Schwarze Schwäne an den Finanzmärkten

Volatilität ist kein geeignetes Risikomaß


Volatilität ist kein geeignetes RisikomaßNews

"Volatilität ist kein geeignetes Risikomaß", sagt Stefan Mittnik, Lehrstuhlinhaber am Seminar für Ökonometrie, Finanzökonometrie und Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität München anlässlich der Veranstaltung "Vom Umgang mit Schwarzen Schwänen an den Finanzmärkten - Ist eine neue Sicht auf die Risiken von Extremereignissen erforderlich?" im Hause der Landesbank Hessen-Thüringen.

Volatilität ist kein geeignetes Risikomaß, denn sie misst durchschnittliche Streuungsbreite um eine erwartete Rendite. Es wird unterstellt, dass Symmetrie der Renditen gegeben ist, d. h. identisches Verhalten für positive und negative Ausschläge. "Wir beobachten jedoch Asymmetrien: negative Ausschläge sind extremer als positive," berichtet Mittnik, "und die Vola mittelt positive und negative Streubreite, unterschätzt also das Risikopotenzial und überschätzt das Chancepotenzial." Vola liefere keine eindeutigen Rückschlüsse auf relevante Risikomaße, wie Verlustwahrscheinlichkeit, Value at Risk etc., bei Fat Tails. Außerdem sei an Volatilitätscluster zu denken.

Korrelation ist ein Maß für lineare Abhängigkeit, sie misst, wie gut die Abhängigkeit zwischen den Renditen zweier Assets durch eine Gerade approximiert werden kann und unterstellt Linearität oder Normalverteilung, beobachtet jedoch Unterschiede in Abhängigkeiten in positiven und negativen Marktphasen. Die Korrelation ergibt sich durch lineare Mittelung unterschiedlicher Marktphasen, macht Mittnik deutlich. "Die Korrelation liefert keine eindeutige Information über das Diversifikationspotenzial eines Portfolios", sagt Mittnik. Auch bei konstanten, nichtlinearen Abhängigkeiten schwanke die Korrelation im Zeitablauf, da Linearität angenommen werde.

Mittnik zeigt die direkten Konsequenzen durch Gegensatz zwischen Annahmen und Wirklichkeit in den Portfoliomodellen auf. Fat Tails: Unterschätzung von Extremrisiken und Überschätzung von Diversifikationseffekten; Asymmetrien: Unterschätzung von Verlustrisiken; nichtlineare Abhängigkeiten: Korrelationsanalyse versagt; Volatilitätscluster: Risikodynamik wird ignoriert; Vola-basierte Restriktionen (Vola, VaR, Tracking Error) und Zielvorgaben (Information Ratio, Sharpe Ratio) seien daher ungeeignet für die Portfolio-Steuerung, warnt Mittnik.

 

[Bildquelle: iStockPhoto; Text basierend auf Everling Newsletter]

Kommentare zu diesem Beitrag

RiskNET Redaktion /18.11.2011 18:42
+++ Ackermann sieht langfristig Volatilität an Märkten +++

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht eine lange Phase der Volatilität auf die Märkte zukommen. Bei seiner Eröffnungsrede auf einem Bankenkongress am Freitag sagte der Manager, Aussagen wie "dies sind schwierige Zeiten für das Finanzsystem" seien die "neue Normalität". Allerdings werde es Jahre dauern, "bis sich das Systeme an die neue Realität angepasst hat". "Wir sind daher gut beraten, wenn wir eine lange Phase der Volatilität nicht nur erwarten sondern uns darauf vorbereiten, sagte Ackermann.

Der Deutsche-Bank-Chef stellte zudem fest, dass es inzwischen eine Verschiebung der Macht der Finanzmärkte hin zu den Emerging Markets gegeben habe. So sei Polen ein starker Markt und auch Brasilien. "Und wer hätte jemals gedacht, dass der Internationale Währungsfonds gerufen wird, um die Finanzen eines Euro-Staates zu prüfen?", fragte er. "Wenn all diese Entwicklungen Europa nicht wach rütteln, dann weiß ich nicht, was noch passieren muss, um Europa dazu zu bewegen, die richtigen Schritte für den Wandel einzuleiten."

Am Rande der der Veranstaltung äußerte sich der Deutsche-Bank-Chef auch zum Schuldenschnitt für Griechenland. "Politiker müssen klar machen, dass Griechenland eine Ausnahme war und alle anderen Länder von dieser Ausnahme nicht betroffen sein werden", sagte Ackermann. Er bezieht sich mit seiner Aussage auf die Beteiligung der Privatbanken am Schuldenschnitt für Griechenland. Gestern hatte der internationale Bankenverband bekannt gegeben, dass es ein neues Komitee geben werde, um die Details für die Beteiligung der Privatbanken am Schuldenschnitt auszuhandeln. Bis Anfang Januar soll es hier eine konkrete Entscheidung geben.

Unterstützung für seine Forderung erhielt Ackermann von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der Politiker erklärte in seiner Rede: "Der europäische Rat hat klar definiert, dass der Fall Griechenland einzigartig ist." Allerdings schränkte Schäuble ein, dass dies nur so lange gelte, wie es keine gemeinsamen Regeln für europäische Regelungen gebe. Die Situation ändere sich, wenn die für 2013 geplante Einführung des Euro-Stabilitätsmechanismus ESM stattfinde. "Dann wird es entsprechende Regelungen für den privaten Gläubigerverzicht geben", sagte Schäuble. In den Klauseln des ESM, die derzeit ausgearbeitet werden, wird es spezifische Vorgaben für die Einbindung privater Gläubiger in einen Schuldenschnitt geben.

"Solange wir keine collective action clauses haben, wird Griechenland ein Einzelfall bleiben" unterstrich er am Ende seiner Rede. Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der durch die Veranstaltung führt, sagte nach der Rede: "Ich bin froh, dass wir uns bei diesem Punkt einig sind."
Markus /20.11.2011 23:43
"...Volatilität ist kein geeignetes Risikomaß..."

Value-at-Risk, Sharpe Ratio, Volatilität, usw.

Alles sind vergangenheitsgebezogen Maße ohne dynamischen Charakter bzw. nur im Rahmen von ausreichend stabilen und diversifizierbaren Märkten halbwegs aussagekräftig.
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CAPM-Modelle & Entscheidungen sind mit Griechenland ad absurdum geführt
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Aber versuch mal dem Vorstand deines Vertrauens:
Utility-Based-Shortfall-Risk-UBSR oder andere entropische Maße zu erklären

Gute Nacht
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