Finanzstabilität

Kauf von Bail-in-Instrumenten verbieten


Kauf von Bail-in-Instrumenten verbietenNews

Bundesbankvorstand Andreas Dombret hat gefordert, Banken in der EU den Kauf von Instrumenten zu verbieten, die andere, systemisch wichtige Banken zur Verlustabsorption im Insolvenzfall begeben haben. Europa sollte in dieser für die Finanzstabilität wichtigen Frage voran gehen und die entsprechenden Regeln ändern, sagte Dombret laut vorab verbreitetem Redetext in Chicago.

Der Financial Stability Board (FSB) erarbeitet derzeit Regeln für so genannte bail-in-fähige Finanzinstrumente, die Verluste einer insolventen Bank auffangen können. Dabei handelt es sich um Anleihen, die das Institut begibt, und die im Insolvenzfall automatisch zum Verlustausgleich herangezogen werden können. Der Anleiheinhaber verliert dabei das eingesetzte Kapital.

Hintergrund ist das Phänomen, dass sich sehr große Banken leichtsinniger als kleinere Verhalten, weil sie darauf rechnen, dass die Regierung ihres Heimatlandes sie mit den Mitteln der Steuerzahler retten würde. Nach der Finanzkrise haben die Staaten deshalb Regeln entwickelt, die eine Beteiligung privater Gläubiger und Aktionäre an der Abwicklung einer solchen Bank vorsehen. Diese Beteiligung kann über derartige Anleihen erfolgen.

Glaubwürdig wird die Androhung einer Beteiligung Privater aber nur, wenn diese Beteiligung ihrerseits nicht die Finanzstabilität bedroht. Bundesbank-Vorstand Dombret sagte dazu: "Ob die Beteiligung von Gläubigern zu Ansteckungseffekten führt, hängt natürlicherweise davon ab, wer diese Gläubiger sind. Wenn es andere Finanzinstitutionen sind, dann werden sich die Behörden wahrscheinlich gegen eine Abwicklung der Bank entscheiden." Die Bank hätte sich damit als "Too big to fail" erwiesen.

In der EU gibt es bereits Mindestanforderungen an bail-in-fähige Finanzinstrumente. Allerdings ist ihr Besitz auch Banken erlaubt. "Im Interesse der Finanzstabilität sollte Europa hier vorangehen und das ändern", forderte Dombret.

Die weltweit größten und systemisch wichtigsten Banken sollen nach Vorstellungen des FSB große Mengen an nachrangigen Anleihen begeben, die im Insolvenzfall Verluste auffangen und die Beteiligung des Steuerzahler verhindern können.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wird der FSB voraussichtlich fordern, dass diese Institute mindestens 16 bis 20 Prozent ihrer Kredite mit Eigenkapital und bail-in-fähigen Anleihen absichern. Hinzu kämen mehrere Prozentpunkte an Kapitalerhaltungspuffern und antizyklischen Puffern, so das am Ende gut 25 Prozent Risiko-Abdeckung stehen könnten.

Barclays rechnet damit, dass US-Großbanken nachrangige Anleihen für rund 127 Milliarden US-Dollar begeben müssen und europäische Banken für 110 Milliarden. Unklar ist noch, welche Instrumente genau als bail-in-fähig gelten werden, da den nationalen Behörden wohl ein gewisser Ermessensspielraum bleibt.

Es wird damit gerechnet, dass diese Anforderungen erst 2019 voll erfüllt werden müssen. Voraussichtlich wird der FSB den Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) bei ihrem Treffen in Brisbane am 15. und 16. November einen entsprechenden Vorschlag machen.

[ Bildquelle Titelbild: © Calado - Fotolia.com ]

Kommentare zu diesem Beitrag

Sebastian Fritz-Morgenthal /15.10.2014 07:16
Macht Sinn, ist aber auch keine ganz neue Forderung. Beispielsweise hat Prof. Jan-Pieter Krahnen das schon zu Beginn der Krise gefordert und dann im Rahmen der Liikanen-Kommission im Abschlussbericht adressiert.
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