News

Bundesbank sieht Risiken wegen Schiffskrediten

Schifffahrtskrise führt zu höheren Ausfallrisiken

Redaktion RiskNET

Schifffahrtskrise führt zu höheren Ausfallrisiken

Vor der Bilanzprüfung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Bundesbank die deutschen Kreditinstitute vor Herausforderungen. Risiken bestünden vor allem bei Gewerbeimmobilien und Schiffskrediten. "Bei Schiffskrediten haben die großen Banken ihren Bestand seit Mitte letzten Jahres um zehn Prozent reduziert, aber ich gehe davon aus, dass es weitere Wertberichtigungen geben wird", sagte der für Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der WirtschaftsWoche. "Vor 2015 halte ich eine Erholung der Schifffahrtsbranche für nicht realistisch." 

Im Juni 2012 hatten die deutschen Institute laut Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank Schiffskredite in Höhe von 98 Milliarden Euro in ihren Büchern. Betroffen sind unter anderem die HSH Nordbank oder die Commerzbank. Die Banken mussten wegen ausfallgefährdeten Krediten im Zuge der Schifffahrtskrise ihre Risikovorsorge aufstocken. 

Auch die niedrigen Zinsen seien zunehmend belastend. "Im Niedrigzinsumfeld geraten gerade bei einlagenstarken Instituten die Margen unter Druck", sagte Dombret. Die Banken seien deshalb "aufgefordert, ihre Geschäftsmodelle zu prüfen und falls nötig anzupassen." Die Ertragslage der Versicherer sei "noch gut", müsse aber beobachtet werden. "Für die Finanzstabilität wäre es problematisch, wenn Banken und Versicherer auf der Suche nach Rendite in besonders riskante Anlagen investierten", warnte der Bundesbank-Vorstand. 

Dombret forderte weitere Reformen. Dringender Handlungsbedarf bestehe bei der Umsetzung der Regeln zur Abwicklung von Banken in nationales Recht. Auch die Reform des außerbörslichen Derivatehandels sei deutlich hinter dem Zeitplan. Dombret bekräftigte zudem die Forderung nach einem Ende der Nullgewichtung von Staatsanleihen: "Mittelfristig sollten Banken Staatsanleihen mit Eigenkapital unterlegen müssen. Zudem sollte es eine Obergrenze für Kredite an einzelne Staaten geben." 

Die EZB will in den nächsten zwölf Monaten 128 Banken im Euroraum auf Herz und Nieren prüfen. Der Startschuss für die Bilanzprüfung, die gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden bewerkstelligt wird, soll im November fallen. Das Land mit den meisten Banken, die sich der Prüfung unterziehen müssen, ist Deutschland. Insgesamt stehen 24 Geldhäuser auf der Liste, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank. 

 

[Bildquelle: © stadelpeter - Fotolia.com]



Themenverwandte Artikel

Sicheres Autonomes Fahren: Studie zu Methoden im Risikomanagement Studie

Studie zu Methoden im Risikomanagement

Sicheres Autonomes Fahren

Irina Heckmeier

Selbstfahrende Autos, die Personen von A nach B bringen, Roboter, die Pakete ausliefern oder Wassergleiter, die Unterwasserleitungen nach Lecks…

Nur noch vier Länder A1: Wenig grün, viel rot auf der Risikoweltkarte News

Nur noch vier Länder A1

Wenig grün, viel rot auf der Risikoweltkarte

Redaktion RiskNET

Norwegen, die Niederlande, die Schweiz und Luxemburg. Das sind die vier verbliebenen Länder in der Kategorie A1 beim internationalen Kreditversicherer…

Zahlreiche Risiken überschatten Wachstumsausblick News

Szenarioanalyse

Zahlreiche Risiken überschatten Wachstumsausblick

Redaktion RiskNET

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognosen für die größten Länder der Eurozone für dieses und das nächste Jahr weitgehend bestätigt, sieht den…

Libra: Chancen und Risiken - Eine Autobahn für den Zahlungsverkehr Kolumne

Libra: Chancen und Risiken

Eine Autobahn für den Zahlungsverkehr

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.

Versetzen Sie sich 200 Jahre zurück. Als die Dampfmaschine ihren Siegeszug begann, waren die Reaktion der Menschen überwiegend negativ. Den meisten…

Ein sich selbst verstärkender Teufelskreis: Geldpolitik und Handelskrieg Kolumne

Ein sich selbst verstärkender Teufelskreis

Geldpolitik und Handelskrieg

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.

Vor kurzem hielt der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, in Chicago eine Rede, die mich nachdenklich gemacht hat. In seinen…