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Risiko einer "secular stagnation"

Risikoanalyse Industrieländer

Redaktion RiskNET

Risikoanalyse Industrieländer

Mehr als drei Jahre nachdem die Weltwirtschaft generell wieder auf den Wachstumspfad zurückgefunden hat, haben die Industrieländer immer noch mit einer schwachen Konjunktur zu kämpfen. Einige Beobachter gehen von einer lang anhaltenden Konjunkturflaute aus, die von manchen sogar für ein irreversibles Phänomen gehalten wird. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass nicht alle Industrieländer dem Risiko einer "secular stagnation" in gleichem Maße ausgesetzt sind. Welche der in der OECD organisierten Länder bilden hier eine Ausnahme und sind gut genug aufgestellt, um in den kommenden zehn Jahren wieder ein stärkeres Wachstum zu erreichen?

Um aus dreiundzwanzig Industrieländern jene herauszufiltern, die das geringste Risiko für eine lang anhaltende Wachstumsschwäche oder gar eine Phase der wirtschaftlichen Stagnation aufweisen, haben Coface-Analysten fünf Kriterien herangezogen:

  • Die demografische Entwicklung und die Innovationsfähigkeit sind zwei klassische Faktoren, von denen die langfristigen Wachstumsaussichten eines Landes abhängen. So nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in Großbritannien zu, während sich die Einwanderung nach Spanien rückläufig entwickelt. Dabei spielt in beiden Fällen die Attraktivität des Landes eine wichtige Rolle. Die USA gehören nach wie vor zu den innovativsten Ländern der Welt, vor allem auf dem Gebiet der Biotechnologie. Dieser Vorteil trägt in hohem Maße zum langfristigen Wirtschaftswachstum des Landes bei.
  • Die ungleiche Einkommensverteilung innerhalb der einzelnen OECD-Länder ist eine der Erklärungen für die Wirtschaftskrise von 2008/2009 sowie den verhaltenen Aufschwung, denn eine ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung führt dauerhaft zu einer geringen Kaufkraft einkommensschwacher Haushalte. So weist der Gini-Koeffizient für Schweden, Dänemark, die USA und Frankreich eine zunehmende Ungleichverteilung aus, die das Wachstum hemmt.
  • Die Verschuldung der privaten und staatlichen Akteure, extrem stark gestiegen und in den meisten OECD-Ländern zwischen 300 und 350 Prozent des BIP liegend, führt zu einer finanziellen Schwächung der Marktteilnehmer und erhöht das Insolvenz- und Liquiditätsrisiko. So stieg die private Verschuldung in Ländern wie Spanien oder Großbritannien vor der Krise stark an und trug dazu bei, dass beide Länder anschließend besonders tief in die Rezession gerieten. Deutschland, Australien, die Schweiz und Finnland dagegen gehören zu den Ländern mit der geringsten Verschuldung.
  • Die Leistungsfähigkeit der Exportwirtschaft ist ein weiterer Faktor für langfristiges Wachstum und hängt insbesondere von der preislichen und nichts-preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ab (Innovation, Qualität, Design und anderes). So sind Südeuropa und Irland durch den Rückgang des realen Wechselkurses wettbewerbsfähiger geworden. Großbritannien, Japan und Deutschland wiederum profitieren vom Image ihrer Produkte, die eine hohe Wertschöpfung aufweisen.

Die fünf Länder mit den besten Wachstumschancen: Deutschland, Südkorea, die Schweiz, Belgien und die Niederlande.

  • Deutschland: Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die im Wesentlichen von der Privatwirtschaft aufgebracht werden, liegen über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Die Finanzierungssysteme fördern das Wachstum kleiner Unternehmen. Neben seiner Exportstärke profitiert Deutschland auch von seiner hohen nicht-preislichen Wettbewerbsfähigkeit.
  • Südkorea: Das Land ist führend bei qualitativ hochwertiger Elektronik und hat durch sein hohes Innovationskapital große Produktivitätsfortschritte erzielt. Die entscheidenden Faktoren dafür sind ein gutes Bildungssystem, hohe öffentliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung und zahlreiche Patentanmeldungen. Trotz der nachlassenden Konjunktur in China und dank der starken Position auf dem Gebiet der Spitzentechnologie dürfte es Südkorea auch künftig gelingen, hohe Ausfuhren zu erzielen.
  • Schweiz: Die Schweiz legt großen Wert auf Innovation und ist vor allem auf dem Gebiet der Biotechnologie gut aufgestellt. Dank des leistungsfähigen Finanzsystems ist es für kleine und mittelständische Unternehmen relativ einfach, Bankkredite aufzunehmen. Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung erfolgt überwiegend durch die Privatwirtschaft. Darüber hinaus weist die Schweiz eine sehr hohe nicht-preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf, denn Schweizer Produkte gelten als besonders hochwertig. So konnten die eidgenössischen Unternehmen ihre Ausfuhren zwischen 2007 und 2013 um 27 Prozent steigern.
  • Belgien: Belgien ist eines der OECD-Länder mit der geringsten Ungleichverteilung. Gleichzeitig gehört das Land mit 82 Prozent des BIP zu den Ländern mit der offensten Wirtschaft. Der intensive Außenhandel macht das Land besonders wettbewerbsfähig.
  • Niederlande: Für die Niederlande fallen die Indikatoren recht ausgewogen und positiv aus. Zwar weist das Land mit 355 Prozent des BIP eine relativ hohe Gesamtverschuldung auf, doch mit einer durchaus vertretbaren Staatsverschuldung von 78 Prozent des BIP verfügt der Staat über ausreichend Spielraum, um die Privatwirtschaft bei Bedarf zu stützen. Eine Stärke der Niederlanden sind die leistungsfähigen Häfen des Landes. So ist Rotterdam der bedeutendste Hafen Europas. Ähnlich wie Belgien gehören auch die Niederlande zu den OECD-Ländern mit der offensten Wirtschaft (83 Prozent des BIP).

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[ Bildquelle: © vichie81 - Fotolia.com ]


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