Mängel im Berichtswesen, Controlling und Risikomanagement bei Mittelständlern


Frank Romeike

Ab 2007 werden die neuen Eigenkapital-Richtlinien für Banken in Kraft treten. Für die Banken bricht damit eine neue Ära an; Kredite werden künftig risikoadjustiert kalkuliert. Damit ändern sich auch die Finanzierungsbedingungen im Mittelstand grundlegend. Ohne eine gute Ratingnote der Hausbank oder einer externen Agentur gibt es neues Geld nur noch zu hohen Zinsen oder überhaupt nicht mehr. Basel II für den Mittelstand ausschließlich auf ein Finanzierungsthema zu reduzieren, würde indes zu kurz greifen. Die Wirkungen der neuen Regeln greifen tief hinein in die Führungs-, Steuerungs- und Informationsprozesse der Unternehmen, die auch künftig auf Bankkredite setzen.

Für die künftigen Ratings nach Basel II – egal ob intern oder extern – werden umfassende Informationen über das Unternehmen benötigt. Gerade für den Mittelstand bedeutet dies ein Umlernen hin zu einer strategischen Geschäfts- und einer vorausschauenden Finanzplanung. Neben einer transparenten Kommunikation mit der Bank gehört auch ein gutes Controlling zu den Voraussetzungen, um beim Rating zu bestehen. Besonders für das interne Rechnungs- und Berichtswesen ergeben sich durch den Basler Akkord direkte Konsequenzen: Einerseits ist das Controlling als zentraler Informationsversorger des Managements auch primärer Ansprechpartner für alle Informationen, die von Ratingagenturen und Banken benötigt werden. Andererseits steht im Rahmen eines ganzheitlichen Ratings auch die Qualität des Controllings selbst im Fokus der Betrachtung.

 

  • Auf Basis welcher Informationen trifft die Unternehmensführung ihre Entscheidungen?
  • Existiert eine dokumentierte Planung für die nächsten Jahre?
  • Verfügt das Unternehmen über ein Risikomanagementsystem?

 

Nur einige Fragen, die im Rahmen eines Ratings auf die Unternehmen zukommen können. Letztlich geht von den Controllern die Initiative aus, auf das Erreichen der Ratingziele hinzuwirken, indem diese in den Steuerungsprozessen der Unternehmen verankert werden. Damit sind die künftigen Herausforderungen für das Controlling skizziert. Diese sind umso bedeutender, als die Ausgestaltung der Controlling- und Informationssysteme im deutschen Mittelstand noch als ausbaufähig gelten. Denn nachvollziehbare strategische Planungssysteme und ein gut ausgebautes Rechnungs- und Berichtswesen sind im Mittelstand noch rar. "Je kleiner die Unternehmen, desto seltener findet man ein ausreichendes Planungs- und Berichtswesen", bemängelt Thomas Künzel vom Institut für Mittelstandsökonomie der Universität Trier. In eine ähnliche Richtung äußert sich Gunter Kayser, Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "In vielen Unternehmen ist bislang nicht einmal eine Kostenrechung vorhanden". Diese ist aber Voraussetzung für eine aktive, zeitnahe und offene Finanzkommunikation gegenüber den Banken, die wiederum die künftige Kreditvergabe und -konditionen nach Ansicht von Experten maßgeblich beeinflussen dürfte.

Quelle : bfinance

 

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