Vernebelungstaktik von EY, IDW & Co.

Ablenkungsmanöver im Falle WIRECARD


Kolumne

WIRECARD – War da was? Wir haben doch schon alle Räuber- und Spionagegeschichten zu Wirecard gehört – Russen, Geheimdienste, Verfassungsschutz, Versagen von BaFin & APAS, Merkels China-Reise, Kanzlerkandidat Olaf Scholz als "Aufräumer", von und zu Guttenbergs Lobbyarbeit und die "Antrittsvorlesung" des obersten EY-Qualitäts-Experten Dr. Christian Orth im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ("Wirtschaftsprüfung for Beginners"). Dies haben die Parlamentarier schon als provokativ und unverschämt empfunden. 

Mit dem Mantra der Verschwiegenheit ist ab heute Schluss im PUA, da der BGH soeben entschieden hat, dass die Entbindung von der Verschwiegenheit durch den Insolvenzverwalter rechtmäßig ist. EY sollte jedoch wissen, dass in den nächsten Sitzungen des PUA die "Luft dünner" wird und man klare und eindeutige Antworten darauf erwartet, wie man bei WIRECARD jahrelang uneingeschränkt testieren konnte.

Dann kommt auch noch der durchsichtige Flankenschutz des Lobbyvereins IDW mit bestellten Fachaufsätzen bei "Experten" wie Prof. Kai-Uwe Marten und dem Kollegen Dr. Farr, die beide bereits jetzt (!) bestätigen können, dass EY alles richtig gemacht hat.
Die WPK verordnet ihren Vorständen Maulkörbe und Prof. Naumann füllt das Informations-Vakuum, indem er sich zum einzig relevanten Sprachrohr des Berufsstands erklärt und der Politik in unverschämter Manier als Chef-Lobbyist der Big4 Vorgaben macht, wie hier Reformen auszusehen haben. Das ist geradezu lächerlich! Schnell verlangt er auch die Einführung einer BKA-Eingreiftruppe. Die nächste Stufe wäre dann nur noch die Einführung eines Waffenscheins für Wirtschaftsprüfer/innen.

Allen Ernstes behauptet Prof. Naumann, dass

  • das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISK) massiv in das Geschäftsmodell des Berufsstands eingreift,
  • eine Haftungsverschärfung zulasten der Prüfungsqualität ginge und
  • der Berufsstand noch mehr Nachwuchsprobleme bekäme.

Dies ist eine eindeutige, arrogante und nicht akzeptable Verweigerungshaltung. Offensichtlich ist man sich in Düsseldorf und Berlin nicht im Klaren darüber, dass es insgesamt um die Glaubwürdigkeit des Berufsstands und seine Existenzberechtigung geht. Reformen des Berufsstands könnten nämlich auch ganz anders aussehen!
Der Drops ist für den Berufsstand doch bereits gelutscht! – Oder?

Klartext: Das ist er hoffentlich nicht! – Wo sind die kritischen Stimmen, die Fehlereingeständnisse von EY und die knallharte Aufarbeitung im Berufsstand? 

Eine ganze Branche verliert hier permanent an Reputation, während Ablenkung und Vernebelungstaktik von EY, IDW und beauftragter Presse anhält. Auch Corona ist jetzt hilfreich, lenkt dies die Öffentlichkeit doch ab und beschäftigt momentan die Politik im Übermaß.

Eine umfassende und grundsätzliche Reform des Berufsstandes ist längst überfällig!

Autor:

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt

Herausgeber WP Watch

 

[ Bildquelle: Adobe Stock.com / N. Theiss ]
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