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Glaubwürdige Risikomessung als Erfolgsfaktor

Redaktion RiskNET

Glaubwürdige Risikomessung als Erfolgsfaktor

Laut einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants und FINANCE-Research stehen den deutschen Banken nach der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise nun gute Zeiten bevor. Dies gilt der Studie zufolge insbesondere für das Geschäft mit Firmenkunden, das derzeit einen Boom verzeichne und für das die Studienautoren ein Bruttoerlöspotenzial von mehr als 30 Mrd. Euro prognostizieren. Allerdings seien die Banken gezwungen, sich in diesem Geschäftsbereich neuen Herausforderungen zu stellen: Mehr denn je müssen sie ein gutes Rating sowie eine glaubwürdige Risikomessung vorweisen. Um das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen sind zudem offene Kommunikation und kompetente Kundenbetreuung gefragt.

Firmenkundengeschäft als Wachstumsmotor

Infolge des Wirtschaftswachstums erwarten deutsche Kreditinstitute eine deutliche Verbesserung des Firmenkundengeschäfts. "Wächst die Wirtschaft, nimmt auch der Bedarf an Bankdienstleistungen wie Fremdkapital, Zahlungsverkehr, Absicherungsprodukten und Trade Finance zu", begründet Udo Bröskamp, Partner von Roland Berger Strategy Consultants, die positiven Aussichten. Die Vergangenheit habe zudem gezeigt, dass die Erträge im Firmenkundengeschäft überproportional zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ansteigen. Allerdings ist das Geschäft in Deutschland – anders als in vielen Nachbarländern – stark regional gestreut. Dies stelle Kreditinstitute vor besondere Marktanforderungen in Bezug auf ihre Vertriebs- und Betreuungsstrategie. Eine wichtige Rolle spiele außerdem das Auslandsgeschäft.

Als wichtiger Wettbewerbsfaktor im Firmenkundengeschäft der Banken gilt der Studie zufolge vor allem ein besserer Service. Nach Finanzkrise sollten Kreditinstitute Wert darauf legen, ihre Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten – vom Kundenkontakt bis hin zur Abwicklung. Dadurch könnten die Banken das Vertrauen ihrer Kunden wieder zurückgewinnen. In diesem Zusammenhang sei eine sorgfältige Personalpolitik (vor allem bei der Auswahl der Firmenkundenbetreuer) von großer Bedeutung.

Rating und Risikomanagement als wesentliche Wettbewerbsfaktoren

Die Wirtschaftskrise hat bei vielen Kreditinstituten erhebliche Defizite offengelegt: Die starke Spreizung der Refinanzierungskosten, die unterschiedliche Entwicklung der Eigenkapitalbasis sowie die Gefahren bestimmter Geschäftsmodelle haben Banken dazu gezwungen, auf stärker auf ihr Risikomanagement zu achten. Um die Glaubwürdigkeit bei den wichtigen Firmenkunden zurückzugewinnen, müssten Finanzhäuser zeigen, dass sie Risiken richtig einschätzen und ein solides Portfoliomanagement betreiben können.

Die positiven Auswirkungen des Aufschwungs könnten jedoch langfristig zu einer Finanzierungslücke führen. "Die meisten Unternehmen haben die Krise gut überstanden und brauchen jetzt Finanzmittel, um neue Investitionen zu tätigen" sagt Bastian Frien, Chefredakteur des Magazins FINANCE. Der steigende Kreditbedarf der Firmen treffe aktuell jedoch auf die Eigenkapitalrestriktionen der Banken. Dadurch könne der Bankenmarkt den Kreditbedarf allein nicht decken.

Werde kein zusätzliches Eigenkapital verfügbar, könnte daher bis zum Jahr 2014 eine Finanzierungslücke von bis zu 260 Mrd. Euro entstehen – eine Kreditknappheit, die insbesondere mittelständische Unternehmen sowie Firmen mit schwächerer Bonität betreffen dürfte. Neben den Kreditinstituten werden sich der Studie zufolge daher auch Vermittler innovativer Finanzierungslösungen auf dem Markt durchsetzen: Von der Aufnahme Institutioneller Investoren in Konsortialfinanzierungen über Kreditfonds bis hin zu Einzelinvestments durch Institutionelle Investoren seien hier viele Varianten möglich.


[Bildquelle: iStockPhoto]




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