Komplexe Systeme

Lizenz zum Bauernfang. Die Selbstbereicherungsstrategien der Fonds-Manager und das Versagen der Finanzkontrolleure


Rezension

Stefan Loipfingers Wort hat Gewicht. Zweifellos gilt der Wirtschaftsjournalist aus dem oberbayerischen Pfaffing als einer der profiliertesten Analysten für offene und geschlossene Immobilienfonds, Medien-, Schiffs- und Private Equity-Beteiligungen. Zu seinen Auftraggebern gehört beinahe die gesamte Wirtschafts- und Fachpresse in Deutschland. Er ist zugleich der wohl schärfste Kritiker der Fondsmanager und Initiatoren, fachkundiger Kämpfer für den Anlegerschutz und ausgezeichnet mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis für verbraucherfreundliche Berichterstattung. Allzu oft wurde er für seine Berichterstattung mit Klagen überzogen, letztlich blieb er aber doch stets standhaft.

Nach 15 Jahren zieht er nun Bilanz. "Lizenz zum Bauernfang" ist ein sehr persönliches Buch geworden, gut zu lesen, spannend und locker zugleich. Der (auflagenfördernde) Titel des Buches nährt die Befürchtung, dass es sich um eine Generalabrechnung und einen absoluten Branchenverriss handelt. In der Tat scheut sich der Autor auch nicht, Ross und Rendite-Reiter zu nennen, doch letztlich geht es ihm um "Anstöße und Impulse zur Besinnung und Weiterentwicklung der Branche". Dass er dabei aneckt, ist eben die Art von Stefan Loipfinger, der früher selbst im Fondsvertrieb einer Bank gearbeitet hat. Gleichwohl sind viele der geschilderten Fälle längst bekannt, sei es der Fall Rosche Finanz (S. 52ff.), Alexander Falk (59ff.) oder Kapital-Consult (94ff.). Die knappe Aufarbeitung der Pleitegeschichten lässt sich trotzdem mit Gewinn lesen und manchmal wird dem Leser dann doch ein bislang unbekannter Einblick hinter die Kulissen gewährt, wie im Falle von iii-Investment (232ff.). Auch die Kritik an angeblich neutralen Analysten und Fonds-Ratingagenturen hatte Loipfinger mehrfach in der Öffentlichkeit vorgetragen. Jetzt wird die Kritik nochmals untermauert, insbesondere im Hinblick auf die Geschäftsgebahren der Ratingagentur Scope (176ff.).

Auch die Finanaufsicht bekommt ihr Fett weg. Sie sei schlichtweg überfordert, bleibe meist untätig und sei nicht selten von der Geldlobby beeinflusst. Nach Ansicht des Autors stecken die verantwortlichen Akteure am Finanzmarkt in einem Bermuda-Dreieck voller juristischer Grauzonen und Abhängigkeiten. Harter Tobak, aber mit spitzer Feder skizziert. Nach dieser Publikation kann es gut sein, dass sich zu den erwähnten Klagen und Unterlassungserklärungen gegen Loipfinger ein paar hinzugesellen werden. Weitere Informationen: www.lizenzzumbauernfang.de.

Rezension von Dr. Stefan Hirschmann

Kommentare zu diesem Beitrag

Peter /06.10.2008 22:53
Postiv ist doch immerhin, daß die Finazkriese die Unfähigkeit der Manager zeigt. Und die Unfähigkeit der Politik.
Vielleicht geht uns ja endlich ein Licht auf und es ändert sich am Ende alles zum Besseren.
Vielleicht versteht man ja am Ende, daß Profitgier schlußendlich allen schadet... Wobei, viele, die die Kriese ausgelöst haben profitieren ja durch die Rettungspake wieder ... ;-(

Details zur Publikation

Autor: Stefan Loipfinger
Seitenanzahl: 301
Verlag: Eigenverlag
Erscheinungsort: Rosenheim
Erscheinungsdatum: 2009

RiskNET Rating:

Praxisbezug
Inhalt
Verständlichkeit

sehr gut Gesamtbewertung

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