Risikomanagement in Supply Chains

Proaktive Steuerung oder Warten auf den Worst Case?


Redaktion RiskNET
Interview

Lieferketten sind sensibel, feingliederig, weit verzweigt und reißen meist in Krisensituationen. Dies zeigt sich nicht erst in der jüngsten Coronakrise. Naturkatastrophen, Finanzkrisen oder Kriege können Unternehmen mit Lieferabhängigkeiten schnell in die Knie zwingen. Davon betroffen sind alle Branchen, gerade mit internationalen Lieferanten und Produktionsstandorten.  

Für Unternehmen heißt das sich zu wappnen und ein vorausschauendes Supply Chain Risk Management aufzubauen. Denn vorausschauend zu agieren, Risiken in Lieferketten frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern bedeutet Chancensicht. Für Entscheider steht damit die zentrale Frage im Mittelpunkt. Proaktive Steuerung oder Warten auf den Worst Case? Experten raten dringend zu einem aktiven Steuern von Lieferkettenrisiken, denn der Blick in den Abgrund ist keine gute Unternehmensstrategie. Dies bestätigen Carsten Knauer, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V., kurz BME, und Michael Huth. Huth ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, an der Hochschule Fulda.

Dass wir es beim Thema Supply Chain mit einem bedeutenden Thema zu tun haben, das unterstreichen Knauer und Huth unter anderem durch die Corona-Pandemie. So stiegen im Rahmen der Corona-Krise die Google-Suchanfragen nach dem Wort "Lieferkette" binnen acht Monate sprunghaft an – von einem mittleren Indexwert von "26" vor dem 1. Februar 2020 auf einen mittleren Wert von "44" bis Anfang Oktober 2020. Und neben dem Zahlenspiel zeigte sich die Notwenigkeit funktionierender Lieferketten nicht zuletzt aufgrund vieler leerer Regale während der "Corona-Hochphase" mit einem Lockdown und Hamsterkäufen. Mit Blick auf die Charakteristika vieler Lieferketten zeichnen diese sich unter anderem durch unterschiedliche Akteure – von der Fertigung über den Handel bis zu Dienstleistungen und der Logistik aus. Hinzu komme ein oftmals langer Weg, bei gleichzeitig hoher Komplexität sowie hohen Anforderungen an die Kosten, den Service und die Flexibilität.

Im Rahmen einer BME-Umfrage zur Logistik unter 214 Teilnehmern vom Sommer 2020 zeigt sich, dass fast 70 Prozent der Teilnehmer über kein Supply Chain Risk Management (SCRM) verfügen. Die Frage was gegen ein SCRM spricht, beantworteten die Teilnehmer unter anderem mit zusätzlichen Kosten im Rahmen der Steuerungsmaßnahmen, mit mehr Bürokratie sowie Aufwand als auch das Nichterkennen des Nutzens eines Risikomanagements im Supply-Chain-Bereich. Und auch bei der Zufriedenheit mit einem SCRM waren die Meinungen geteilt. 48 Prozent waren zufrieden und gaben als Punkte beispielsweise Strukturen und Abläufe an, aber auch die Risikomanagementkultur und die Kommunikation in der eigenen Organisation. Unzufrieden im Einsatz zeigten sich über 37 Prozent der Teilnehmer, wobei neben der unzureichenden Systematik, die fehlende Transparenz oder das mangelnde proaktive Agieren genannt wurden. Doch gerade Letzteres ist wichtig, wollen sich Unternehmen besser auf mögliche Lieferkettenrisiken vorbereiten und damit die eigene Resilienz ausbauen.

Im Rahmen des RiskNET Summit 2020 im Oktober in Raubling bei Rosenheim sprach die RiskNET-Redaktion mit Carsten Knauer, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und Michael Huth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, an der Hochschule Fulda, über das Risikomanagement in Supply Chains.

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[ Bildquelle: RiskNET GmbH | Peter Hartmann ]
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