Sieben Banken in Europa fallen durch

Banken im Stresstest


News

Nach Wochen der Ungewissheit steht das Ergebnis der europaweiten Stresstests fest: Von 91 europäischen Banken haben nur sieben die Prüfung nicht bestanden. Die Hürde war eine Kernkapitalquote von 6 Prozent bei Simulierung bestimmter Krisenszenarien gewesen. Um auch die durchgefallenen Kandidaten auf diese Quote zu bringen, seien Kapitalspritzen im Volumen von insgesamt 3,5 Mrd EUR nötig, teilte die europäische Bankenaufsicht CEBS (Committee of European Banking Supervisors) mit.

In dem Test hatten die Aufsichten die Fähigkeit der Banken geprüft, zusätzliche Schocks in Form von Kredit- und Marktrisiken auszuhalten, darunter Risiken, die sich aus Engagements in Staatsanleihen ergeben. So wurden Stress-Szenarien simuliert wie beispielsweise eine zwei Jahre andauernde Rezession. Unter solchen Szenarien sollten die Banken in der Lage sein, eine Kernkapitalquote in Höhe von mindestens 6 Prozent zu halten.

Mit der Veröffentlichung der Testergebnisse sollte das Vertrauen in die Banken gestärkt werden, so das Kalkül der Politik, die die Milliardenhilfen für die Banken aus Steuergeldern verteidigen muss. Ob das aufgeht ist allerdings offen. In einer ersten Reaktion zeigten sich Analysten kritisch. Es habe zu wenig Transparenz und eine zu laxe Bewertung der Risiken gegeben, lautete die Kritik nach Bekanntgabe der Details. Tatsächlich geht der Test auch in seinem Worst-case-Szenario nicht von einem Totalausfall von europäischen Staatsanleihen aus. Denn die Aufseher ziehen einen solchen Ausfall von Mitgliedern der EU oder der Eurozone gar nicht erst in Betracht.

Trotz der als zu lax kritisierten Maßstäbe schafften sieben Banken es nicht: Durch den Test fielen neben einer deutschen Bank die griechische ATEBAnk sowie die fünf spanischen Sparkassen Unnim, Diada, Espiga, Banca Civica und Cajasur. Von den deutschen Banken schaffte es nur die Münchener Hypo Real Estate (HRE) nicht. Sie blieb mit einer Kernkapitalquote von 4,7 Prozent unter der geforderten Schwelle von 6 Prozent. Dem verstaatlichten Immobilienfinanzierer fehlten rund 2 Mrd. EUR zum Bestehen des Tests. Das Testergebnis der HRE war für die Märkte kein Schock und hat laut Analysten auch keine Auswirkungen: Da die Bank dem Staat gehört, muss der Markt nicht um ihre Refinanzierung fürchten.

Unter den Privatbanken schaffte es die Postbank wie erwartet nur knapp über die 6%-Hürde. Im schlimmstmöglichen Szenario würde die Kernkapitalquote der Bank bei 6,6 Prozent liegen und damit nur leicht über dem geforderten Wert, wie aus einer Mitteilung der Bundesbank hervorging. Deutlich dicker sind die Kapitaldecken der Deutschen Bank (9,7 Prozent) und der teilverstaatlichten Commerzbank (9,1 Prozent). Glimpflich ging der Test auch für die sieben deutschen Landesbanken aus: Nachdem Kandidaten wie die Helaba und Nord LB bis zuletzt als unsichere Kantonisten galten, konnten letztlich alle sieben die wesentliche Hürden nehmen. In vielen Fällen war das nur mit Hilfe der bereits erteilten Kapitalspritzen vom Staat möglich.

Credit Default Swaps von Banken wieder deutlich gestiegen

Die Credit Default Swap (CDS)-Werte von im deutschen Markt agierenden Banken sind in den vergangenen Monaten erneut deutlich angestiegen. Der Mittelwert der von Scope Analysis berücksichtigten Banken betrug zum Stichtag 30. Juni 2010 129,4 Basispunkte, so die Berechnungen der Ratingagentur in einer aktuellen Studie. Vor allem die Sorgen um Insolvenzgefahren und um die hohe Staatsverschuldung einiger europäischer Staaten sowie die damit einher gehende Euro-Schwäche habe die Unsicherheit in den Märkten und damit die CDS-Werte nach oben getrieben, so die Studie. Staatspapiere gefährdeter europäischer Länder wie Griechenland seien breit in den Anleiheportfolios von Banken vertreten und verfestigten den Eindruck der Märkte über ein nach wie vor erhebliches Abschreibungspotenzial in den Bankbilanzen.

Trotz der eingeleiteten Notfallmaßnahmen von IWF, Europäischer Union sowie der Länderregierungen für die Sanierung ihrer Staatshaushalte haben sich die durch die CDS-Werte ausgedrückten Risikoaufschläge noch nicht maßgeblich zurückgebildet. Anfang des Jahres lag der CDS-Wert im Branchendurchschnitt noch bei 78,8 Basispunkten; die Märkte hatten sich weitgehend beruhigt. Doch nach den Turbulenzen um den Euro erreichte der CDS-Mittelwert am 1. Juni mit 162,5 Basispunkten wieder einen Höchststand im ersten Halbjahr 2010.


Abbildung: Der CDS-Mittelwert seit Januar 2010 (Quelle: Scope Analysis)


In den Wochen vor und nach der Insolvenz von Lehman waren Werte im Branchenmittel von über 300 Basispunkten erreicht worden. „Normale“ CDS-Stände bei ruhigen Marktverläufen liegen bei deutlich unter 50 Basispunkten. Hohe CDS-Werte sind derzeit vor allem bei Morgan Stanley (210 BP) sowie der Royal Bank of Scotland (180 BP), der Citigroup (161 BP), der HSH Nordbank (151 BP) sowie Goldman Sachs (150 BP) anzutreffen. Wesentlich niedrigere Risikoaufschläge deutlich unter dem Marktdurchschnitt verlangen die Märkte dagegen bei der HSBC Bank (61 BP), der Rabobank (69 BP) sowie JPMorgan Chase (84 BP).

Credit Default Swaps (CDS) geben Aufschluss darüber, wie der Markt kurzfristig das Ausfallrisiko eines Emittenten bewertet. Der Wert zeigt den Risikoaufschlag an, den Kapitalgeber am Markt für die Anleihen eines Emittenten verlangen, um dessen Ausfallrisiko abzudecken. Eine fundierte Bonitätsanalyse ersetzt die CDS-Betrachtung freilich nicht; sie spiegelt die aktuelle Marktmeinung in Bezug auf die fragliche Adresse wider. Sie kann sich kurzfristig ändern, wird aber als Frühindikator bei sich zuspitzenden Risiken gesehen, welche die herkömmlichen, auf Fundamentalanalyse basierenden und damit zum Teil rückwärts gerichteten Credit Ratings noch nicht anzeigen.


Tabelle: Aktuelle CDS-Werte (Quelle: Scope Analysis)


Download 2010 EU Wide Stress Testing:


[Bildquelle oben: iStockPhoto]

Kommentare zu diesem Beitrag

Susanne /08.10.2008 01:18
Staat, Banken und Bürger haben über ihre Verhältnisse gelebt und Risiken ausgeblendet. So einfach ist das ... nun dürfen wir alle die Suppe wieder auslöffeln!
Risk Academy

Die Intensiv-Seminare der RiskAcademy® konzentrieren sich auf Methoden und Instrumente für evolutionäre und revolutionäre Wege im Risikomanagement.

Seminare ansehen
Newsletter

Der Newsletter RiskNEWS informiert über Entwicklungen im Risikomanagement, aktuelle Buchveröffentlichungen sowie Kongresse und Veranstaltungen.

jetzt anmelden
Lösungsanbieter

Sie suchen eine Softwarelösung oder einen Dienstleister rund um die Themen Risikomanagement, GRC, IKS oder ISMS?

Partner finden
Ihre Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.