Finanzmarktstabilität braucht Corporate Governance


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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Blick auf die Risiken für die Finanzstabilität nicht nur geschärft, sondern auch über ihren Einflussbereich der Geldpolitik ausgedehnt. Dies macht der neue EZB-Monatsbericht mit dem Sonderaufsatz über die "Entwicklung des Regelungsrahmens für die Unternehmensführung und -kontrolle (Corporate Governance)" sichtbar. Das ist richtig und notwendig und wird durch die geldpolitische Verantwortung im Falle einer monetär genährten Aktienkursblase sowie geldpolitische Konsequenzen im Falle von Finanzmarktkrisen infolge von Bilanzskandalen gerechtfertigt. Kursübertreibungen sind der Nährboden von Manipulationen und von Bilanzkandalen – die New-Economy-Euphorie und die Bilanzskandale Enron, WorldCom und Parlamat sind der Beweis. Die rasante Globalisierung insbesondere der Finanzmärkte, angetrieben durch immer neue Innovationen, erfordern den erweiterten Blick einer verantwortungsvollen Geldpolitik in den Aktienmarkt inklusive Corporate Governance. Bisher fokussierten die Geld- und Währungspolitiker die "Finanzmarktstabilität" im Sinne der Krisenbewältigung auf dem Weg zur Krisenprävention (Asien-,Russland- und LTCM-Krise), weil sie als "Lender of last resort" im Notfall exklusiv Zentralbankgeld zur Verfügung stellen. Heute spekulieren Hedge-Fonds nicht nur währungs- sondern auch marktübergreifend vom Geld- über Bond- bis in den derivaten Aktienmarkt hinein, bevorzugt auf Off-shore-Plätzen, die oft "Aufsichtsoasen" sind. Das Financial Stabilty Forum (FSF) hat das früh erkannt – wenn auch seine Transparenzforderungen bei den Hedge-Fonds bis heute nicht befolgt werden.

Die EZB beschreibt nun in ihrem Monatsbericht das "Versagen der Unternehmensführung und -kontrolle bei Parlamat", weil das Zentrum dieses Bilanzskandals mitten in Euroland lag, und wirft einen kritischen Blick auf die globale Dimension mit der komplexen Unternehmensstruktur und Offshore-Zweckgesellschaften. Die EZB unterstützt auch die Kooperation und den Dialog zwischen der EU und den USA, konkret zwischen der EU-Kommission mit der SEC und der Fed, wobei das Fehlen der EZB-Beteiligung nicht beklagt oder eingefordert wird. Wenn die EZB und der EZB-Rat nun den Blick ausweiten und auch die Risiken seitens der Unternehmensführung fokussieren, dann auch deshalb, weil ihnen die Überschussliquidität im Euroraum Sorgen macht, und weil sie diese Sorgen in einer Konjunkturschwäche nicht so leicht und nicht so schnell mit Zinserhöhungen bekämpfen kann. Ihr Mandat für Preisstabilität ist auf Verbraucherpreise und damit etwas eng festgeschrieben, Vermögenspreise werden in der monetären Analyse beobachtet. Die EZB gibt bei ihrem scharfen Blick auf die Risiken im Feld der Corporate Governance auch zu, dass hier die besten gesetzlichen Regeln umgangen werden können und ein Betrug so nicht verhindert werden kann. Aber Betrug an den Börsen blüht im Kursüberschwang. Die Inflation von Vermögenspreisen hat deshalb auch im Fokus der Geldpolitik zu stehen. (Hans Hutter)

Quelle: RATINGaktuell

 

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