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Aktuelle Zahlen zur Insolvenzentwicklung

Unternehmensinsolvenzen rückläufig, Verbraucherinsolvenzen steigen

Redaktion RiskNET

Unternehmensinsolvenzen rückläufig, Verbraucherinsolvenzen steigen

Trotz der konjunkturellen Erholung erwartet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) eine weitere Steigerung bei der Zahl der Verbraucherinsolvenzen. Laut der aktuellen Frühjahrsumfrage unter den Mitgliedern der Organisation dürfte diese 2011 von 108.798 im Vorjahr auf rund 110.000 Fälle steigen, womit ein neuer historischer Höchststand erreicht würde. Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass noch weit mehr Betroffene von dieser Entschuldungsmöglichkeit Gebrauch machen könnten, da die Zahl der überschuldeten Privathaushalte bei über drei Millionen liege. "Die Wirtschaftskrise war eine harte Zäsur und viele Verschuldete haben noch nicht wieder Anschluss an die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung gefunden", so BDIU-Präsident Wolfgang Spitz.

Schuldenproblematik bei Jugendlichen verschärft sich

Zugenommen habe der BDIU-Studie zufolge insbesondere die Verschuldung unter Jugendlichen. Gründe hierfür seien vor allem hohe Konsumausgaben (80 Prozent der Inkassounternehmen nannten dies als Ursache) und ein Elternhaus, das bereits einen sorglosen Umgang mit Geld vorgelebt habe (69 Prozent der Nennungen). Ein generell schlechteres Zahlungsverhalten junger Schuldner melden 41 Prozent der Inkassounternehmen. Junge Verbraucher (d. h. bis zu einem Alter von 24 Jahren) hätten laut Angabe von 87 Prozent der BDIU-Mitglieder vor allem offene Rechnungen bei Telekommunikationsunternehmen, während Schuldner über 25 (so 77 Prozent der Inkassounternehmen) vor allem bei Banken und Kreditinstituten  hohe Verbindlichkeiten hätten, beispielsweise infolge von Immobilienkrediten.

Die Negativfolgen früher Schulden können für ein ganzes Leben prägen, wie auch eine Studie der Universität Mainz bestätigt. Demnach erfahren verschuldete Jugendliche in ihrem sozialen Umfeld eine weitaus geringere Unterstützung als Jugendliche ohne Schulden. Außerdem sind sich viele junge Verschuldete nicht bewusst, welche Konsequenzen ihr finanzielles Handeln für sie hat. „Frühe Verschuldung kann zu erheblichen Problemen in Bezug auf den Erwerb finanzieller Autonomie führen“, so Professor Klaus Breuer vom Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik an der Universität Mainz. Der BDIU fordert daher, dass Schuldenprävention ein integrierter Bestandteil des Schulunterrichts werden müsse.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen rückläufig

Im Gegensatz zur anhaltend negativen Entwicklung im Bereich der Verbraucherinsolvenzen stellt der BDIU einen positiven Trend im Unternehmenssektor fest. So habe sich zum einen Zahlungsmoral in jüngster Vergangenheit bereits erheblich verbessert und liege in allen Bereichen der Wirtschaft sogar wieder über dem Vorkrisenniveau. 83 Prozent der Inkassounternehmen melden, dass Rechnungen jetzt besser oder genauso gut wie im letzten Herbst bezahlt werden. Die bessere Liquiditätssituation sorge zudem für eine weitere Entspannung bei den Unternehmensinsolvenzen. Deren Zahl dürfte 2011 nach Einschätzung des BDIU auf voraussichtlich rund 30.000 zurückgehen, nachdem im vergangenen Jahr noch 31.998 Firmenzusammenbrüche registriert worden waren.

Im Hinblick auf die Situation in einzelnen Branchen ist laut BDIU eine differenzierte, aber insgesamt ebenfalls durchweg positive Entwicklung festzustellen. So berichten aktuell beispielsweise nur noch 50 Prozent der Inkassounternehmen, dass die Kunden der Baubranche schlecht bezahlen – vor einem Jahr waren es noch 65 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Rückgang in der Dienstleistungsbranche aus: Nachdem der Anteil der Negativmeldungen vor einem Jahr noch 64 Prozent betrug, sind es jatzt nur noch 44 Prozent. Nicht ganz so deutlich ist die Entspannung dagegen im Handwerk. Nach 64 Prozent im Frühjahr 2010 bemängeln aktuell immer noch 56 Prozent der Inkassounternehmen hier die Zahlungsmoral der Auftraggeber. Keine Verbesserung sei dagegen bei der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand feststellbar. So berichten die BDIU-Mitglieder, dass Behörden aktuell genauso schlecht (86 Prozent der Nennungen) oder sogar noch schlechter (zwölf Prozent der Nennungen) als im vergangenen Herbst bezahlen. Nach Einschätzung des BDIU ist das auch ein Ausdruck der schlechten Haushaltslage der Kommunen. Die Inkassounternehmen zeigen sich daher überzeugt, dass die Verwaltungen erhebliche Liquiditätszuwächse erzielen könnten, wenn sie ihr eigenes Forderungsmanagement effektiver gestalten würden: Aktuell summierten sich die Außenstände der Kommunen auf über 13 Mrd. Euro.


[Bildquelle: iStockPhoto]




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