Rezension

Grundlagen, rechtlicher Rahmen und praktische Umsetzung

Risikomanagement im Leasing

Silvia Rohe [Geschäftsführerin der Creditreform Compliance Services GmbH]

Christian Glaser: Risikomanagement im Leasing – Grundlagen, rechtlicher Rahmen und praktische Umsetzung, Springer Gabler, Wiesbaden 2015, 429 Seiten, 49,99 Euro / 34,99 Euro (eBook), ISBN 978-3-658-05514-1 / ISBN 978-3-658-05515-8 (eBook)

Im Zuge des Jahressteuergesetzes 2009 wurde Leasinggesellschaften, die Finanzierungsleasing betreiben, das "Bankenprivileg" im Sinne des § 19 GewStDV erteilt, und sie fallen somit unter die eingeschränkte Bankenaufsicht ("KWG light"). Die Anforderungen an das Risikomanagement von Leasinggesellschaften sind seitdem drastisch gestiegen, insbesondere durch die sogenannten Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk).

In 16 Kapiteln, mit jeweils ausführlichen Literaturhinweisen, wird der Leser auf eine anregende Reise in die Welt des Risikomanagements im Leasing mitgenommen.

Mit dem ersten Kapital schafft der Autor einen Überblick zu den Grundlagen und dem rechtlichen Rahmen und ermöglicht sowohl dem interessierten Einsteiger als auch dem Fachmann im Bereich Risikomanagement einen leichten Einstieg in das Thema. Durch die gelungene Gliederung wird das Thema im Anschluss von der Identifizierung der Risiken über die Methoden der Risikomessung und -steuerung, Risikocontrolling und -kommunikation, Strategieprozess bis hin zum Aufbau eines ganzheitlichen Risikomanagement-Systems detailliert besprochen. Auch weitere Inhalte wie beispielsweise die Rolle des Risikomanagers, wertorientierte Risikosteuerung und häufige Fehler im Risikomanagement kommen nicht zu kurz. Mit einem Exkurs zu schwarzen Schwänen und anderen Exoten macht der Autor neugierig auf den Schluss des Buches.

"Das Ziel des Risikomanagements soll es [...] nicht sein, sämtliche Risiken zu vermeiden, sondern es wird vielmehr versucht, die Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten, zu steuern und zu kontrollieren. Dadurch sollen negative Plan-Abweichungen reduziert werden [...]." Wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann, wird in den folgenden Kapiteln anschaulich und ausführlich behandelt.

Auch für Leasinggesellschaften ist ein Risikomanagement-System wesentlich. Im Kapitel "Identifikation der einzelnen Risikoarten" wird unter anderem detailliert auf die Methoden der Risikoidentifikation, Bestandteile eines Unternehmensratings und die Risikoinventur eingegangen. Die leicht verständlichen Abbildungen, beispielsweise zu den Ausprägungsformen ausgewählter Risikokategorien, liefern auch dem Risikomanagement-Einsteiger eine praxisnahe Hilfe für die Erstellung eines Risikoinventars.

Bei den Methoden der Risikobewertung wird ausschließlich auf die wesentlichsten Verfahren  bei den Leasinggesellschaften eingegangen. Dies hilft den Praktikern im Leasingsektor sehr schnell, sich auf die zentralen Punkte zu fokussieren. Gerade für kleine und mittelständisch geprägte Leasinggesellschaften sind praktikable Ansätze geboten, die entsprechend aufgezeigt werden. Neben der Bewertung der Risiken nimmt die Steuerung der Risiken eine Schlüsselrolle im gesamten Risikomanagementprozess einer Leasinggesellschaft ein. In Anlehnung an Romeike/Hager 2009 werden kreativ die Positionen in der Risikosteuerung, Risikoneigung versus Risikoappetit, dargestellt.

Eine weitere entscheidende Rolle im Risikomanagement spielt die Risikotragfähigkeit: "Die Leasinggesellschaft muss also schlichtweg in der Lage sein, ihre eingegangenen Risiken auch tragen zu können." Hierbei spielt auch der Substanzwert eine besondere Rolle, der im Rahmen der vermögensorientierten Risikotragfähigkeitsermittlung herangezogen wird. Im Vergleich werden exemplarische Bestandteile des periodischen Risikodeckungspotenzials dargestellt. Die zentralen Anforderungen der MaRisk an die Risikotragfähigkeit sind als "ganzheitliches Konzept" zu verstehen und zeigen, dass die Risikotragfähigkeitsrechnung mehr ist als eine aufsichtsrechtliche Verpflichtung. Zur Ergänzung des Risikotragfähigkeitskonzepts fordert die 4. MaRisk Novelle erstmals einen mehrjährigen Kapitalplanungsprozess. Die Einflussfaktoren, ein idealtypisches Risikotragfähigkeitskonzept und die einzelnen Schritte im Kapitalplanungsprozess werden anhand von Beispielen veranschaulicht.

In der letzten Phase des Risikomanagement-Kreislaufs wird das Thema Risikocontrolling über den Tellerrand hinaus beleuchtet. So zählen auch Aspekte des Outsourcing-Controllings zu einem professionellen Risikomanagement. Ebenfalls werden durch eine Gefährdungsanalyse in Bezug auf die Prävention von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und den sonstigen strafbaren Handlungen im Sinne des § 25h KWG weitere Schritte im Risikomanagement erfüllt und können nachhaltig zu einer besseren Risikosteuerung beitragen.

Die MaRisk geben eine wertvolle Anleitung zum Aufbau eines ganzheitlichen Risikomanagements für Leasinggesellschaften, die in den meisten Fällen die Vorgaben, unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips, erfüllen dürfen. Es werden die wichtigsten praktischen Schritte an ein Risikomanagement-System aufgezeigt. Jedoch funktioniert dies alles nicht ohne den Risikomanager: "Ein guter Risikomanager ist im Idealfall ein Allrounder mit einem Gesamtüberblick über die Gefahren- aber auch die Chancenpotenziale im Unternehmen." Sieben Thesen über mögliche zukünftige Entwicklungen für das Risikomanagement aus Sicht des Autors runden das Werk ab.

Fazit: In einem umfassenden Werk hat der Autor hervorragend das komplexe Thema Risikomanagement mit einer souveränen Leichtigkeit und passenden Zitaten zu jedem Kapitel beleuchtet. Das Buch liefert eine praxisnahe Hilfe zur Umsetzung der wichtigsten Vorschriften der MaRisk, vermittelt Theorie und Praxis durch verständliche Darstellung und klare Sprache, ohne komplizierte mathematische Exkurse.

Christian Glaser hat ein äußerst lesenswertes Fachbuch verfasst, das nicht zuletzt dank des enormen Fachwissens des Autors zu überzeugen weiß. Obwohl ich durch meine mehrjährige Tätigkeit mit der Materie vertraut bin, hat mich dieses Buch begeistert, denn Glaser beweist in abwechslungsreicher Art und Weise, dass Risikomanagement sehr unterhaltsam sein kann und folglich nicht staubtrocken sein muss.



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