Für die 130 großen Banken sind die Gerüchte zur Gewissheit geworden. Die Europäische Zentralbank wird bei der anstehenden Bilanzprüfung 8 Prozent Eigenkapital als Untergrenze definieren. Das erklärte die EZB in ihrem mit Spannung erwarteten Schlachtplan für die Mammut-Untersuchung der Eurozone-Banken. "Eine Eigenkapitalquote von 8 Prozent (Tier1) bildet die Minimalanforderung für alle zu überprüfenden Banken", heißt es in der Mitteilung der Währungshüter.
Der Startschuss für den Bilanz-TÜV, der gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden bewerkstelligt wird, soll im November fallen. Die Notenbanker wollen sich Zeit nehmen und veranschlagen für die Prüfung 12 Monate. Sie wollen die Bücher der Geldhäuser genau unter die Lupe nehmen - und zwar Aktiv- und Passivseite.
Für die Aktivseite betrifft das die Qualität der Vermögensbestände und vergebenen Kredite, für die Passivseite vor allem die Robustheit des Eigenkapitals. Besonderes Augenmerk soll auch auf die Liquidität und die Gesamtverschuldung gelegt werden. Die EZB hat angekündigt, konservative Bewertungsstandards anlegen zu wollen.
Sollten einige Institute den Test nicht bestehen, stellt die EZB schon heute klar, dass sie Gegenmaßnahmen erwartet. Dass heißt, dass die betroffenen Banken in diesem Fall neues Kapital auftreiben müssen. Vorrangig soll es von privaten Investoren kommen und nur im Notfall aus den Staatshaushalten.
Der Bilanzprüfung folgt ein Stresstest, der simulieren soll, ob die Geldhäuser einen Schock an den Finanzmärkten und einer langen Krise standhalten können. Den Stresstest will die EZB gemeinsam mit der europäischen Bankenaufsicht EBA durchführen.
Die Testrunde ist der erste Schritt zur gemeinsamen Aufsicht unter den Augen der EZB, die zunächst auf 130 Großbanken aus der Eurozone angelegt ist. Dazu hatten die EU-Finanzminister vergangene Woche endgültig grünes Licht gegeben. In Brüssel und den Hauptstädten hofft man, dass die neue EZB-Abteilung in gut einem Jahr ihre Arbeit aufnehmen kann.
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