Globale Lieferketten

Ursachen der weltweiten Supply-Chain-Krise


Globale Lieferketten: Ursachen der weltweiten Supply-Chain-KriseNews

Sechs Monate nach der Veröffentlichung des FM Global Resilience Index 2021 stehen die weltweiten Lieferketten vor nie da gewesenen Herausforderungen. Lieferkettenbedingungen wirken sich traditionell auf das Ranking der einzelnen Länder im jährlichen Index aus.

Als einer der weltweit größten Industriesachversicherer und Experte im Bereich der Resilienz von Lieferketten hat FM Global die aktuelle Lieferkettenkrise analysiert und stellt die folgenden sechs Faktoren vor, die exemplarisch aufzeigen, welche Risiken für die Resilienz von Unternehmen bestehen:

  • COVID-19 – Mit dem Rückzug von Verbraucherinnen und Verbrauchern in die eigenen vier Wände und eingetretenen Produktionsunterbrechungen hat die Pandemie Angebot und Nachfrage tiefgreifend verändert. Dies führte auch zum sogenannten Peitscheneffekt, der für ein Ungleichgewicht und Nachfrageschwankungen gesorgt hat.
    Fazit von FM Global: Die Lieferkettenschwierigkeiten wurden zwar durch die Pandemie ins Rollen gebracht, dazu beigetragen haben aber weitere Faktoren, die uns auch in Zukunft beschäftigen werden. Dazu zählen die Zunahme Chip-basierter Produkte und die Nachfrageintensivierung.
  • Cyberrisiken – Ein Hackerangriff auf die US-Benzin-Pipeline Colonial hat im Mai zu einer Unterbrechung der Benzinversorgung auf dem US-Markt geführt. Diese dauerte zwar weniger als eine Woche an, hat aber die Verletzlichkeit moderner Lieferketten offengelegt – nämlich die enge Verzahnung mit digitalen Systemen. Diese wird mit dem Ausbau des 5G-Breitbandmobilfunks noch weiter zunehmen.
    Fazit von FM Global: Cyberkriminalität hat stark zugenommen und ist zu einem geopolitischen Spannungsfeld geworden. Das Thema Cybersicherheit erlangt dadurch im Bereich der Geschäftsstrategie wesentliche Bedeutung. Cybersicherheit erfordert Wachsamkeit, das Wissen über aktuelle und mögliche Bedrohungen, Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fortschrittliche Technologie und internationale Diplomatie.
  • Rückstau an Häfen – Nach einer Schätzung von Goldman Sachs stauen sich allein vor den Häfen in Kalifornien Schiffe mit Waren im Wert von 24 Mrd. US-Dollar. Die per Schiff transportieren Güter können aufgrund von Personalmangel nicht so schnell an Land gebracht werden, wie es erforderlich wäre, um einen langen Rückstau zu verhindern. 
    Fazit von FM Global: Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass die Situation rund um Rückstaus und steigende Transportkosten bis Mitte nächsten Jahres oder sogar länger anhält. 
  • Mangel an LKW-Fahrerinnen und -Fahrern – In vielen Ländern weltweit gibt es nicht genügend LKW-Fahrerinnen und -Fahrer, um Waren abzutransportieren, die sich zum Beispiel an Häfen anstauen. Nach den jüngsten Berechnungen der International Road Transport Union waren 20 % der Kraftfahrerjobs im Straßengüterverkehr in Europa und Asien unbesetzt. In den USA fehlten nach einer Schätzung der American Trucking Associations 80.000 LKW-Fahrerinnen und -Fahrer.
    Fazit von FM Global: Durch diesen Personalmangel gewinnt die Weiterentwicklung autonomen Fahrens an Bedeutung. Daneben wird in einigen Ländern auch die Herabsetzung des Mindestalters für Kraftfahrerinnen und -fahrer diskutiert, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. 
  • Tödliche Überschwemmungen – Starke Regenfälle in China und Europa haben ganze Ortschaften zerstört, Zugverbindungen unterbrochen und zu Produktionsausfällen geführt. 
    Fazit von FM Global: Ein einzelnes Wetterereignis kann zwar nicht zweifelsfrei auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Überschwemmungen sind jedoch eine gut dokumentierte Folge der Erderwärmung und stellen eine immer größere Bedrohung für Unternehmen dar.
  • Chipmangel – Infolge der Pandemie kam es einerseits zu Werkschließungen, andererseits zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach verschiedenen Technologien. Diese Spannungen wurden durch Extremwetterereignisse, Rückstaus und Vorratskäufe weiter verstärkt. Der Chipmangel hat Automobilkonzerne, die Gaming- und Smartphonebranche, Hersteller von Medizingeräten und viele andere Branchen getroffen und wird voraussichtlich bis 2023 oder sogar noch länger anhalten.
    Fazit von FM Global: Dieser Mangel ist keine gänzlich neue Entwicklung. In der Vergangenheit gab es in der Chipbranche häufig Phasen des Booms und des Einbruchs. Diese sind auch künftig zu erwarten.
[ Bildquelle Titelbild: Adobe Stock.com / Production Perig ]
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