Steuerung und Überwachung von Unternehmen

Handbuch Interne Kontrollsysteme (IKS)


Rezension

Das "Handbuch Interne Kontrollsysteme (IKS)" von Oliver Bungartz zählt seit Jahren zu den Standardwerken für den Aufbau, die Dokumentation und die Weiterentwicklung unternehmensweiter interner Kontrollsysteme. Die 7. Auflage führt diese Rolle überzeugend fort – und verschiebt den Fokus sichtbar in Richtung Nachhaltigkeitsberichterstattung, Digitalisierung und integrierter Governance. Damit reagiert das Werk sehr konsequent auf die veränderten regulatorischen und praktischen Anforderungen an IKS, Risikomanagement und Interne Revision.

Die Grundstärke des Buches bleibt erhalten: Es verbindet ein belastbares Rahmenwerksverständnis (insbesondere COSO) mit einer sehr anwendungsnahen Darstellung entlang realer Unternehmensprozesse. Für Praktiker besonders wertvoll sind weiterhin die Risiko-Kontroll-Matrizen, Fraud-Indikatoren und Kennzahlen, die nicht nur konzeptionell, sondern unmittelbar in Projekte, Dokumentationen und Prüfungsansätze überführt werden können.

Die 7. Auflage ist nicht nur ein reguläres Update, sondern eine substanzielle Erweiterung. Der Verlag weist sie ausdrücklich als "völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage" aus. Im Vergleich zur 6. Auflage (2020) mit 637 Seiten ist der Umfang auf 668 Seiten gestiegen.

  • Kapitel I wurde um aktuelle gesetzliche Bezüge zum IKS aus FISG und StaRUG ergänzt.
  • Nachhaltigkeit wird im IKS-Kontext explizit als Zielrichtung der nicht-finanziellen Berichterstattung hervorgehoben.
  • Neu aufgenommen wurde ein strukturierter Exkurs zu Robotic Process Automation (RPA) mit Governance-Bereichen und der Integration in die COSO-Komponenten.
  • Kapitel II (Prozesse eines Internen Kontrollsystems) und Kapitel III (Projektmanagement zur Einrichtung eines Internen Kontrollsystems) wurden inhaltlich aktualisiert und strukturell angepasst.
  • Neu ist ein eigenständiges Kapitel IV zur Erweiterung des IKS im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung (inkl. ESG-bezogener Risiko-Kontroll-Matrizen und Kennzahlen).
  • Das frühere ERM-Integrationskapitel wurde in Kapitel V überführt und um Aktualisierungen zu FISG/DCGK, Global Internal Audit Standards (GIAS), ISO 31000 sowie einen ESG-Risiko-Exkurs erweitert.
  • Auch der quantitative Praxisteil wurde ausgebaut: Im Handbuch sind mehr als 780 Risiko-Kontroll-Beispiele und 320 Kennzahlen aufgeführt.

Positiv ist, dass Bungartz die bewährte "Baukasten"-Logik beibehält. Das macht das Werk weiterhin sowohl für den systematischen Einstieg als auch für punktuelle Fragestellungen nutzbar (z. B. einzelne Prozesse, Dokumentationsformen oder Prüfungsfragen). Die Kapitelarchitektur ist klar: Grundlagen (Kapitel I), prozessbezogene Umsetzung (Kapitel II), Einführung/Projektmanagement (Kapitel III), ESG-/Nachhaltigkeitsberichterstattung (neues Kapitel IV) und die Integration von IKS, Interner Revision und Risikomanagement im ERM-Modell (Kapitel V).

Gerade die Aufnahme eines eigenständigen Nachhaltigkeits-Kapitels ist ein großer Mehrwert. Viele Fachbücher behandeln ESG-Berichterstattung noch isoliert; Bungartz bindet sie in die IKS-Logik ein. Das ist für Unternehmen relevant, die Governance-, Prüfungs- und Kontrollanforderungen im Rahmen der nicht-finanziellen Berichterstattung belastbar operationalisieren müssen.

Ebenfalls gelungen ist die stärkere Verzahnung mit aktuellen Entwicklungen der Digitalisierung. Die Integration von RPA in die COSO-Systematik ist praxisnah, weil sie die typische Lücke zwischen klassischem Kontrollverständnis und automatisierten Prozesslandschaften adressiert.

Die große Stärke des Buches – seine Breite und Tiefe – ist zugleich eine Herausforderung. Mit fast 700 Seiten richtet sich das Werk primär an Fach- und Führungskräfte, Auditoren, IKS-/Governance-Verantwortliche sowie Berater. Für Leser, die einen kompakten Einstieg suchen, kann der Umfang zunächst hoch wirken. Das relativiert sich allerdings durch die modulare Struktur und die klare Gliederung.

Der  Mehrwert des Buches liegt darin, dass IKS nicht künstlich von Risikomanagement, Compliance und Interner Revision getrennt wird, sondern verortet es im Gesamtsteuerungssystem des Unternehmens.

Fazit: Die 7. Auflage des "Handbuchs Interne Kontrollsysteme (IKS)" ist eine sehr überzeugende Weiterentwicklung des Standardwerks. Sie aktualisiert nicht nur Normen- und Gesetzesbezüge, sondern reagiert mit neuen Inhalten auf zentrale Praxistrends: Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESG), RPA-Governance und die engere Integration von IKS, Interner Revision und Risikomanagement. Damit steigt der Nutzen des Buches insbesondere für Unternehmen, die ihr IKS an moderne Governance- und Reporting-Anforderungen anpassen müssen.

Insgesamt bleibt das Urteil klar positiv: hoher Praxisgehalt, systematische Struktur und ein deutlich erweiterter Fokus auf aktuelle Steuerungs- und Kontrollanforderungen. Für IKS-Verantwortliche, Revision, Compliance, Risikomanagement und beratende Praxis ist die 7. Auflage eine sehr empfehlenswerte Referenz.

[ Bildquelle Titelbild: Erich Schmidt Verlag ]

Details zur Publikation

Autor: Oliver Bungartz
Auflage: 7., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
Seitenanzahl: 668
Verlag: Erich Schmidt Verlag
Erscheinungsort: Berlin
Erscheinungsdatum: 2026

RiskNET Rating:

sehr gut Praxisbezug
sehr gut Inhalt
sehr gut Verständlichkeit

sehr gut Gesamtbewertung

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