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CEO Survey 2011

Stärkere Verankerung des Risikomanagements in der Steuerung

Redaktion RiskNET

Stärkere Verankerung des Risikomanagements in der Steuerung

Die globale Managementelite beurteilt die Wachstumsperspektiven für 2011 und die kommenden Jahre so optimistisch wie seit 2007 nicht mehr. Dabei gründen sich die Hoffnungen auf Umsatzsteigerungen in erster Linie auf die Konjunkturentwicklung in China und in anderen großen Schwellenländern. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "14th Annual Global CEO Survey 2011" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, die im Rahmen des World Economic Forum in Davos vorgestellt wird.

Beinahe euphorisch sind die befragten Vorstandsvorsitzenden aus Deutschland. Annähernd 80 Prozent rechnen auf Sicht der kommenden zwölf Monate fest mit Umsatzsteigerungen für ihr Unternehmen. Diesen ausgeprägten Optimismus teilen weltweit 48 Prozent, in Westeuropa hingegen nur 39 Prozent der Wirtschaftsführer. Noch zuversichtlicher gestimmt als die deutschen Manager sind weltweit nur CEOs indischer Unternehmen. Von diesen beurteilen 88 Prozent die Chancen für Umsatzwachstum als "sehr zuversichtlich".

75 Prozent der deutschen CEOs rechnen bis 2014 mit Umsatzsteigerung "Die überaus positive Stimmung der CEOs in Deutschland ist vor dem Hintergrund der guten Wirtschaftsentwicklung bereits im vergangenen Jahr besonders bemerkenswert. Die deutschen Unternehmen haben demnach nicht nur schneller auf den Wachstumspfad zurückgefunden als Wettbewerber aus anderen Industrieländern, sondern sehen sich auch mittelfristig in Führung", kommentiert Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC Deutschland. So rechnen für die kommenden drei Jahre überdurchschnittlich viele Befragte aus Deutschland fest mit Umsatzsteigerungen (75 Prozent gegenüber 51 Prozent weltweit, siehe Abbildung 1).

 Abbildung 1: Optimistisches Klima in Deutschland

Abbildung 1: Optimistisches Klima in Deutschland


Größte Angst: Erneute Erschütterungen der Finanzmärkte

Ungeachtet der positiven Perspektiven auf Unternehmensebene ist die zurückliegende Entwicklung der Weltwirtschaft noch durchaus präsent. 71 Prozent der weltweit befragten CEOs halten die künftige Wirtschaftsentwicklung für einen erheblichen Unsicherheitsfaktor. Damit messen mehr Befragte diesem Risiko eine größere Bedeutung bei als den möglichen Folgen der Staatsverschuldung (61 Prozent) und der Entwicklung an den Kapitalmärkten (52 Prozent). Allerdings weicht die Risikowahrnehmung der deutschen CEOs deutlich ab. Diese fürchten eher die Auswirkungen erneuter Erschütterungen am Kapitalmarkt (67 Prozent) als Risiken der Konjunkturentwicklung (66 Prozent).

Abbildung 2: Risiken in der Folge instabiler Kapitalmärkte

Abbildung 2: Risiken in der Folge instabiler Kapitalmärkte


Gravierende Anpassungen beim Risikomanagement

Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise haben gut die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) ihre Strategie fundamental verändert und 33 Prozent diese entsprechend angepasst. Gravierende Anpassungen gab es insbesondere beim Risikomanagement – hier bringt der Strategiewechsel bei 72 Prozent der weltweit befragten Unternehmen eine stärkere Kontrolle durch die zweite Führungsebene mit sich.

Deutsche Unternehmen hingegen sind nach Einschätzung ihrer CEOs strategisch vergleichsweise gut aufgestellt – nur 25 Prozent haben fundamentale Änderungen ihrer strategischen Ausrichtung und rund die Hälfte (54 Prozent) Anpassungen vorgenommen. Mit Hinblick auf das Risikomanagement erfolgte bei 67 Prozent der befragten deutschen Unternehmen eine stärkere Verankerung in der zweiten Führungsebene. "Insgesamt ist das Risikomanagement bei den meisten Unternehmen untrennbar mit der Strategieplanung verbunden und daher absolute Chefsache", betont Norbert Winkeljohann.

Schwellenländer sind Wachstumsmotor

Knapp 40 Prozent aller befragten CEOs sehen für ihr Unternehmen größere Wachstumschancen auf dem Heimatmarkt als im Ausland. Bei den Befragten aus Deutschland überwiegt jedoch die Auslandsorientierung. Nur 13 Prozent halten das Wachstumspotenzial im Inland gemessen an dem der Exportmärkte für hoch. Besonders große Erwartungen verbinden die deutschen Unternehmen mit dem chinesischen Markt: 54 Prozent der deutschen CEOs halten China für den wichtigsten ausländischen Wachstumsmarkt, weltweit sagen dies 39 Prozent der Befragten. Für die Beschaffung deutscher Unternehmen wird China bald sogar der wichtigste Markt sein (49 Prozent der Nennungen), gefolgt von den USA (21 Prozent) und Indien (18 Prozent).

Auf den europäischen Markt setzen die deutschen CEOs eher geringe Hoffnungen im Hinblick auf Wachstum, dennoch dürfte Europa auf absehbare Zeit die wichtigste Region bleiben: 95 Prozent der Befragten verorten derzeit einen wesentlichen Teil ihrer Geschäftstätigkeit in Westeuropa. Knapp die Hälfte der Manager aus Deutschland zählt Asien (49 Prozent) zu ihren Kernregionen, es folgen Nordamerika (44 Prozent) und Osteuropa (38 Prozent).

Wachstumsstrategien: Priorität bei Innovationen

Die Top-Manager setzen bei ihren Wachstumsstrategien jedoch nicht nur regional, sondern auch inhaltlich unterschiedliche Akzente. Aus Sicht der deutschen CEOs ist die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen besonders wichtig (39 Prozent der Nennungen gegenüber 29 Prozent weltweit). Dabei erhoffen sich überdurchschnittlich viele Manager deutscher Unternehmen von Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nicht nur Erlöszuwachs (89 Prozent gegenüber 79 Prozent weltweit), sondern auch operative Effizienzgewinne (89 Prozent gegenüber 78 Prozent weltweit).
Als Konsequenz der Wirtschaftskrise haben fast alle befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Kostensenkungsprogramme umgesetzt und allenfalls zögerlich in zusätzliches Personal investiert. Nun stellen die meisten CEOs die Signale auf Expansion. Das gilt insbesondere für die Befragten aus Deutschland. Während derzeit noch zwei Drittel der Manager weltweit weitere Kostensenkungsinitiativen für 2011 planen (2010: 84 Prozent), halten dies in Deutschland nur noch 48 Prozent (2010: 89 Prozent) für notwendig. Einschnitte im Kerngeschäft, beispielsweise durch Unternehmensverkäufe oder den Rückzug aus wichtigen Märkten, stehen derzeit nur bei drei Prozent der deutschen CEOs auf der Agenda (weltweit: 14 Prozent).

Fachkräftemangel beunruhigt vor allem deutsche CEOs

Dies schlägt sich auch in der Personalplanung nieder. In den kommenden zwölf Monaten wollen 62 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Belegschaften zwischen 1 und 8 Prozent vergrößern, 33 Prozent rechnen mit Neueinstellungen zwischen 1 und 5 Prozent. Weltweit sagen 51 Prozent und in Westeuropa 45 Prozent der Befragten Einstellungen voraus.

Die Wachstumspläne der Unternehmen könnten jedoch zumindest mittelfristig an mangelnder Talentförderung und einem damit verbundenen Fachkräftemangel scheitern. So fürchten weltweit zwei Drittel der CEOs, dass in den kommenden drei Jahren ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte knapp werden. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge in Deutschland (74 Prozent der Befragten) und den Niederlanden (77 Prozent).

Rohstoffknappheit gilt als größtes Wachstumshindernis

Überdurchschnittlich besorgt zeigen sich die deutschen Manager im weltweiten Vergleich auch über die Entwicklung der Energiekosten (49 Prozent gegenüber 40 Prozent weltweit) sowie die Sicherheit der Lieferkette (48 Prozent gegenüber 38 Prozent weltweit). In den kommenden drei Jahren sind knappe Rohstoffe aus deutscher Sicht mit 61 Prozent der Nennungen sogar das potenziell größte Wachstumshindernis (weltweit: 34 Prozent, siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Rohstoffknappheit gilt als größtes Wachstumshindernis

Abbildung 3: Rohstoffknappheit gilt als größtes Wachstumshindernis



Weniger Aufmerksamkeit für den Klimawandel

Die Wünsche und Erwartungen der CEOs an Regierungen stehen überwiegend in engem Zusammenhang zu den wahrgenommenen unternehmerischen Risiken. Die deutschen Befragten sehen den Staat vor allem bei der Sicherstellung eines ausreichend großen, qualifizierten Arbeitskräftepotenzials in der Pflicht (59 Prozent). Eine Stabilisierung der Finanzmärkte erwarten 56 Prozent, während 41 Prozent der CEOs aus Deutschland die Gewährleistung der Rohstoffversorgung als derzeit wichtigste staatliche Aufgabe ansehen (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Staat wird in die Pflicht genommen

Abbildung 4: Staat wird in die Pflicht genommen

Das Thema Klimawandel steht hingegen anders als in früheren Jahren eher im Abseits: Den Kampf gegen die Erderwärmung zählen weltweit nur 14 Prozent der CEOs zu den wichtigsten Aufgaben der Regierungen, in Deutschland sagen dies 20 Prozent.

Für den "14th Annual Global CEO Survey" befragte PwC vierten Quartal vergangenen Jahres 1.201 Vorstandsvorsitzende, darunter 420 aus Westeuropa und 61 aus Deutschland.


[Bildquelle oben: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Duck /26.01.2011 02:00
Grundvoraussetzung für eine stärkere Berücksichtigung der RIsiken im Rahmen der Unternehmenssteuerung ist jedoch erst mal eine gelebte Risiko-/Unternehmenskultur, in der RIsiko nicht als Karrierekiller betrachtet wird, sondern als Bestandteil jeder unternehmerischen Tätigkeit ;-)
Bis zum dem Punkt ist es noch ein relativ weiter Weg für viele Unternehmen
Judith /26.01.2011 09:26
Interessante Studie ... wo kann man die komplette Studie herunterladen?
RiskNET Redaktion /26.01.2011 09:29
Download der kompletten Studie hier:
http://www.pwc.com/gx/en/ceo-survey/pdf/14th-annual-global-ceo-survey.pdf

Weitere Informationen:
http://www.pwc.com/globalceosurvey
marcus /27.01.2011 08:07
"Insgesamt ist das Risikomanagement bei den meisten Unternehmen untrennbar mit der Strategieplanung verbunden und daher absolute Chefsache" ... das ist vielleicht Wunschdenken - aber nicht die Realität. Die WPs laufen weiterhin durch die Gegen und attestieren Risikoinventare und den Unternehmen geht es im Kern darum, das Testat zu erhalten und ie gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen. Nur wenige Unternehmen haben Risk Management bereits als sinnvolles Steuerungsinstrument erkannt. Das ist bedauerlich, da das aktive Eingehen von Risiken und Chancen der primäre Werttreiber in Unternehmen ist ...

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