Die EZB und ihre Geldpolitik

Gegen das Gelddrucken


Redaktion RiskNET
Interview

"Hilft Gelddrucken gegen das Virus?" fragte die FAZ im April 2020 und schreibt: "Eine Reihe von Eurostaaten dringt auf 'Corona-Bonds', also gemeinsame Eurozonen-Anleihen mit gesamtschuldnerischer Haftung, um Geld zur Eindämmung der wirtschaftlichen Schäden zu beschaffen." Damit steht die Europäische Zentralbank (EZB) wiederholt im Zentrum der Aufmerksamkeit – wie bereits zur globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2008.

Kritisch begleiten nicht wenige Experten die dahinterstehende Geldpolitik der EZB. So unter anderem Dr. Markus Krall, CEO und Sprecher der Geschäftsführung der Degussa, Volkswirt und Risikomanager sowie Bestsellerautor (Der Draghi-Crash, Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen, Die bürgerliche Revolution).

Nach seiner Ansicht manifestiere sich das Ganze EZB-Treiben in der Geldpolitik und der damit zusammenhängenden Fantasielosigkeit mit den bestehenden Hausforderungen umzugehen. "Egal welches Problem die Politik vor sich hat, sei es ein Wirtschafts- oder Verteilungsproblem, ein Umwelt- oder Klimaproblem oder die Bewältigung der Corona-Krisenfolgen, denkt sie nicht mehr darüber nach, wie sie das Problem an den Wurzeln lösen kann", erklärt Krall. Seiner Meinung nach schütte die Politik über alle Problemstellungen nur Geld. "Und weil sie kein Geld hat, muss sie es drucken", so Krall. Dahinter steckt auch eine klare Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB).

Für Krall komme die EZB einer Art Schattenregierung gleich. Gerade weil das Gelddrucken jedes Problem lösen solle, sei die EZB für alles zuständig. Eine Rolle, die nach Ansicht Kralls den EZB-Oberen und der neuen Präsidentin sichtlich gefalle. In Hinsicht auf die Rolle des Risikomanagements in Krisenzeiten fordert Krall die Unternehmen auf, endlich damit aufhören, Risikomanagement als Compliance-Übung zu verstehen: "99 Prozent von dem, was Unternehmen als Compliance-Übung auferlegt wird, ist Unsinn, führt zu nichts und produziert nur Papier das keiner liest." Stattdessen sollten Unternehmen sich darauf konzentrieren ihr operatives Risiko zu verstehen. In diesem Kontext nennt Krall zum einem die Prozessrisiken, die im Zuge der aktuellen Entwicklung stets neu betrachtet werden müssen. Wichtig, um beispielsweise in Krisenzeiten den Betrieb weiterzuführen (Stichwort Business Continuity Management). Zum anderen komme es darauf an, die Umsatzschwankungen zu verstehen. Denn die Sicht auf die Kostenvariabilisierung ist ein Schlüssel für Organisationen, um das eigene Unternehmen resilienter gegen Schocks aufzustellen, wie die aktuelle Corona-Krise zeigt.      

Und diese wirtschaftlichen Schocks werden auch weiterhin bestehen – nicht nur aufgrund der aktuellen Corona-Krise. Cybergefahren, Kriege, der Brexit sowie wachsende protektionistische Bestrebungen (auch vonseiten der Europäischen Union) machen ein Umdenken notwendig.

Marcus Krall stand unserer Redaktion im Rahmen des RiskNET Summit 2020 Rede und Antwort. Sein Credo: Das Gelddrucken beenden und die wirtschaftlichen Probleme an der Wurzel angehen.

 

 

[ Bildquelle: Adobe Stock.com / tiero ]
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