Parkplatzbelegung, Containerumschlag, Stromproduktion, Wetter ...

Auswertung digitaler Frühwarninformationen


Redaktion RiskNET
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Das Statistische Bundesamt (Destatis) will erste Schätzungen zur quartalsweisen Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Leistung deutlich beschleunigen. Beginnend mit dem zweiten Quartal will es eine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schon 30 (bisher: 45) Tage nach Quartalsende veröffentlichen, also Ende Juli. Parallel dazu prüfen die Statistiker aber im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auch, ob eine erste Schätzung ("Nowcast") auf Basis alternativer Daten schon nach zehn Tagen veröffentlicht werden könnte. Das geht aus einem Aufsatz hervor, den Destatis-Mitarbeiter in der Fachzeitschrift Wirtschaft und Statistik veröffentlicht haben.

Gegenwärtig kommt Destatis 45 Tage nach Endes Quartals (T+45) mit einer ersten BIP-Veröffentlichung heraus. Bei Veröffentlichung der BIP-Schätzung für das vierte Quartal 2019 lagen schon Daten zur Produktion im produzierenden Sektor und zu den Umsätzen in der Industrie und im Einzelhandel bis Dezember vor.

Destatis liefert bisher intern nach 30 Tagen an Eurostat

Allerdings musste Destatis für die erste Veröffentlichung des Euroraum-BIP am 31. Januar vorab eine BIP-Schätzung an Eurostat liefern - auf Basis von Daten bis November. Grund ist, dass sich die Europäer auf eine Veröffentlichung T+30 geeinigt haben. Destatis steuerte hierfür eine interne Schätzung bei, die auf geschätzten Dezember-Werten beruhte.

Mit diesen internen, nicht veröffentlichten BIP-Schätzungen lagen die Statistiker möglicherweise daneben. Mitte Januar, bei der BIP-Veröffentlichung für das Gesamtjahr 2019, hatten sie für das vierte Quartal noch einen BIP-Anstieg prognostiziert. Am 14. Februar meldeten sie dann aber eine BIP-Stagnation, nachdem Anfang Februar deutliche Rückgänge bei Produktion und Umsätzen im Dezember gemeldet worden waren.

Offizielle Veröffentlichung T+30 ab Juli geplant

Das zeigt, dass eine BIP-Schätzung auf Basis von Daten für zwei Monate nicht ohne Risiko ist. Entsprechend lange zögerte man in Wiesbaden, sich auf eine Veröffentlichung T+30 einzulassen, wie es nun ab Juli geplant ist. Eine Veröffentlichung nach nur zehn Tagen wäre jedoch ein noch ehrgeizigeres Unterfangen, und bei den Planungen hierfür sieht sich das Statistische Bundesamt tatsächlich in einer europäischen Vorreiterrolle.

Das in der Ökonomensprache "Nowcast" genannte Verfahren bezeichnet eine Schätzung noch während oder kurz nach Ende einer Referenzperiode. Zu einem so frühen Zeitpunkt liegen zwar schon einige wenige amtliche Basisdaten vor. Ein größerer Anteil muss jedoch, gestützt auf Indikatoren und statistische Modelle, geschätzt werden.

Frühwarnindikatoren liefern erste Signale

Dazu würde Destatis auf Umfrageindikatoren zurückgreifen, also Ifo-Index, ZEW-Index, GfK-Konsumklimaindikator und Einkaufsmanagerindizes. Diese Daten liegen für alle drei Monate des Quartals schon vor Quartalsende vor. Und sie liefern oft Signale, die zumindest auf den ersten Blick nicht mit denen übereinstimmen, die von den amtlichen Daten kommen.

Die Statistiker haben diese Daten in ein Rechenmodell eingesetzt, um herauszufinden, ob sie in der Lage sind, im Nachhinein die BIP-Entwicklung zu erklären. Dabei haben sich vor allem der Ifo-Geschäftsklimaindex und seine Teilindizes als geeignete Schätzindikatoren für einen BIP-"Nowcast" erwiesen.

Auswertung digitaler Frühwarninformationen könnte ausgebaut werden

Darüber hinaus wurden auch Daten aus digitalen Quellen getestet, zum Beispiel der Containerumschlagsindex des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Stromproduktionsdaten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), sowie Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Deutschen Bundesbank.

Im Rahmen künftiger Analysen könnte darüber hinaus überprüft werden, ob sich eine mittels Satellitendaten generierte Zeitreihe der Parkplatzbelegung vor Einkaufszentren als Indikator für die BIP-Schätzung nach zehn Tagen eignet, beispielsweise im Bereich des Einzelhandels. Das Institut für Forschung und Entwicklung in der Bundesstatistik führt derzeit unter dem Titel "Smart Business Cycle Statistics" eine Machbarkeitsstudie dazu durch.

Dabei wird mithilfe von Objekterkennung auf sehr hochauflösenden Satellitenbildern die Anzahl der geparkten Autos und Lastkraftwagen vor Einkaufszentren oder vor großen Baumärkten analysiert.

Neue Daten und Methoden verbessern Genauigkeit der T+30-Schätzung

Laut Destatis haben die bisherigen Tests vielversprechende Ergebnisse geliefert. Sie zeigen aber auch, dass eine BIP-Schätzung nach zehn Tagen weniger nah an der Realität liegt als eine nach 30 Tagen. Zugleich haben die Statistiker herausgefunden, dass sich einige der für das Zehntagemodell verwendeten Daten und Methoden auch dazu eignen, die Qualität der BIP-Veröffentlichung nach 30 Tagen zu verbessern.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]
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