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In der Zwickmühle

Neue Kapitalregeln bringen Deutsche Bank in Bedrängnis

Redaktion RiskNET

Die Deutsche Bank muss sich jetzt schon anstrengen, um den strengen Kapitalanforderungen in Europa gerecht zu werden. Mit dem Regelwerk "Basel IV" ziehen die Kontrolleure nun einen weiteren Gang an. Sehr zur Sorge von Vorstandschef John Cryan. Die damit einhergehenden Einschränkungen bei der Risikoberechnung beeinträchtigen das Geschäft, wie er bei einer Investorenkonferenz sagte. "Das ist auf Seiten der operativen Risiken ein großes Problem für uns", sagte er. "Wir brauchen deutlich mehr Kapital."

Allerdings ist der Weg zu den Kapitalmärkten nahezu versperrt, nachdem die Bank seit der Finanzkrise dreimal das Kapital erhöhen musste. Insgesamt sammelte sie auf diese Weise knapp 21,7 Milliarden Euro ein. Sehr zum Unmut der Investoren. Denn das ist mehr als der aktuelle Börsenwert von 20 Milliarden Euro, wie Fondsmanager Ingo Speich von der Union Investment bei der Hauptversammlung kritisierte.

Einigung mit dem Betriebsrat in Aussicht

Der Hauptweg, den John Cryan bislang geht, um das Kapital zu stärken, ist über die Kosten. Er senkt die Zahl der Mitarbeiter, Filialen werden geschlossen. Nach langen und zähen Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer hofft er nun auf eine Einigung innerhalb der nächsten ein bis zwei Monate.

Insgesamt fährt Cryan das Geschäft runter. Von vielen Märkten zieht sich die Bank zurück. Einen anderen Weg sieht er nicht, läuft damit laut Kritikern damit aber Gefahr, die Deutsche Bank zu klein zu schrumpfen und damit nicht mehr global mithalten zu können.

In der Zwickmühle

Durch die neuen Vorschriften sieht sich Cryan noch mehr in der Zwickmühle. "Um in Deutschland konkurrenzfähig zu sein, muss man sehr effizient sein", sagte er. "Und wir sind es nicht." Die Zahl der Filialen noch mehr zu reduzieren, scheint kein Weg zu sein. In Deutschland fuße das Privatkundengeschäft sehr auf die Filialen und dem "sehr persönlichen Kontakt", wie er sagte. Im Grunde müsse sich der gesamte Markt ändern, um effizienter zu arbeiten.

Die strengeren Vorschriften stoßen bei Cryan jedenfalls auf Unverständnis. "Bei (der Berechnung der) Marktrisiken bin ich etwas irritiert, was damit eigentlich beabsichtigt ist", sagte er. Auch die Absicherungsmechanismen würden damit erschwert. "Ich verstehe nicht, warum diese Änderungen gemacht wurden", sagte Cryan.

[ Bildquelle: © Matthias Nordmeyer - Fotolia.com ]


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