Warnung vor neuen Finanzmarktrisiken

Ist nach der Krise vor der Krise?


Redaktion RiskNET
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Sachverständige haben bei einer Anhörung im Bundestag die Verfassung der Finanzmärkte als stabiler bezeichnet, als sie es vor zehn Jahren bei Ausbruch der Lehman-Krise war. Sie warnten aber bei der Anhörung des Finanzausschusses zum Thema "Lehren aus der Finanzkrise" auch vor neuen Risiken. "Die Antwort ist ja", sagte der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, auf die Frage, ob die Finanzmärkte inzwischen stabiler seien. "Wir haben ein deutlich höheres Maß an Stabilität an den Finanzmärkten."

Daraus dürfe man aber nicht den Schluss ziehen, dass es weniger Risiken gebe. Jedoch seien neben "klassischen Risiken" inzwischen auch neue entstanden. Hufeld sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, einen Vorschlag für einschränkende Maßnahmen bei der Immobilienfinanzierung erneut zu prüfen. "Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema noch einmal angegangen wird."

Auch Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling warnte vor neuen Risiken. Ein alleiniger Blick auf den Zusammenbruch von Lehman Brothers führe zu einer "monokausalen Betrachtung", sagte Wuermeling und verwies auf Entwicklungen wie die Digitalisierung und das Aufkommen neuer Finanzinstrumente wie Bitcoins. "Deswegen wäre es wichtig, in eine solche Betrachtung auch die künftigen Herausforderungen für die Sicherheit des Finanzsystems einzubeziehen", betonte er.

Das seien "oftmals ganz andere". Das Bundesbank-Vorstandsmitglied sah es deshalb als ganz entscheidend an, "nicht nur die Lehman-Situation zu betrachten, sondern das Finanzsystem als solches". Er sprach sich auch für mehr Proportionalität bei der Regulierung aus. Es drohten "völlig neue Risiken von ganz anderer Seite" für die Finanzstabilität, die man möglicherweise gar nicht mit Eigenkapitalunterlegung in den Griff bekomme.

Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erklärte, die Politik habe mit einer gemeinsamen Aufsicht und einem gemeinsamen Abwicklungsmechanismus in Europa richtige Entscheidungen mit Blick auf grenzüberschreitende Banken geschaffen. Die DIW-Finanzmarktexpertin zeigte sich jedoch im Detail "äußerst skeptisch", ob Großbanken tatsächlich abgewickelt werden könnten. Die "schiere Größe" der Bail-In-Forderungen dürfte dazu führen, dass der Bankenrettungsfonds zur Rekapitalisierung herangezogen werden müsse, warnte sie.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]
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