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Das größte Risiko: Non-Compliance

Richtige Entscheidungen auf Basis falscher Annahmen

Dr. Oliver Everling

Das größte Risiko: Non-Compliance

Theoretisch wäre es ganz einfach, weiter Bankgeschäft zu machen: "Werde 'complaient', dann ist alles in Ordnung." Soweit die Theorie – Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank spricht auf der 20. Handelsblatt Jahrestagung "Banken im Umbruch" aber zeigt auf, dass heute der Überblick über die Vielzahl der Regulierungen verloren geht. Darin bestehe heute das größte Risiko.

"Mit den meisten Anleihen sind heute Derivate verbunden", warnt Fitschen vor Bemühungen, nun auch noch Derivaten den Markt auszutrocknen. "Die Zeiten waren zu gut", räumt er mit Blick auf die Zeit vor der Krise ein. Wenn es zu gut gehe, würden Nachlässigkeiten einkehren. Infolge der Regulierung habe heute aber wiederum die Komplexität ungeheuer zugenommen.

Der Rückzug er Banken aus dem globalen Handel habe für diesen bereits heute Konsequenzen. "Die Realwirtschaft wird dafür auch einen Preis zu zahlen haben", analysiert Fitschen. Diversität sei etwas positiv. Wenn man den Fokus behalte und sich auf den Kunden rückbesinne, sei diese wünschenswert.

Return on Equity, Cost-Income-Ratio und so weiter seien Maßstäbe des Erfolgs von Banken. Wer sich aber nur an diesen Maßstäben orientiere, habe die Lektionen nicht gelernt. Es gehe heute auch um weiche Faktoren. "Wir können uns nicht allein deshalb als erfolgreich bezeichnen, weil die Zahlen stimmen." Anderen müsse vermittelt werden, "dass unser Denken dabei nicht aufhört, sondern dass wir an den Nutzen denken, den wir für die Gesellschaft stiften."

"Das Thema der Digitalisierung wird in der Presse besonders oft wiederholt, meist mit einem bedrohlichen Unterton. Nun sehen wir, dass die Technik auch für uns von Nutzen sein kann. Selber entwickeln, aber nicht sich darauf beschränken: Eine ganze Reihe von Menschen, die in einem ganz anderen Umfeld groß geworden sind, werden genügend Ideen hervorbringen, um unsere Prozessketten zu verändern und sichtbar neuen Nutzen zu bringen." Die Banken hätten zwar noch nicht das Pendant zu "Industrie 4.0" erfunden. Der Einsatz der Digitalisierung weite sich aber auch in den Banken ähnlich aus.

"Wenn die Leverage-Ratio eingeführt wird, ist die Postbank nicht gut unter dem Dach der Deutschen Bank aufgehoben", verteidigt Fitschen die Entscheidung der Deutschen Bank, die Postbank wieder aufzugeben. "Die Entscheidung war richtig, aber die Annahmen waren falsch", wirft Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblattes ein. Fitschen wehrt sich gegen bohrende Fragen von Steingart, ob künftige Umstrukturierungen der Deutschen Bank ohne jeden Personalabbau umsetzbar sein würden.

Steingart fragt sich, ob "wir das Ende der Bankenkrise schon gesehen haben", oder ob nun FinTechs und so witer zu neuen Herausforderungen führen würden. Fitschen nennt das Beispiel "BRICs". Früher seien BRICs "das" Thema gewesen, "heute will keiner mehr was davon wissen". Kurskorrekturen seien ein ganz normaler Prozess. "Wir haben keine vollkommene Information. Aber wir sind immer bereit, unsere Annahmen in Frage zu stellen."

"Das Phänomen, dass wir so viel Geld ins System pumpen und keine Inflation sehen, müssen wir uns erst einmal erklären", gibt Fitschen ein Beispiel dafür, "nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern zu diversifizieren."

"Zum letzten Mal in dieser Funktion hier auf der Bühne", verabschiedet Steingart Fitschen von der Bühne und kehrt den vielfach zitierten, bekannten Spruch eines Nobelpreisträgers um, da man Fitschen als "einen feinen Kerl mit edlen Motiven bezeichnen kann."

[ Bildquelle: © Trueffelpix - Fotolia.com ]


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