotolia.com ]
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