Die Ratingagentur Moody's hat sechs Länder der Eurozone abgestuft. Erstmals wurde auch für Großbritannien ein negativer Ausblick gegeben. Standard & Poor's und Fitch hatten bereits im Januar mit vergleichbaren Abstufungen vorgelegt. Moody's nannte nun ebenfalls die Sorge über das Krisenmanagement der Eurozone und über die Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der Region als Grund für die Herabsetzung. Dazu kämen die Instabilität der Finanzmärkte und die Möglichkeit weiterer Rückschläge für das Finanzsystem. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Agentur angekündigt, die Bonität aller EU-Mitglieder zu prüfen, egal ob sie Mitglied der Eurozone sind oder nicht.
Im Gegensatz zu den Konkurrenten gab Moody's aber zusätzlich für Großbritannien einen negativen Ausblick ab. Dieser Schritt kommt überraschend, da sowohl Standard & Poor's und Fitch das Land stabil gesehen hatten. Auch für Frankreich und Österreich bleibt Moody's pessimistisch, stufte sie im Gegensatz zu Standard & Poor's aber nicht ab.
Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Entscheidung Moody's sei ein Beweis dafür, dass London jetzt nicht von seinen Plänen zum Schuldenabbau abweichen dürfe. Die Ratingagentur habe klar gemacht, dass der einzige Weg, eine Abstufung zu verhindern, der Konsolidierungsplan der Regierung sei. "Das holt diejenigen in die Realität zurück, die geglaubt haben, sie könnten sich vor den Schulden drücken", sagte Osborne.
Italien wurde von Moody's um eine Stufe auf A3 abgestuft. Es sind jetzt noch vier Stufen über der Grenze zu rein spekulativen Anleihen. Der Ausblick für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone bleibt negativ. Ebenso wurden Malta, Portugal, Slowenien, die Slowakei und Spanien um eine Stufe heruntergesetzt, auch hier verbleibt der Ausblick negativ. Standard & Poor's hatte diese sechs Länder bereits im Januar abgestuft; Fitch tat dies nur bei Italien, Slowenien und Spanien.
Auch wenn Moody's als letzter gehandelt hat, sind die Auswirkungen auf Portugal und Spanien besonders harsch. Die beiden Länder haben jetzt bei Moody's im Vergleich zu den anderen Ratingagenturen die schlechtesten Bewertungen.
Die Sorgen um Portugal sind in den letzten Wochen angewachsen; die Risikoaufschläge für Staatsanleihen sind auf Rekordhöhen gestiegen. Die Abstufung von Moody's schickt Portugal tiefer ins Ramschterritorium mit einer Bewertung von Ba3, die drei Stufen unter dem Investmentlevel liegt.
Frankreich und Österreich können währenddessen aber durchatmen. Mit Triple-A-Ratings sowohl von Moody's und Fitch im Rücken dürfte der Druck auf die beiden Länder etwas nachlassen, da zwei der drei großen Ratingagenturen sie weiterhin als gutes Investment sehen. Ein negativer Ausblick deutet nur die Möglichkeit einer Abstufung in den kommenden zwei Jahren an.
[Bildquelle: iStockPhoto]





Kommentare zu diesem Beitrag