Risiken der Finanzintermediation durch Nicht-Banken

Systemrisken durch "Shadow Banking"


Redaktion RiskNET
Systemrisken durch "Shadow Banking"Studie

Die Finanzintermediation durch Nicht-Banken ist nach Aussagen des Financial Stability Board (FSB) 2018 deutlich langsamer als in den Jahren zuvor gewachsen. Früher wurden die Marktteilnehmer allgemein als "Schattenbanken" bezeichnetet. Der Begriff "Schattenbanken" wird allerdings in der Zwischenzeit nicht mehr verwendet, sondern die Aufsichtsbehörden sprechen inzwischen neutraler von "Nicht-Bank-Finanzintermediären" bzw. "Non-bank-financial-intermediaries". Wie der FSB in seinem aktuellen Monitoring-Bericht mitteilt, nahm das Volumen dieser Finanzintermediation im engeren Sinne (NBFI) nur noch um 1,7 Prozent auf 50,9 Billionen US-Dollar zu - weitaus langsamer als im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017, als die Wachstumsrate 8,5 Prozent betragen hatte. Nicht-Banken im engeren Sinne hielten 2018 demnach 13,6 Prozent der weltweiten Vermögenswerte.

Wie aus dem Bericht hervor geht, beruhte das geringere Wachstum der NBFI-Volumen vor allem auf Bewertungseffekten, die einen leicht positiven Mittelzufluss mehr als ausglichen.

Der FSB gibt in seinem Bericht folgende Übersicht über NBFI:

  • Kollektive Investmentvehikel mit einer Anfälligkeit für schnelle Mittelabzüge wuchsen deutlich langsamer als zuletzt - um 0,4 Prozent anstelle der 11 Prozent, die in den Jahren 2012 bis 2017 verzeichnet worden waren. Ende 2018 standen diese Vehikel für 72 Prozent der Finanzintermediation durch Nicht-Banken im engeren Sinne. Die Assets von Versicherern und Pensionsfonds blieben weitgehend unverändert. Die in diese Kategorie fallenden Geldmarktfonds investieren in Kredite und betrieben Laufzeiten- sowie Fälligkeitstransformation.
  • Nicht-Banken, die ihre Kreditvergabe kurzfristig refinanzieren, wuchsen um 6,9 Prozent und standen für 7 Prozent der Nicht-Banken im engeren Sinne. Sie zeigten eine etwas höhere Verschuldung als zuvor, betreiben aber überwiegend keine größere Fristentransformation.
  • Marktintermediäre, die von kurzfristiger Finanzierung oder besicherter Finanzierung durch die Assets von Klienten abhängen, wuchsen um 8,7 Prozent und standen für 8,8 Prozent der NBFI-Assets. Die meisten von ihnen sind Broker-dealer, die aufsichtsmäßig nicht in Bankengruppen konsolidiert sind. Sie sind entsprechend ihrem Geschäftsmodell hochgradig fremdfinanziert, besonders, wenn man außerhalb der Bilanz liegende Exponierungen berücksichtigt. Ihr Verschuldungsgrad stieg moderat und lag niedriger als vor der Finanzkrise.
  • Institute, die zur Kreditschöpfung beitrugen, wuchsen um 5,0 Prozent. Der größte Teil der Aktivität dieser Akteure bezieht sich laut FSB auf Aktiva von Investmentfonds, die mit Kreditderivaten zu tun haben.
  • Akteure, die mit verbriefungsbasierter Kreditintermediation zu tun hatten, wuchsen 2018 nicht, standen aber für 9,3 Prozent des NBFI-Volumens. Die Assets strukturierter Finanzvehikel, die forderungsbesicherte Obligationen (CLO) beinhalten, wuchsen um 9,7 Prozent. Neutralisiert wurde dieses Wachstum aber vom Rückgang bei chinesischen Treuhändern (minus 21,7 Prozent).

Die Assets des gesamten beobachteten Nicht-Bank-Universums (Munfi) sanken leicht auf 183,7 Billionen Dollar, die des weltweiten Finanzsystems insgesamt wuchsen um 1,4 Prozent auf 379 Billionen Dollar, was vor allem auf die Aktivität der Banken zurückging. Deren Kreditvergabe nahm um 5,9 Prozent zu. Die Verbindung zwischen Banken und Nicht-Banken über Kredite und Finanzierung verstärkt sich laut FSB seit 2016 nicht mehr.

Der FSB und andere Aufsichtsgremien beobachten die zunehmende Bedeutung von Nicht-Banken bei der Kreditvergabe seit Jahren. Sie sehen das Risiko, dass sich bei diesen weniger streng überwachten Instituten unbemerkt Risiken für die Finanzstabilität aufbauen.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]
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