Die Euro/Dollar-Achterbahn

Die Welt im Währungskrieg?


Die Welt im Währungskrieg? News

Ist das wirklich ein Währungskrieg, wie es jetzt von vielen behauptet wird? Solche Dramatisierungen sind vor Tagungen des Internationalen Währungsfonds (die am Wochenende in Washington beginnt) nicht ungewöhnlich. Man sollte sie nicht überbewerten. Andererseits ist der Gedanke eines Währungskrieges nicht abwegig. Ich erinnere mich nicht, dass es in den letzten Jahren weltweit in so kurzer Zeit so viele und so starke Wechselkursveränderungen gegeben hat.

Es fing an mit dem Schweizer Franken. Er brach seit Jahresbeginn von 1,49 Franken je Euro auf 1,28 ein (Aufwertung um 14 Prozent). Der japanische Yen ging gegenüber dem US-Dollar von dem schon sehr niedrigen Niveau zu Jahresanfang (93 Yen je Dollar) noch einmal um 10 Prozent nach unten. Das britische Pfund schwächte sich gegenüber dem Euro seit Ende Juni ab von 0,81 auf 0,86 Euro (7 Prozent). Der brasilianische Real ging trotz heftiger Interventionen der Notenbank um 10 Prozent nach unten. Zuletzt ist auch der Euro ausgebrochen. Dabei sind die Probleme mit den Staatsfinanzen in Südeuropa und in Irland noch keineswegs zu Ende.

Die Bewegungen wären noch ausgeprägter gewesen, wenn die Notenbaken nicht zum Teil erheblich auf den Devisenmärkten interveniert hätten. Die Weltwährungsreserven sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres um fast USD 1.000 Mrd. gestiegen. Das ist deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Im Gesamtjahr 2008 beliefen sich die Interventionen auf USD 670 Mrd., im Jahr 2009 auf USD 870 Mrd.

Das sind keine normalen Verhältnisse. Es deutet darauf hin, dass auf den Devisenmärkten etwas im Busch ist. Ich glaube jedoch nicht, dass es ein Währungskrieg ist. Natürlich spielen bei der einen oder anderen Regierung protektionistische Hintergedanken eine Rolle. Den Amerikanern ist ein schwacher Dollar zur Stützung der Konjunktur lieber als ein starker. Auch bei den Chinesen gibt es solche Überlegungen. Aber von einer generellen Tendenz zu währungspolitischen Handelsbeschränkungen kann man – bisher jedenfalls – nicht sprechen.

Abbildung: Die Euro/Dollar-Achterbahn [Quelle: Bundesbank]
Abbildung: Die Euro/Dollar-Achterbahn [Quelle: Bundesbank]

Um was es sich handelt, ist viel einfacher: Es ist ein Wechsel im währungspolitischen Paradigma. In der Krise standen auch die Devisenmärkte unter dem Eindruck der Probleme an den Finanzmärkten. Immer dann, wenn sich die Lage verschärfte und die Anleger nicht mehr bereit waren, Risiken zu nehmen, wurde der Dollar stärker. Investoren flüchteten in die amerikanische Währung als "sicherer Hafen". Umgekehrt nahm die Nachfrage nach US-Dollar ab, wenn sich die Situation an den Märkten entspannte. Abzulesen war das am Aktienmarkt. Wenn die Kurse fielen, wurde der Dollar stark, wenn sie stiegen, wurde der Dollar schwach.

Das wird zwar in Zukunft weiter eine Rolle spielen. Die Krise ist noch nicht zu Ende. Daneben gewinnt aber eine neue "Story" an Gewicht. Das ist die Differenzierung der internationalen Konjunktur. Hier hat sich die Lage in den letzten Monaten in der Tat stark verändert. Es gibt keinen konjunkturellen "Einheitsbrei" mehr. In den Schwellenländern hat der Aufschwung bereits begonnen, beziehungsweise ist in vollem Gang. Sie spüren den Druck höherer Inflation und haben die Zinsen zum Teil schon angehoben. In Kontinentaleuropa hat die Erholung eingesetzt. Sie ist aber noch nicht so gefestigt. Hier denken die Notenbanken über einen Exit aus der ultralockeren Geldpolitik nach. In den USA, Großbritannien und Japan wird dagegen ein Double Dip befürchtet, also eine Rezession mit zwei Tälern. Hier geht es darum, ob die expansive Geldpolitik ausreicht oder ob sie nicht noch verstärkt werden muss. Japan hat in dieser Woche noch einmal die Zinsen gesenkt.

Solche Unterschiede sind natürlich "gefundenes Fressen" für die Devisenmärkte. Zum einen fließt Geld in die Schwellenländer. Das wertet deren Währungen tendenziell weiter auf. Zum zweiten zieht aber auch Europa Kapital an. Der Euro marschiert in Richtung auf 1,50. Auch gegenüber dem britischen Pfund hat der Euro noch weiteres Aufwertungspotenzial. Da die Schweiz konjunkturell besser dasteht als Euroland, wird der Franken gegenüber dem Euro eher zulegen (auf unter 1,30 Franken je Euro). All das sind keine "politischen" Bewegungen. Es ist die Konsequenz des freien Kapitalverkehrs in einer globalen Wirtschaft. Wer das nicht will, muss den Kapitalverkehr beschränken. Damit würde aber eine der großen Quellen des Wohlstands in der Welt gefährdet.

Nur der japanische Yen passt hier – wie schon so oft – nicht ins Bild. Er müsste aus konjunkturellen Gründen eigentlich schwächer gegenüber dem Euro sein. Hier spielen vermutlich noch Auflösungen von Carry Trades aus den letzten Jahren eine Rolle. Dieser Umbruch ist mit viel Unsicherheit verbunden. Zudem stehen die Wirkungen auf die Kurse unter dem Vorbehalt von Beschränkungen des Kapitalverkehrs und von Devisenmarktinterventionen. Beides wird hoch bleiben, sich vermutlich noch verstärken. Kein Aufwertungsland möchte sich seine konjunkturelle Erholung durch die Wechselkurse kaputt machen lassen. Andererseits hat die Entwicklung der letzten Monate gezeigt, dass Interventionen nur begrenzt wirken. Weder der Schweiz noch Japan ist es gelungen, die Aufwertung durch Verkauf ihrer Währungen auf den Märkten zu stoppen. Hier zeigt sich die alte Erfahrung, dass Eingriffe der Zentralbanken auf den Devisenmärkten in den Industrieländern nur dann wirken, wenn es sich um konzertierte Aktionen mehrerer Zentralbanken handelt.

Für den Anleger gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Das politische Getöse um einen Währungskrieg ist nur vorübergehend und wird bald wieder abebben. Es wird kein neues Plaza-Abkommen geben. Die Politiker werden auch keine neue Weltwährungsordnung aus dem Hut zaubern. Die schlechte Nachricht: Die Wechselkursentwicklungen der letzten Wochen und Monate sind nicht nur eine temporäre "Verirrung". Sie sind ökonomisch gut begründet und werden daher noch eine Weile anhalten. Nur wenn die Aufwertungen die Konjunktur in den Schwellenländern oder in Europa wirklich gefährdet, werden die Märkte ihren Kurs ändern. Es wird aber erhebliche Schwankungen geben.

 

Autor: Dr. Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.



[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Jan /07.10.2010 16:54
China hält den Yuan künstlich billig, um den eigenen Export zu befeuern. Das ist aus deren SIcht auch sinnvoll ... und hat wohl nix mit einem Währungskrieg zu tun.

Es ist aber auch verständlich, wenn der Internationale Währungsfonds IWF - wie heute - und die Weltbank vor den Folgen eines Abwertungswettlaufs von Währungen warnen und eine stärkere globale Zusammenarbeit anmahnen. Diese globale Zusammenarbeit ist ein netter Wunsch - wird aber nicht funktionieren!
morphosis /07.10.2010 20:31
Basierend auf dem globalen Wettbewerb ist es mehr als logisch, wenn jedes Land seine Währung abwertet, um so die eigenen Exporteure zu begünstigen. Dumm ist das Spiel allerdings dann, wenn alle Länder abwerten. Dann zerfleischt man sich gegenseitig ... und die Dominorallye endet für alle in der Regel mit einem Kollaps des globalen Handels (siehe Weltwirtschaftskrise). Denn wenn alle abwerten, dann heben sich die positiven Effekte eines günstigen Außenwertes wieder auf ... ;-) so einfach ist das
sam /07.10.2010 23:03
Eines wird immer vergessen: Wechselkurse sollten wirtschaftliche Fundamentaldaten widerspiegeln ... das ist leider nicht immer der Fall!
Markus /08.10.2010 09:17
Zum Thema Wechselkurse:

Währungen sollten die Kaufkraftparität widerspiegeln....

Somit ist klar, dass es im moment große Unterschiede auf den internationalen Märkten gibt

Am Beispiel China wird dieses besonders deutlich

Nur kommen wir wieder in eine Henne-Ei Problematik:

Wenn alle abwerten um den Export zu stärken, stellt sich die Frage nach Abnehmern im Ausland...

Die Binnenkonjuktur bzw. strukturellen Veränderungen werden dabei völlig ausgeblendet.

Je nach Unternehmen sollte man natürlich breiter aufgestellt sein und nicht nur auf einen Markr fixiert sein, aber die etablierten Märkte Europas und Amerikas sind eben auch große Absatzmärkte für eigene Produkte

Letzlich ist die Entwicklung der Währungskurse sehr eng an die Zinsentscheide der EZB bzw. FED gekoppelt.

Man traut sich nicht die Zinsen zu erhöhen und bläht dadurch zusätzliche Fehlentwicklungen auf (Anleihemärkte, Gold, Rohstoffe, Devisen...)

Es gibt extreme Diskrepanzen was bspw. die CDS-Spreads betrifft, verschärft durch die Rating-Agenturen-Problematik usw. (unabhängig von der tatsächlichen Lage)

Das Problem der Eigenkapitalausstattung von Banken und deren Risikoaversion wurde mir Basel-III und nur dürftig geflickt, wenn nun zusätzlich eine langere Phase der Niedrigzinspoltik beibehalten wird, sind wir demnächst in der selben Situation wie Japan seit den 90er Jahren. (alternde Gesellschaft, kein Fokus auf Binnenmarkt, status quo verteidigen, sich nicht neuen Entwicklungen öffnen)
RiskNET Redaktion /09.10.2010 20:56
+++ Rehn fordert von China schnelle Wechselkursflexibilisierung +++

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hat China am Samstag aufgefordert, schnell einen flexibleren Wechselkurs seiner Währung zuzulassen. "In der Zukunft sollten Risiken übermäßiger Volatilität und ungeordnete Wechselkursbewegungen angesichts ihrer schädlichen Auswirkungen für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität vermieden werden", sagte Rehn bei einer Sitzung des obersten Lenkungsgremiums des Internationalen Währungsfonds (IWF).

"In dieser Hinsicht werden die chinesischen Entscheidungsträger ermutigt, schnell einen flexibleren Wechselkurs für den Renminbi umzusetzen", erklärte Rehn laut seinem Redemanuskript für die Sitzung, die im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington stattfand.

Viele Staaten sind besorgt, dass China mit dem Festhalten an einer unterbewerteten Währung die Exporte des Landes subventioniert. In den USA war zuletzt ein Gesetzentwurf verabschiedet worden, der Handelssanktionen für den Fall vorsieht, dass ein Land seine Währung manipuliert. Länder wie Japan, Korea und Singapur hatten ihrerseits erst jüngst am Devisenmarkt interveniert, um durch schwächere Währungen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu stärken.

Der Geschäftsführende IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte in Washington die Länder weltweit vor dem Einsatz von Währungen als "Waffe" zur Stützung ihrer Exporte gewarnt, da sonst eine "Katastrophe" drohe. Zuvor hatte Strauss-Kahn wie auch andere von einem "Währungskrieg" gesprochen, diesen Begriff aber später als "vielleicht zu militärisch" zurückgenommen. Der stellvertretende chinesische Zentralbankgouverneur Yi Gang hatte in Washington beteuert, China wolle einen solchen "Währungskrieg" auf jeden Fall vermeiden und arbeite "hart dagegen".

Rehn hob in seiner Rede zudem die Notwendigkeit einer anhaltenden globalen Koordination hervor, um Finanzinstitute besser zu regulieren. "Es ist entscheidend, dass wir Banken und andere Finanzintermediäre in die Verantwortung nehmen, künftige Risiken für die Steuerzahler minimieren und die angemessenen Instrumente entwickeln, um mit systemischen Risiken (...) umzugehen", erklärte der EU-Kommissar.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, mahnte in Washington ebenfalls eine bessere Finanzaufsicht und stärkere Koordination makroökonomischer Politiken an, damit sich die Steuerzahler nicht noch einmal enormen Finanzierungskosten im Fall einer erneuten Krise gegenübersähen. "Wir können es nicht akzeptieren, erneut solche außergewöhnlichen Maßnahmen zu ergreifen", sagte er. Die weltweiten Kosten zur Rettung des Bankensystems nach der Krise im Jahr 2008 hätten in den USA wie in Europa rund 25% bis 27% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. "Ich zweifele die Fähigkeit unserer Demokratien an, erneut 27% auf den Tisch zu legen", betonte Trichet.
RiskNET Redaktion /09.10.2010 20:57
+++ Staaten diskutieren neue "Verkehrsregeln" für Währungspolitik +++

Die internationale Staatengemeinschaft diskutiert im Rahmen der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington ein neues Paket von "Verkehrsregeln" für die Währungspolitik, mit denen Richtlinien für Interventionen und Reformen eingeführt werden sollen. Das sagte der kanadische Finanzminister Jim Flaherty, der am Samstag in Washington aber zugleich betonte, bei der Tagung am Wochenende sei kein Abkommen über solche globalen Währungs-Leitlinien zu erwarten.

Die Idee sei bei verschiedenen Treffen im Zuge der Jahrestagung diskutiert worden, berichtete Flaherty. Kommende Treffen der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) stellten nun den "angemessenen Zeitpunkt" dar, um den wachsenden Disput zu lösen, der nach der Befürchtung mancher zu einem "Währungskrieg" führen könnte.

"Wir haben alle übereingestimmt, dass mehr Kooperation nötig ist, und die Kooperation muss uns auf einen Weg führen, auf dem wir ein gemeinsames Verständnis von Parametern haben," sagte Flaherty zu Journalisten. Die Idee bestehe darin, die "De-facto"-Kooperation auszuweiten, die jahrelang zwischen der Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G-7) bestanden habe, um die Stabilität der internationalen Devisenmärkte zu sichern.

"Es gibt dort ein Maß an Kooperation in der jüngsten Geschichte, und in einer globalen Wirtschaft müssen wir dieses ausbauen", forderte der kanadische Finanzminister. Die Leitlinien sollten regeln, welche Umstände Währungsinterventionen rechtfertigten, und wie ein angemessener Fortschritt bei der Reform von Wechselkurspolitiken definiert werden solle, um mehr Flexibilität zu erreichen, sagte er.

Der Geschäftsführende IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte in Washington die Länder weltweit vor dem Einsatz von Währungen als "Waffe" zur Stützung ihrer Exporte gewarnt, da sonst eine "Katastrophe" drohe. Zuvor hatte auch er von einem "Währungskrieg" gesprochen, diesen Begriff aber später als "zu militärisch" zurückgenommen. Länder wie Japan, Korea und Singapur hatten erst jüngst am Devisenmarkt interveniert, um durch schwächere Währungen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu stärken. Viele Staaten sind auch besorgt, dass China mit dem Festhalten an einer unterbewerteten Währung seine Exporte subventioniert.
RiskNET Redaktion /09.10.2010 21:36
+++ IWF soll Arbeit zu Währungen zu vertiefen +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll nach Einschätzung seines obersten Lenkungsgremiums eine Schlüsselrolle bei der Überwachung von Wechselkursbewegungen und Kapitalflüssen einnehmen, um die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu sichern.

"Es bestehen weiterhin Spannungen und Anfälligkeiten als Ergebnis sich ausweitender globaler Ungleichgewichte, fortgesetzter volatiler Kapitalflüsse, Wechselkursbewegungen und Fragen im Zusammenhang mit der Bereitstellung und Anhäufung offizieller Reserven", erklärte der Internationale Währungs- und Finanzausschuss am Samstag in einem Statement nach seiner Sitzung im Zuge der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington. "Da diese Fragen von entscheidender Bedeutung für das effektive Funktionieren der Weltwirtschaft und die Stabilität des internationalen Währungssystems sind, fordern wir den Fonds auf, seine Arbeiten auf diesen Feldern zu vertiefen", erklärte der Lenkungsausschuss.

Der Geschäftsführende IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte zur Eröffnung der Tagung erklärt, seine Organisation solle eine größere Rolle spielen, um internationale Wechselkursvereinbarungen zwischen seinen Mitgliedern zu vermitteln. Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty sagte am Samstag, die internationale Staatengemeinschaft habe im Rahmen der Jahrestagung ein neues Paket von "Verkehrsregeln" für die Währungspolitik diskutiert, mit denen Richtlinien für Interventionen und Reformen eingeführt werden sollen.

Die Idee sei bei verschiedenen Treffen im Zuge der Jahrestagung besprochen worden, und kommende Treffen der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) stellten nun den "angemessenen Zeitpunkt" dar, um den wachsenden Disput zu lösen, der nach der Befürchtung mancher zu einem "Währungskrieg" führen könnte.

Strauss-Kahn hatte in Washington die Länder weltweit vor dem Einsatz von Währungen als "Waffe" zur Stützung ihrer Exporte gewarnt, da sonst eine "Katastrophe" drohe. Zuvor hatte auch er von einem "Währungskrieg" gesprochen, diesen Begriff aber später als "zu militärisch" zurückgenommen. Länder wie Japan, Korea und Singapur hatten erst jüngst am Devisenmarkt interveniert, um durch schwächere Währungen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu stärken. Viele Staaten sind auch besorgt, dass China mit dem Festhalten an einer unterbewerteten Währung seine Exporte subventioniert.
RiskNET Redaktion /10.10.2010 10:30
+++ UPDATE: G-7 vereinbaren Referenzpunkte zur Währungspolitik +++

Die Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G-7) hat bei einem informellen Treffen in Washington nach Angaben von Bundesbank-Präsident Axel Weber Referenzpunkte zur Entwicklung der Wechselkurse vereinbart, ist damit jedoch im Wesentlichen nicht über früher getroffene Aussagen hinausgegangen.

"Wir haben nach diesem Treffen gemeinsame points of reference festgelegt", sagte Weber bei einer Pressekonferenz am Samstag (Ortszeit) in der US-Hauptstadt. "Wir haben zum einen bestätigt, dass wir ein gemeinsames Interesse an einem widerstandsfähigen internationalen Finanzsystem haben, und zweitens, dass Wechselkurse ökonomische Fundamentaldaten widerspiegeln sollen", erklärte er.

Es gelte, übermäßige Volatilität zu vermeiden. "Wir haben die übliche G-7-Sprache auch wieder als gemeinsame terms of reference festgelegt, dass nämlich übermäßige Volatilität und ungeordnete Entwicklung von Wechselkursen negative Implikationen für das wirtschaftliche Wachstum und die finanzielle Stabilität haben", berichtete Weber aus der Zusammenkunft der G-7-Finanzminister und -Notenbankgouverneure vom Freitagabend. Generell sei bei dieser die Marktorientierung der Wechselkurse festgehalten worden, "keine Interventionen, die nicht abgestimmt sind".

Die G-7 hätten vereinbart, "dass wir in Wechselkursfragen sehr genau die weiteren Entwicklungen beobachten wollen und dabei angemessen zusammenarbeiten wollen", erklärte er. "Über diese generellen terms of reference sind wir in der Sitzung nicht hinausgekommen", betonte Weber. Ausdrücklich wies der Präsident der Deutschen Bundesbank die Sichtweise zurück, gegenwärtig finde ein "Währungskrieg" statt. "Ich finde den Begriff nicht gelungen", sagte Weber.

Zur deutschen Wirtschaft betonte er, diese stehe "am Rande einer sich selbst tragenden Wachstumsentwicklung". Zwar werde sich das Wachstum gegenüber der im zweiten Quartal verbuchten Rate von 2,2% "normalisieren", hierin sei jedoch keine generelle Abschwächung zu sehen. "Im Kern ist die Erholung in Deutschland intakt", betonte er. Das Wachstum sei inzwischen "durchaus etwas breiter aufgestellt".

Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen betonte, die Wirtschaftslage in Deutschland sei in der Debatte der G-7 "immer als positives Beispiel erwähnt" worden. "Das Wachstum hat an Breite zugenommen", sagte er. Im zweiten Quartal sei der Beitrag der heimischen Nachfrage größer gewesen als die Nettoexporte. "Das ist schon ein Stück Rebalancing, das auch immer gefordert wurde", betonte Asmussen.

Mit Blick auf die Washingtoner Tagung erklärte er, dort seien Fortschritte für eine Reform des IWF erreicht worden. "Wir konnten die Lösungsmenge einengen", erklärte er. Deutschland bestehe aber auf einer Gesamtlösung, neben einer Verschiebung von IWF-Quotenanteilen um mindestens 5%, einer Festlegung des Volumens einer Quotenerhöhung und der Festlegung der künftigen Größe und Zusammensetzung des Exekutivdirektoriums noch weitere Punkte umfasse. "Aus unserer Sicht muss es ein Gesamtpaket sein, das aus sechs Elementen besteht", machte er klar und forderte nicht-europäische Staaten auf, sich "auch zu bewegen", um eine Lösung zu erreichen.

Das oberste IWF-Lenkungsgremium wies dem Fonds bei seiner Sitzung am Samstag unterdessen eine Schlüsselrolle bei der Überwachung von Wechselkursbewegungen und Kapitalflüssen zu und forderte ihn auf, "seine Arbeiten auf diesen Feldern zu vertiefen". Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty sagte, die internationale Staatengemeinschaft habe im Rahmen der Jahrestagung ein neues Paket von "Verkehrsregeln" für die Währungspolitik diskutiert, mit denen Richtlinien für Interventionen und Reformen eingeführt werden sollen.

Der Geschäftsführende IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte zur Eröffnung der Tagung erklärt, seine Organisation solle eine größere Rolle spielen, um internationale Wechselkursvereinbarungen zwischen seinen Mitgliedern zu vermitteln. Strauss-Kahn hatte in Washington die Länder weltweit vor dem Einsatz von Währungen als "Waffe" zur Stützung ihrer Exporte gewarnt, da sonst eine "Katastrophe" drohe. Zuvor hatte auch er von einem "Währungskrieg" gesprochen, diesen Begriff aber später als "zu militärisch" zurückgenommen.

Länder wie Japan, Korea und Singapur hatten erst jüngst am Devisenmarkt interveniert, um durch schwächere Währungen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportindustrien zu stärken. Viele Staaten sind auch besorgt, dass China mit dem Festhalten an einer unterbewerteten Währung seine Exporte subventioniert.
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