Die Risiken für die Stabilität des globalen Finanzsystems haben sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den vergangenen Monaten deutlich erhöht, was vor allem an schwächeren Wachstumsaussichten und deren Auswirkungen auf private und öffentliche Haushalte lag, die die Tragfähigkeit hoher Schuldenlasten erschwerten. In seinem am Mittwoch veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht (GFSR) spricht der IWF von einem "substanziellen Anstieg der Finanzstabilitätsrisiken" und davon, dass die seit fünf Jahren anhaltende Finanzkrise nun eine "politische Phase" erreicht habe.
Die in Washington ansässige Organisation verwies darauf, dass im Euroraum wichtige Schritte zur Behebung der gegenwärtigen Probleme unternommen worden seien, dass aber politische Differenzen innerhalb von in Anpassungsprozessen befindlichen Volkswirtschaften sowie zwischen Ländern, die Hilfe leisteten, eine abschließende Lösung des Problems bisher verhindert hätten. Dagegen sehen sich die USA laut IWF zunehmenden Zweifeln hinsichtlich ihrer Fähigkeit gegenüber, einen Konsens über die notwendige mittelfristige fiskalische Konsolidierung zu finden, die entscheidend für die weltweite Finanzstabilität sei. In dieser von Unsicherheit geprägten Atmosphäre kämen Sorgen über Ausfallrisiken auf, denen mit angemessenen Strategien gegen eine Ausbreitung und für eine Stärkung des Finanzsystem begegnet werden müsse.
Der IWF schätzte in seinem Bericht, dass den Banken in der EU seit dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise 2010 in Folge der Spannungen an den Staatsanleihemärkten direkte Belastungen von 200 Mrd EUR entstanden sind. Er stellte aber auch klar: "Diese Schätzung bezieht sich nicht auf den Kapitalbedarf der Banken, der eine vollständige Analyse der Bankbilanzen und ihrer Einkommenspositionen erfordern würde." Vielmehr sei diese Zahl ein Maß für den Anstieg des Risikogehalts von Staatsanleihen in den vergangenen zwei Jahren. Laut IWF würde sich diese Zahl noch einmal um die Hälfte erhöhen, wenn die Interbankenverbindungen zu diesen Ländern einbezogen würden. Der IWF geht davon aus, dass die Verluste aus Staatsanleihen von Peripherieländern in den Handelsbüchern der Banken nachvollzogen wurden, dieser Prozess in den Bankbüchern bisher aber nur "langsam und inkonsistent" vor sich gehe.
Der IWF vertritt in seinem Bericht die Ansicht, dass niedrige Leitzinsen derzeit zwar notwendig seien, längerfristig aber zu einer Bedrohung für die Finanzstabilität werden könnten. Zwar seien niedrige Zinsen wegen des schwachen Wachstums in vielen Industrieländern angemessen, doch befänden sich manche Sektoren dieser Länder noch in der Erholungsphase des Kreditzyklus, weil die Bilanzreparatur noch nicht abgeschlossen sei, während in anderen Sektoren die Jagd nach Rendite bereits zu höherer Verschuldung und Anfälligkeit geführt habe. Zudem könnten niedrige Zinsen Kapitalströme in wenig durchschaubare Kanäle, wie das Schattenbankensystem, lenken. "Das erhöht die Möglichkeit einer scharfen Trendumkehr im Kreditzyklus, was im Falle neuer Schocks die Asset-Qualität beeinträchtigen würde.", warnte der IWF.
Vor diesem Hintergrund betrachtet es der IWF als politische Priorität der Industrieländer, Lösungen zur Reduzierung der Staatsschuldenrisiken zu finden und eine Ausbreitung der Probleme zu verhindern. Den Euro-Ländern gab der IWF auf, die am 21. Juli 2011 gefassten EU-Beschlüsse schnell umzusetzen. Zudem riet der IWF der der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Staatsanleihekäufe fortzusetzen, weil dies die Märkte stabilisiere, die Refinanzierungskosten senke und anfällige Staaten vor einer weiteren Destabilisierung ihrer Schuldensituation bewahre. Der IWF verwies aber auch darauf, das die EU-Staatsschuldenrisiken an den Finanzmärkten derzeit übertrieben würden. Die USA und Japan müssten Wege zu einer mittelfristigen Haushaltskonsolidierung finden, riet der IWF.
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