Fragwürdige Vorgänge beim Arnolds-Skandal


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Vor wenigen Wochen wurden Erinnerungen an den Heros-Skandal wach: Die Geschäftsführung des Essener Geld- und Werttransportunternehmens Arnolds hatte mehrere Millionen Euro beiseite geschafft und veruntreut. Das Unternehmen Arnolds Sicherheit beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter unter anderem an den Standorten Essen, Dortmund, Düsseldorf, Hamm und Köln. Die Firma ist in den Bereichen Bewachung, Geld- und Wertdienste, Revier- und Kurierdienste sowie Gleisbausicherung tätig. Ähnlich wie im Fall Heros hatten sie die Lücken wie in einem Schneeballsystem mit dem Geld anderer Kunden geschlossen. Nun gerät auch die Versicherungsgruppe Catlin unter Druck. Lange bevor der Skandal Ende August aufflog, sollen Mitarbeiter des Versicherers über verdächtige Geldbewegungen informiert gewesen sein. Ein Gedächtnisprotokoll über ein Gespräch zwischen Firmen-Miteigentümer Hans Musebrink und dem Insolvenzverwalter legt den Verdacht nahe, Catlin habe von den millionenschweren Schiebereien gewusst und sie womöglich gedeckt. Nun stehen bei dem Versicherer möglicherweise Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe ins Haus

Prinzip Hoffnung bildete Grundlage des Geschäftsmodells

Das Geschäftsmodell von Arnolds-Chef Musebrink basierte wohl auf der Hoffnung, die Lücken im Geldbestand durch einen Teilverkauf des Unternehmens schließen zu können. „Ein Ausgleich sollte dadurch erfolgen, dass die Arnolds Sicherheit aufgespalten ... und die Geschäftsbereiche Geld und Wert und Bewachung veräußert würden“, so Musebrink in einem Protokoll. Auch bei einem Treffen im März dieses Jahres zwischen den Versicherern sowie mehreren Sachverständigen ging es um verdächtliche Tranferzahlungen. Etwa 100 000 Euro wurden von einem Landeszentralbank-Konto, von dem aus Gelder an Kunden überwiesen werden sollten, auf ein Konto der Geldtransportfirma umgeleitet worden.

Catlin-Risikomanager war vermutlich informiert

Der Risikomanager des Versicherers Catlin wurde darüber informiert, dass bei Arnolds neun bis zehn Millionen Euro fehlen, nachdem der Sachverständige bei der Kontenprüfung die Verschiebung festgestellt hatte. Kurze Zeit danach wurde – nach Erkenntnissen der Polizei – die Prüfung abgebrochen. Die Geschäfte bei Arnolds boomten, nachdem man viele Aufträge vom Skandalunternehmen Heros übernommen hatte. So berichtet die Nachrichtenagentur ddp, dass sich auf Bundesbankkonten Gelder sammelten, die nicht bestimmten Kunden zuzuordnen waren. Trotz einer klaren Informationslage ordnet der Versicherer Catlin keine Nachprüfung an. Nun wurde bekannt, dass Anfang April die Versicherungsgruppe Catlin die Eigentümer Arnolds nahegelegt hatte, Unternehmensteile zu verkaufen, um dadurch Einnahmen zur Deckung des Fehlbetrages zu erlangen. „In solchen Fällen hat ein Versicherer gegenüber den Auftraggebern des Geldtransportunternehmens eine besondere Fürsorgepflicht. Erfährt er von Unregelmäßigkeiten, muss er nachdrücklich prüfen und im Zweifelsfall die Kunden informieren. Wenn er das nachweislich nicht getan hat, könnten die Opfer ihn nach meiner Einschätzung auf Schadenersatz verklagen“, erläutert der Berliner Wirtschafts- und Versicherungsrechtler Hans-Peter Schwintowski (Humboldt-Universität).

Arnolds-Opfer haben keinen Versicherungsschutz

Nach dem Bekanntwerden des Skandals wurden die Kunden von Arnold informiert, dass der Versicherungsschutz nicht bestehe, da Catlin arglistig getäuscht wurde und der Versicherungsvertrag damit unwirksam wäre. Allerdings würde sich die Lage dramatisch ändern, falls Catlin eine Mitwisserschaft nachgewiesen werden kann.

[Quelle: ddp sowie eigene Recherche]

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