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Risiken und Chancen

Warnung vor neuen Blasen an den Märkten

Redaktion RiskNET

Warnung vor neuen Blasen an den Märkten

Finnlands Notenbankpräsident Erkki Liikanen hat vor einer Blasenbildung an den Finanzmärkten durch das weiterhin an die Märkte strömende billige Geld gewarnt. "Wir müssen da aufpassen", sagte er in einem heute veröffentlichten Interview mit dem Handelsblatt. "Wenn die Zinsen lange sehr niedrig bleiben, birgt das Risiken". Deshalb sei wichtig, dass die Notenbanken regulatorische und aufsichtsrechtliche Regeln setzten, um Risiken zu vermeiden. Diese müssten "falls nötig das Instrumentarium verschärfen oder erweitern".

Für eine Debatte über eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die EZB sieht er noch keinen Anlass. "Das Schlechteste wäre, wenn wir zögern. Wir haben Erwartungen geweckt und müssen jetzt liefern", so Liikanen. Es komme nun auf die Entschlossenheit der EZB an, ihre Ankündigung einzuhalten. "Unser Ziel ist Preisstabilität und das haben wir noch nicht erreicht", ergänzte er. Liikanen verglich das Anleihe-Kaufprogramm der EZB mit einem Marathonlauf. Dabei könne es Hochs und Tiefs geben, aber das Ziel müsse klar sein und dies laute Preisstabilität. "Bei einem Marathon ist Stetigkeit wichtig, man darf nicht aufgeregt werden".

[ Bildquelle: © kekef - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Antonio Sommese /05.05.2015 07:48
Die letzte Finanzkrise ging von der Immobilienblase in den USA aus, die nächste wird durch die europäische Versicherungswirtschaft ausgelöst werden. Aufgrund der Ultraniedrigzinspolitik können die Lebensversicherungen ihre Renditeversprechungen der Kundschaft gegenüber immer weniger halten. Bei einem Anlagevolumen der europäischen Versicherungsgesellschaften allein in der EU von rund 4,4 Bio. € ist das bittere Ende dieser Entwicklung absehbar. Jeder in der Branche kennt die Lage, aber keiner weiß Abhilfe. Das ist dieselbe Situation, wie wir sie in der Immobilienwirtschaft hatten, bevor sie die letzte schwere Finanzkrise auslöste. Ursache der Assekuranzkrise, von der die deutschen Lebensversicherer besonders heftig betroffen sind, ist die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB, die zu einem Zinsverfall bei Staatsanleihen – einer Hauptanlageform für Lebensversicherungen – geführt hat. Die deutschen Versicherungsgesellschaften müssen im Schnitt einen Garantiezins von 3,2 Prozent auf Lebensversicherungen zahlen, während eine deutsche Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit lediglich 0,3 Prozent Ertrag bringt. Die traditionell in Europa besonders enge Beziehung zwischen Lebensversicherern und Bankern könnte sich in dieser Situation als ansteckend und damit verhängnisvoll erweisen. Sobald die Assekuranzen gezwungenermaßen mit massiven Umschichtungen ihrer Bestände beginnen und dadurch Verkäufe in großem Stil auslösen, beginnt die nächste große Finanzkrise. Die niedrige Verzinsung der Lebensversicherungen galt bislang vor allem als Problem derjenigen, die damit ihre Altersvorsorge geplant hatten. Möglicherweise könnte sie sich jedoch weit darüber hinaus als Verursacher der nächsten Finanzkrise entpuppen.

Autor: Antonio Sommese ist selbstständiger Finanzberater und -Coach in Mainz.

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