Optimierung des Risiko-Rendite-Profils

Alternative Risikoprämien als Renditetreiber


Optimierung des Risiko-Rendite-Profils: Alternative Risikoprämien als RenditetreiberStudie

Im weiter anhaltenden Niedrigzinsumfeld suchen Investoren dringend nach neuen und diversifizierenden Renditequellen. Dabei fiel der Blick zuletzt auch auf eine Strategie, die zwar seit Jahren bekannt ist, aber in der Praxis hierzulande bislang nur selten systematisch genutzt wurde: Alternative Risikoprämien. Hierbei handelt es sich um regelbasierte Investmentansätze, bei denen gezielt solche Risiken genommen werden, die über das systematische, also alle Wertpapiere betreffende Marktrisiko hinausgehen.

Welchen Mehrwert bieten entsprechende Strategien für den Investor, und eröffnen sie tatsächlich die Möglichkeit, die Ertragssituation und die Diversifikation im Portfolio zu verbessern? Im Auftrag von Union Investment untersuchte Arnd Wiedemann, Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Bankmanagement an der Universität Siegen, diese Fragen im vergangenen Jahr. Die Ergebnisse seiner Risikomanagement-Studie waren eindeutig: Alternative Risikoprämien erzielen nicht nur langfristig stabile Überrenditen. Dank ihrer günstigen Korrelationseigenschaften eignen sie sich auch für die Optimierung des Risiko-Rendite-Profils im Rahmen der Diversifikation.

Positive Performance und Stabilität in Krisenzeiten

Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchung stand die Analyse von vier ausgewählten Strategien, mit denen alternative Risikoprämien realisiert werden können. Während Size-Strategien versuchen, die Renditedifferenz zwischen Unternehmen mit hoher und geringer Marktkapitalisierung auszunutzen, setzen Value-Strategien auf die Renditedifferenz zwischen Unternehmen mit hohem und niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Momentum-Ansätze zielen auf Renditeunterschiede von Werten mit starker und schwacher Wertentwicklung. Low-Risk-Strategien hingegen konzentrieren sich auf die Renditedifferenz zwischen Papieren mit hoher und geringer Volatilität.

Bei allen vier Ansätzen können die alternativen Risikoprämien über das gleichzeitige Eingehen von Long- und Short-Positionen realisiert werden.

Um die Renditeeigenschaften der Prämienstrategien zu beurteilen, betrachtete Arnd Wiedemann die Wertentwicklung der entsprechenden Long-Short-Portfolios über einen Zeitraum von 2003 bis 2014. Sein Ergebnis: "Alle vier Strategien weisen langfristig eine positive Performance auf und liefern stabile Renditeergebnisse gerade auch in Krisenzeiten", so die Erkenntnis des Wissenschaftlers. Am besten schnitt im Rückblick die Size-Strategie ab, die mit durchschnittlich 3,61 Prozent die höchste jährliche Überschussrendite erzielte. Es folgten Momentum mit durchschnittlich 2,66 Prozent pro Jahr, Value mit 1,70 Prozent pro Jahr und Low Risk mit immerhin noch durchschnittlich 1,12 Prozent jährlicher Überschussrendite.

Gute Diversifikationseigenschaften

Zu einem weiteren positiven Befund gelangt die Analyse der Korrelationseigenschaften. So besteht zwischen den Renditen der vier alternativen Risikoprämienstrategien durchgehend nur ein sehr geringer Gleichlauf. Zwischen dem Momentum- und dem Value-Ansatz sowie zwischen der Low-Risk- und der Value-Strategie sind die Korrelationen sogar negativ. "Vor diesem Hintergrund", so Prof. Wiedemann, "bietet sich die Bildung eines aus den einzelnen Risikoprämien bestehenden Portfolios an, um die Diversifikationspotenziale zu nutzen." Auf diesem Weg lässt sich, wie die Studie zeigt, bereits durch eine einfache Gleichgewichtung der Prämien die Volatilität der Renditen signifikant verringern. Im Ergebnis kann die Portfoliovolatilität auf ein Niveau abgesenkt werden, das niedriger als die geringste Volatilität der Renditen der einzelnen Prämien ist.

Ähnlich risikoreduzierende Effekte ergeben sich auch dann, wenn die beschriebenen alternativen Risikoprämien einem klassischen Multiasset-Portfolio beigemischt werden. Schon eine zehnprozentige Anreicherung reduziert die Volatilität im erweiterten Multiasset-Portfolio um 0,59 Prozentpunkte. Der maximale Drawdown verbessert sich um 2,15 Prozentpunkte. Die Sharpe Ratio steigt erkennbar an. Diese Effekte werden umso stärker, je höher der Beimischungsanteil ansteigt.

Klarer Nutzen für Investoren

"Alternative Risikoprämien lassen sich durch regelbasierte Strategien vereinnahmen, versprechen langfristige Überrenditen und optimieren durch ihr Diversifikationspotenzial das Risiko-Rendite-Profil der Kapitalanlage", kommentierte Arnd Wiedemann die Ergebnisse seiner Untersuchung. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Investoren über die in der Studie analysierten vier Strategien hinaus über verschiedene Asset-Klassen hinweg eine Anzahl weiterer Ansätze etwa in Form von Währungs-Carry-Prämien oder Liquiditätsprämien nutzen können.

Hieraus ergeben sich zusätzliche Diversifikationsmöglichkeiten für die Anleger. Seine Handlungsempfehlung: "Investoren sollten gerade im aktuellen Umfeld die Chancen alternativer Risikoprämien nicht außer Acht lassen." Unabhängig von ihren Ertragseigenschaften böten sie zudem den Vorteil einer Anlage in liquiden und bekannten Märkten und könnten darüber hinaus auch im Risikomanagement gut abgebildet werden. "Strategien zur Hebung alternativer Risikoprämien", so der Wissenschaftler, "sind transparent, leicht umzusetzen und lassen sich gut kontrollieren."

Abbildung: Diversifikationseffekt eines gleichgewichteten ARP-Portfolios

Abbildung: Diversifikationseffekt eines gleichgewichteten ARP-Portfolios

[Eigener Text basierend auf einer Veröffentlichung im Risikomanagement-Jahrbuch 2015 der Union Investment. Die RiskNET Redaktion bedankt sich für die entsprechende Genehmigung der Union Investment]

[ Bildquelle Titelbild: © Krasimira Nevenova - Fotolia.com ]
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