Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Entwicklung Risikovorsorge, Kreditrisikostufen und Goodwill-Wertberichtigungen


Redaktion RiskNET
Studie

Die globale Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) hat vielfältige gesellschaftliche sowie ökonomische Konsequenzen mit sich gebracht. Banken verzeichnen im Jahr 2020 durch die Corona-Krise im Wesentlichen eine rückläufige Profitabilität, die insbesondere auf eine erhöhte Risikovorsorge1 zurückzuführen ist. Kreditausfälle und deren Abschreibungen stellen hingegen bisher aufgrund der weiterhin bestehenden diversen Stützungsmaßnehmen eine Seltenheit dar. In diesem Zusammenhang hat die Creditreform Rating AG (CRA) folgenden drei Sachverhalte analysiert:

  1. Entwicklung der Risikovorsorge ausgewählter Großbanken der Eurozone sowie der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken
  2. Entwicklung der Kreditrisikostufen nach IFRS für ausgewählte Großbanken der Eurozone
  3. Entwicklung der Goodwill-Wertberichtigungen für ausgewählte Großbanken der Eurozone

Die Auswahl der Großbanken erfolgte anhand von aussagekräftigen, vorläufigen Zahlen oder bereits testierten Jahresabschlüssen. Die Entwicklung der Kreditrisikostufen ist insbesondere für die Zeit nach der Bewältigung der unmittelbaren Krise interessant. Eine hohe Problemkreditquote könnte für die betroffenen Institute in der Zukunft zu erhöhten Kreditausfällen führen. Die Entwicklung der Goodwill-Wertberichtigungen gibt Aufschluss auf Ertragsaussichten und allgemeine Bewertungen von wesentlichen Unternehmenstöchtern, so die Ratingexperten der Creditreform. Branchenweit, als auch anhand drei spezifischer Regionen2 (Nord- und Mitteleuropa, Süd- und Westeuropa), konnte CRA eindeutige Trends identifizieren.

Erhöhung der Risikovorsorge in 2020 ggü. 2019

Insgesamt erhöhten alle betrachteten Banken ihre Risikovorsorge zum Vorjahr. Branchenweit stieg die Risikovorsorge der betrachteten Institute von durchschnittlich über 30bp im Jahr 2019 auf fast 75bp im Jahr 2020. Nach Regionen betrachtet erhöhte sich die Risikovorsorge in Südeuropa von einem hohen Ausgangsniveau kommend am stärksten um etwa 60bp.

Dagegen entwickelte sich die Risikovorsorge in West- sowie Nord- und Mitteleuropa im Gleichschritt und nahm um etwa 30-35bp im Vergleich zum Vorjahr zu. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht der Vergleich der europäischen Großbanken mit den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken3 (BVR) sowie Sparkassen4 (DSGV). Von einem äußerst geringen Niveau ausgehend verzeichneten sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen nur einen geringen absoluten Anstieg ihrer Kreditrisikovorsorge. Trotz des Anstiegs der Risikovorsorge vom BVR auf 6bp und des DSGV auf 14bp, ist die Risikovorsorge im Vergleich zu den europäischen Großbanken extrem gering. Fraglich ist, inwiefern insbesondere die relativ geringe Risikovorsorge der deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen ausreichend ist oder bilanzpolitische Gründe ein wesentlicher Grund für die niedrige Risikovorsorge sind.

Frühwarnindikatoren für Zunahme potenziellen Problemkredite 

Einen Corona-bedingten signifikanten Anstieg der NPL konnte die CRA hingegen bisher noch nicht im Bankensektor beobachten, was sicherlich noch an den bestehenden staatlichen Stützungsmaßnahmen, Zahlungsmoratorien sowie der teilweisen Aussetzung der Insolvenzpflicht liegt.

Abb. 01: Risikovorsorge 2019 vs 2020 in bp [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, eigene Berechnungen Creditreform]Abb. 01: Risikovorsorge 2019 vs 2020 in bp [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, eigene Berechnungen Creditreform]

Abb. 02: Risikovorsorge nach Region in bp [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, eigene Berechnungen Creditreform]Abb. 02: Risikovorsorge nach Region in bp [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, eigene Berechnungen Creditreform]

Bei 15 der betrachteten europäischen Großbanken konnte die CRA zudem die Entwicklung der Kreditrisikostufen nach IFRS analysieren. Wie aufgrund der staatlichen Stützungsmaßnahmen und Zahlungsmoratorien erwartet, sind die Stage-3-Kredite nur unwesentlich um etwa 0,2%-Punkte (von 3% auf 3,2%) gestiegen. Dagegen kann der steigende Anteil der potenziellen Problemkredite durch den Anstieg der Stage-2-Kredite (+2,3%-Punkte, von 6,8% auf 9,1%) bestätigt werden. Insgesamt spiegelt dieser Anstieg bislang primär nur die Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds, in besondere in stark von der Krise betroffenen Sektoren (z.B. gewerbliche Immobilien) wider. Daher ist von einer weiteren Zunahme der potenziellen Problemkredite mit aufkommenden Zahlungsschwierigkeiten von Kreditnehmern zu rechnen. Der Anteil der unproblematischen Stage 1 Kredite war entsprechend rückläufig im betrachteten Zeitraum.

Volumen der Goodwill-Wertberichtigungen fast verdreifacht

Die Entwicklung der Goodwill-Wertberichtigungen der betrachteten europäischen Großbanken zeigt sich hingegen sehr heterogen. Zwar hat sich das gesamte Volumen der Goodwill-Wertberichtigungen von 2019 auf 2020 fast verdreifacht, allerdings ist der Anstieg primär auf Banken in Südeuropa zurückzuführen. Der extreme Anstieg der Goodwill-Wertberichtigungen wirkt sich in der aktuellen Coronakrise prozyklisch aus und setzt der Profitabilität der Banken zusätzlich zu.

Abb. 03: Goodwill Wertberichtigungen 2019 vs 2020 [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, Berechnungen Creditreform]

Abb. 03: Goodwill Wertberichtigungen 2019 vs 2020 [Quellen: Creditreform Rating AG, Geschäftsberichte und vorläufige Berichte der ausgewählten Banken, Berechnungen Creditreform]

 
1 Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft wurde standardisiert in Relation zu den Kundenforderungen aus dem Kreditgeschäft zu fortgeführten Anschaffungskosten gesetzt. Ausgewertet wurden dazu die vorläufigen Jahresberichte und wenn verfügbar, die Geschäftsberichte.
2 Nord- und Mitteleuropa: 8 Banken in AT, DE, FI; Südeuropa mit 8 Banken in: ES, IT, POR; 7 Banken in Westeuropa: BE, FR, NL.
3 Umfasst die 814 Volks- und Raiffeisenbanken die sich dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken angeschlossen haben allerdings ohne die DZ BANK und die Unternehmen der FinanzGruppe.
4 DSGV Sparkassen ohne Landesbanken und Landessparkassen.

[ Bildquelle: Adobe Stock.com / Андрей Яланский ]
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