Studie zeigt Nachholbedarf im Versicherungsmanagement


Redaktion RiskNET

In vielen Unternehmen ist das Versicherungsmanagement im Bereich Finanzen oder Tax & Legal angesiedelt. Eine organisatorische Zuordnung zum Risikomanagement findet man dagenen nur sehr selten. Auch ablauforganisatorisch sind die Prozesse der Risikoidentifikation, -bewertung, -steuerung und des -monitorings vom Versicherungsmanagement getrennt. Die explizite Formulierung einer integrierten Risiko- und Versicherungsstrategie wäre zwar dingend erforderlich, in der Praxis ist das Versicherungsmanagement von einer strategischen Ausrichtung jedoch vielfach noch weit entfernt. Der Status Quo des Versicherungsmanagements wurde nun von der Detecon AG gemeinsam mit der Universität Hamburg, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität St. Gallen im Rahmen einer Studie untersucht. Zu diesem Zweck wurden 54 Großunternehmen aus sieben Branchen zum gegenwärtigen Stand des Versicherungsmanagements im eigenen Hause befragt.

„Die ökonomischen und strategischen Potenziale des Versicherungsmanagements werden heute noch überwiegend verkannt“, fasst Prof. Dr. Martin Nell, Leiter des Instituts für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Hamburg ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung zusammen. „Viele Unternehmen haben immer noch die Vorstellung, dass sich das Versicherungsmanagement einzig mit dem Einkauf von Policen und dem Schadenmanagement beschäftigt. Stattdessen sollte es als strategisches Instrument betrachtet werden, das ein Bestandteil des Risikomanagements ist oder zumindest eng mit diesem verzahnt wird.“

 „Insgesamt überwiegt heute nach wie vor ein konservatives Verständnis von Versicherungslösungen" ergänzt Prof. Dr. Michael Theil vom Institut für Versicherungswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien. „Beim Risikotransfer dominiert bei vielen Unternehmen die klassische Übertragung auf Erstversicherer. Nur wenige Unternehmen nutzen die zahlreich verfügbaren Optionen der internen und externen Risikohandhabung.“

Weiterhin kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass effektive Steuerungsmodelle in der Praxis kaum eingesetzt werden. „Zwar überwachen die meisten Unternehmen ihre Versicherungssituation kontinuierlich, Kennzahlen- und Frühwarnsysteme finden sich jedoch in der Regel nicht", meint hierzu Dr. Martin Stadelmann, Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bezug auf die systemtechnische Unterstützung des Versicherungsmanagements: Zwar setzen etwa 70 Prozent der Unternehmen IT-Lösungen ein, um Aufgaben wie das Reporting oder die Erhebung von Schadens- und Marktdaten zu unterstützen. Zum großen Teil handelt es sich hier jedoch um nicht integrierte Eigenentwicklungen. Rund 60 Prozent der Unternehmen schätzen den Automatisierungsgrad ihrer Lösungen selbst als gering ein. „Insgesamt ermöglicht der gegenwärtige Entwicklungsstand im Risiko- und Versicherungsmanagement kein unternehmensübergreifendes Bild der Risikolage sowie möglicher Maßnahmen“, so ein Fazit von Prof. Dr. Theil. „Fehleinschätzungen hinsichtlich der tatsächlichen Risikosituation sind oft die Folge. Dazu kommt bei kleinen und mittleren Risiken eine Tendenz zur Überversicherung, während Unternehmen bei Groß- und Katastrophenrisiken zur Unterversicherung neigen.“

 

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