90 Prozent aller Spreadsheet-Lösungen fehlerbehaftet

Risikofaktor Tabellenkalkulation


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In der Folge der jüngsten Finanzkrise rückte vor allem die Bedeutung des Themas Risikomanagement in den Mittelpunkt der Diskussionen von Regulatoren und Bankmanager. Mit jeder neuen Umdrehung des Konsolidierungskarussells, mit verschärften Compliance-Vorgaben und wachsenden Renditeerwartungen ist das Thema Gesamtbanksteuerung auf der Agenda der Bankenmanager ganz nach oben gewandert. Eine zentrale Frage dabei: Mit welchen Steuerungsprozessen und -systemen können Banken die Erwartungen von Kunden und Kapitalgebern nachhaltig erfüllen?

Eines hat die Finanzkrise deutlich vor Augen geführt: Einfache Reporting- und und Analysewerkzeuge, wie sie viele Finanzinstitute heute immer noch einsetzen, reichen für die zukunftsorientierte Steuerung nicht mehr aus. Der Kapitän eines Airbus A 380 navigiert auch nicht mit den Bordinstrumenten einer Fokker F-27. Die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Prozessen einer Bank sind zu komplex und zu vielfältig, um die Folgen möglicher Entscheidungen zu überblicken: So fehlt es diesen Basisinstrumenten zum Beispiel oft an Funktionalitäten, mit denen sich die Ergebnisse verschiedener Handlungsalternativen simulieren lassen. Gerade bei strategisch weitreichenden Entscheidungen wie Übernahmen und Fusionen oder die Gründung von Auslandstöchtern sind zuverlässige, aussagekräftige Bilanz- und GuV-Simulationen die Voraussetzung, um hier die Weichen richtig zu stellen.

Tabellenkalkulation mit der komplexen Finanzwelt überfordert

Auch bei der Prognose etwa von Risikokennziffern oder Vertriebszahlen liefern diese Instrumente nur selten aussagekräftige Informationen, fehlt es ihnen doch an der nötigen "Analyse-Power". Zudem sind die Forecasts oft schon in dem Moment veraltet, in dem sie veröffentlicht werden, denn die Konsolidierung der zugrunde liegenden Basisdaten nimmt meist viel zu viel Zeit in Anspruch. Ebenso leidet die Planung unter den Defiziten der einfachen Reporting-Tools: Die Prozesse sind zu langwierig und ungenau. Die Daten werden häufig mit Tabellenkalkulationsprogrammen wie Excel & Co erfasst und konsolidiert, was oft zu Fehlern führt so ist bereits die Basis für die Steuerung sehr arbeitsaufwendig, fehlerhaft oder ungenau. Das übermäßige Verwenden von Tabellenkalkulationen kann als Schlüsselindikator für das operationelle Risiko eines Finanzinstituts gesehen werden.

Wie kaum ein anderes Softwarewerkzeug haben Tabellenkalkulationsprogramme ihren Weg in den Reportingalltag von Fachabteilungen gefunden. Dieses liegt zum einen sicher an dem günstigen Einstiegspreis und zum anderen auch an den schon vorhandenen Kenntnissen, die die meisten Mitarbeiter mitbringen. Der einfache Zugang und die vorhandenen Möglichkeiten lassen Tabellenkalkulationen darüber hinaus schnell zum Mittel der Wahl werden, wenn Mitarbeiter individuelle Berichtsanforderungen umsetzen wollen oder müssen. Besonders die Flexibilität wird geschätzt, mit der Daten manipuliert und eigene Berechnungen ausgeführt werden können. Dieses reicht bis zur komplexen Programmierung von Arbeitsblättern.

In der Zwischenzeit regt sich jedoch auf der Seite der Berichtsempfänger mannigfaltige Kritik. Um nur einige Punkte zu nennen:

  • Es ist kein Durchgriff auf Massendaten, keine Historisierung möglich.
  • Keine Versionierung, unterschiedliche Versionen enthalten unterschiedliche Ergebnisse.
  • Keine Dokumentation, das Know-how hängt am Arbeitsblattersteller.
  • Möglichkeit teilweise unverständlicher Makrobasteleien.
  • Die Revision bemängelt Datensicherheit und Nachvollziehbarkeit im manuell erstellten Berichtswesen.


Cockpit für die strategische Steuerung

Deutlich wird die Notwendigkeit einer übergreifenden Gesamtbanksteuerung besonders im Risikomanagement: Banken stehen vor der Aufgabe, ein neues System für die Risikosteuerung aufzubauen, das die vielfältigen Wechselwirkungen der einzelnen Risikofaktoren abbildet von den klassischen Markt- und Kreditrisiken bis hin zum operationellen Risiko. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Teilbereiche des Unternehmens und hierbei insbesondere die Daten aus den verschiedenen operativen Systemen zu integrieren: Finanzkennzahlen, Produkt- und Kundendaten, Marktinformationen und operative Messgrößen müssen zusammengeführt werden. Dies ist weder mithilfe von Insellösungen oder Tabellenkalkulationen noch mit ERP-Lösungen möglich: Die Datenmengen sind zu groß und zu vielfältig, die zu leistende Datenanalyse zu anspruchsvoll, die Reportingaufgaben zu komplex. Damit genügen die Anwendungen nicht den Anforderungen des Managements und der Aufsichtsbehörde.

Die Bankmanager sind gefordert, auch die Liquiditätssteuerung in diesen Zusammenhang zu stellen. Die Margen werden heute oft von den Refinanzierungskosten aufgezehrt; Liquiditätsrisiken zu beherrschen, bedeutet also nicht weniger, als das Überleben einer Bank zu sichern. Zentrale Aufgabe der Liquiditätssteuerung ist es daher, alle Cashflows tagesaktuell zusammenzuführen. Da Liquiditätsrisiken als Folgen anderer Primärrisiken wie Markt-, Kredit-, Reputations- oder operationelle Risiken auftreten, muss die Liquiditätssteuerung in die unternehmensweite Bank- und Risikosteuerung eingebettet werden.

MaRisk-Anforderungen können mit Excel&Co nicht erfüllt werden

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat in ihren "Mindestanforderungen für das Risikomanagement" (MaRisk) eindeutige Anforderungen an das Berichtswesen festgeschrieben: Korrekt und konsistent müssen die Reports unter anderem sein. Da in der Regel mehrere Analysten mit jeweils eigenen Dateien an Reports arbeiten, ist die Vorgabe mit Tabellenkalkulationsprogrammen nicht zu erfüllen: Unterschiedliche Datenselektionen, verschiedene Sichtweisen in der Berechnungslogik oder den fachlichen Prozessen und Programmierfehler führen immer wieder zu Inkonsistenzen und Fehlern. Der Einsatz von Tabellenkalkulation steht im direkten Widerspruch zu den Vorgaben der MaRisk und anderen regulatorischen Anforderungen.

Externe Beratungshäuser wie KPMG haben in einer unabhängigen Analyse sogar festgestellt, das 90 Prozent aller Spreadsheet-Lösungen fehlerbehaftet sind und laut Hackett Group 95 Prozent aller Unternehmen noch mit Excel oder Papier und Bleistift planen!

Erfahren Sie in einer Studie der Aberdeen Group mehr über die Risiken von Spreadsheets und den Nutzen von Business Analytics. Weiter


[Bildquelle: iStockPhoto]

Kommentare zu diesem Beitrag

AntiFraud /12.10.2008 22:35
Wir brauchen dringend ein Schutzschild gegen kriminelle und gierige Manager und korrupte Politiker ... da helfen aber leider die Milliarden der EU-Staaten nicht.
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