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Risiken der digitalen Disruption


Redaktion RiskNET
Risiken der digitalen DisruptionNews

Der Baseler Bankenausschuss betrachtet die Arbeiten am Eigenkapitalstandard Basel 3 als abgeschlossen und wendet sich nun den technologischen Herausforderungen zu, die auf die Banken und ihrer Aufseher zukommen. Der Chairman des Ausschusses, Pablo Hernandez de Cos, legte in einer Rede die Grundlinien dieses Arbeitsfeldes bei der Euro Finance Week in Frankfurt dar. De Cos, der Gouverneur des Banco d'Espana ist, ging zunächst auf die möglichen Entwicklungen ein, die Banken unter dem Einfluss der mächtiger werdenden Technologieunternehmen (Fintechs) nehmen könnten.

  1. Bessere Bank: Die etablierten Banken digitalisieren und modernisieren sich, sie behalten die Kundenbeziehungen und die wichtigsten Bankdienstleistungen. Sie nutzen die Technologien zur Anpassung ihres Geschäftsmodells. (Biometrie, Chatbots, künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Zahlungsverkehrs, Digitalisierung des Kreditprozesses)
  2. Neue Bank: Die etablierten Banken überleben nicht und werden durch neue, technologiegetriebene Institute ersetzt, die über voll digitalisierte Dienstleistungsplattformen verfügen. Beispiele für derartige Banken sind die Atom Bank (Großbritannien), Bunq (Niederlande), WeBank (China) und Varo Money (USA).
  3. Verteilte Bank: Die Finanzdienstleistungen werden modularisiert. Den etablierten Banken gelingt es, in einer Nische zu überleben, aber andere Finanzdienstleister schließen sich über die digitale Schnittstelle der Bank an. Es entstehen viele neue Anbieter spezieller Dienstleistungen. Ein Beispiel sind mobile elektronische Börsen für Konsumenten.
  4. Abgestiegene Bank: Die etablierten Banken werden nur noch als Dienstleister genutzt und verlieren ihren Kundenkontakt an andere Dienstleister. Kleine (Fintechs) und große (Bog Techs) Technologieunternehmen bieten über ihre Kundenplattformen eine Reihe von Finanzdienstleistungen verschiedener Akteure an. Banken wären nur noch für die Prozessabwicklung oder das Risikomanagement zuständig.
  5. Überflüssige Bank: Die etablierten Banken werden irrelevant, weil ihre Bilanz nicht mehr benötigt wird. Kunden interagieren direkt mit den Anbietern von Finanzdienstleistungen. Ein Beispiel sind Peer-to-peer-Kreditplattformen.

De Cos wies darauf hin, dass die so genannten Big Techs den etablierten Banken bei der Gewinnung neuer Daten überlegen sind. "Diese drei Faktoren verstärken einander: Netzwerk-Externalitäten bringen mehr Nutzer und mehr Nutzen für andere Nutzer, was den Big Techs wiederum mehr Daten bringt, was zur Verbesserung des Services beiträgt", sagte er. Auf diese Weise könnten sich die Hierarchien im Finanzsystem umkehren.

De Cos formulierte auf dieser Basis folgende zehn Punkte für den Umgang mit technologischen Herausforderungen:

  1. Die Sicherheit und Gesundheit des Bankensektors und hohe Compliance-Standards müssen bewahrt werden, ohne für den Sektor nützliche Innovationen zu verhindern
  2. Schlüsselrisiken für Banken aus den technologischen Entwicklungen, darunter strategische- und Gewinnrisiken, Cyber- und Compliance-Risiken
  3. Implikationen für Banken aus der Nutzung innovativer Technologien
  4. Implikationen für Banken aus der zunehmenden Nutzung von Drittparteien via Outsourcing und/oder Partnerschaften
  5. Sektorübergreifende Kooperationen zwischen Bankaufsehern und anderen relevanten Behörden
  6. Internationale Zusammenarbeit von Bankaufsehern
  7. Die aufsichtlichen Fähigkeiten müssen angepasst werden
  8. Potenzielle Möglichkeiten für Aufseher, innovative Technologien zu nutzen ("Suptech")
  9. Relevanz existierender Aufsichtsrahmen für innovative Geschäftsmodelle
  10. Regulatorische Initiativen ermöglichen Fintech-Innovation

Der Baseler Ausschuss will laut De Cos tiefschürfende thematische Analysen zu bestimmten Fintech-Themen anstellen und demnächst einen Bericht über "Offenes Banking" und dessen Schnittstellen (application programing interfaces - APIs) veröffentlichen.

Darüber hinaus will sich der Ausschuss mit den aufsichtlichen Auswirkungen der Nutzung von künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen für das Risikomanagement, mit der Abhängigkeit der Banken von Drittparteien und der Datenhandhabung beschäftigen.

Ein weiteres Arbeitsfeld tut sich nach Aussage des Chefs des Baseler Ausschusses bei den technologischen Risiken für die operationelle Sicherheit der Banken auf. "Die Lieferung innovativer Produkte und Dienstleistungen könnte es den Banken erschweren, die operationellen Risiken zu managen und zu kontrollieren", sagte De Cos.

Der Baseler Ausschuss wird daher nach seinen Worten die Prinzipien und Richtlinien zur operationellen Stabilität im Lichte der technologischen Innovation überprüfen und 2020 eine Konsultation zu neuen Richtlinien durchführen.

 

[ Bildquelle: Adobe Stock ]
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