Konjunktur- und Risikoanalyse

Anfang oder Ende der Talfahrt?


Redaktion RiskNET
Konjunktur- und Risikoanalyse: Anfang oder Ende der Talfahrt?News

Für die Konjunkturentwicklung besteht nach neuen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) "die Hoffnung auf eine Ende der Talfahrt". Zwar dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,2 Prozent gesunken sein. "Im laufenden vierten Quartal wird es aber wohl zumindest nicht weiter bergab gehen", erklärten die Ökonomen. "Die Wirtschaftsleistung dürfte dann in etwa stagnieren." Das Konjunkturbarometer des Instituts sei im Oktober im Vergleich leicht gestiegen und liege nun bei gut 90 Punkten.

"Die anhaltende Schwäche der Industrie dürfte zuletzt immer mehr auch auf die Dienstleistungsbranchen ausgestrahlt haben", betonte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Im verarbeitenden Gewerbe sei die Beschäftigung erstmals seit langem sogar gesunken. Allerdings hätten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen zuletzt wieder stabilisiert. "Ein Abrutschen in eine tiefere Rezession ist derzeit also weniger wahrscheinlich geworden", erklärte Michelsen.

Gleichwohl bleibe die Lage fragil. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China sei nicht nachhaltig gelöst. "Und auch das Brexit-Theater ist nicht beendet", erklärte er. "Sollte es doch noch zu einem ungeregelten Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU kommen, würde das die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen", warnte Michelsen.

DIHK sieht Wirtschaft auf Talfahrt

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die deutsche Konjunktur pessimistischer und weiter auf Talfahrt. Neben einer normalen konjunkturellen Abkühlung kämen auch technologische und politische Herausforderungen hinzu, die die Stimmung der Unternehmen deutlich eintrübten, warnte der Verband. Daher senkte der DIHK am Mittwoch seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf nur noch 0,4 Prozent nach dem zuletzt Ende Mai erwarteten Wachstum von 0,6 Prozent. Für 2020 erwartet der DIHK ein Wachstum von 0,5 Prozent, wobei dieses auf die zusätzliche Anzahl an Arbeitstagen zurückzuführen sei.

"Seit der Finanzkrise 2008/2009 hat der DIHK von den Unternehmen nicht mehr so pessimistische Antworten bekommen", warnte DIHK-Präsident Eric Schweitzer mit Verweis auf die Konjunkturumfrage seines Verbands unter 28.000 Unternehmen. "Angesichts der besorgniserregenden konjunkturellen Entwicklung sollte die Bundesregierung deshalb dringend agieren."

Als Konsequenz aus der Umfrage forderte der DIHK, dass die Bundesregierung eine Initiative zur Wiederbelebung der Welthandelsorganisation (WTO) in Angriff nehmen müsse, da diese für die exportgetriebene deutsche Wirtschaft so wichtig sei. Beim Export erwartet der DIHK im nächsten Jahr einen Rückgang von 0,5 Prozent nach einem erwarteten Anstieg von 0,3 Prozent in diesem Jahr. In 2018 waren die Exporte noch um 2,1 Prozent gewachsen.

Laut DIHK schlagen sich die trüben Exportaussichten und die greifbare Verunsicherung in vielen Branchen auf die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Betriebe nieder.

Außerdem forderte der DIHK, dass die Bundesregierung einen international wettbewerbsfähigen Unternehmenssteuersatz von 25 Prozent einführen und zur degressiven Abschreibung zurückkehren soll.

Bei den befragten Unternehmen sanken besonders die Geschäftserwartungen der Industrie. "Neben den außenwirtschaftlichen Herausforderungen kommen strukturelle Fragen immer stärker zum Vorschein", so die Ergebnisse der DIHK-Umfrage. Das Saldo der Geschäftserwartungen fiel um 16 Punkte und landete bei minus 7 Punkten.

Bei der Bewertung der Geschäftslage trübte sich die Stimmung zum dritten Mal in Folge deutlich ein, wobei das Saldo der Beurteilung bei plus 30 Punkten lag. Die Abkühlung hinterlasse mittlerweile auch sichtbare Spuren bei industrienahen Dienstleistern und Großhändlern. Die im Herbst saisonübliche Lageaufhellung im Bau falle in diesem Jahr auffallend schwach aus, so der DIHK. Konsumnahe Branchen wie der Einzelhandel und der Tourismus profitieren hingegen weiterhin von der stabilen Binnennachfrage.

Wegen der strukturellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft müsse Deutschland "intensiv an nachhaltigen Verbesserungen" seines Standortes arbeiten. "Hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Handeln statt Abwarten. Spielräume in den öffentlichen Haushalten sind vorhanden", so Schweitzer.

Daneben sollte Deutschland auch mehr in "kluge Köpfe" und in eine moderne Infrastruktur investieren. Beim Thema Klimaschutz mahnte der DIHK zudem an, dass Unternehmen von den zusätzlichen Kosten aus der geplanten Bepreisung von Kohlendioxidausstoß entlastet werden.

"Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen beziehungsweise energieintensiv sind, sollten zusätzlich entlastet werden. Das brächte Spielraum für Investitionen", so Schweitzer. "Nimmt sich die Politik dieser Frage nicht intensiver an, verliert Deutschland als Investitionsstandort an Attraktivität."

[ Bildquelle: Adobe Stock ]
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