Erhebliche Vermögensverluste bei Reichen

Reiche agieren zunehmend risikoaverser


Laut dem aktuellen "World Wealth Reports" der Vermögensberatung Merrill Lynch Global Wealth Management und dem Consultingunternehmen Capgemini hat die aktuelle Finanzkrise bei reichen Privatpersonen zu erheblichen Vermögensverlusten geführt.

Insgesamt ging die Zahl der vermögenden Privatpersonen (so genannte "high net worth individuals, HNWI", d. h. Privatpersonen mit einem Nettofinanzvermögen von mindestens einer Millionen US-Dollar ohne eigengenutzte Immobilien und Verbrauchsgüter) weltweit gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent zurück. Die Zahl der besonders vermögenden Privatpersonen ("ultra high net worth individuals" mit einem Vermögen über 30 Mio. US-Dollar) fiel sogar um 24,6 Prozent. Parallel zur Anzahl der HNWIs sank auch ihr Vermögen um 19,5 Prozent auf nunmehr 32,8 Billionen US-Dollar, Ultra-HNWIs mussten sogar Verluste von 23,9 Prozent hinnehmen. Sowohl die Zahl der HNWIs als auch ihr Vermögen fielen damit unter den Stand des Jahres 2005.

Starke Konzentration in USA, Japan und Deutschland

Die prozentual größten Gruppen von HNWIs finden sich in den USA, Japan und Deutschland: Zusammen lebten hier 54 Prozent der HNWIs weltweit. An vierter Stelle rangiert China, das Großbritannien im vergangenen Jahr zahlenmäßig überholt hat.

In den Vereinigten Staaten war ein Rückgang der Anzahl HNWIs um 18,5 Prozent zu beobachten. Dennoch leben hier mit 2,5 Mio. oder einem Anteil von 28,7 Prozent weiterhin die meisten HNWIs weltweit. Japan, wo über 50 Prozent aller HNWIs der Asien-Pazifikregion leben, verzeichnete mit einem Minus von 9,9 Prozent einen eher geringfügigen Rückgang bei der Zahl der HNWIs. Dies ist jedoch primär auf die Tatsache zurückzuführen, dass in Japan die Verlangsamung des volkswirtschaftlichen Wachstums bereits 2007 eingesetzt hat, wodurch 2008 ein entsprechender Basiseffekt zum Tragen kam. In Deutschland sank die Zahl der HNWIs im Jahr 2008 um vergleichsweise moderate 2,7 Prozent auf 809.700. Den stärksten Einbruch bei der Anzahl der HNWI musste Hongkong mit minus 61,3 Prozent hinnehmen.

Vermögende agieren konservativer

Im Zuge der Finanzkrise schichteten auch viele Vermögende ihre Gelder in eher konservative Anlageformen um: So verringerten die HNWIs 2008 ihre Investitionen in Aktien und investierten einen größeren Teil ihres Finanzvermögens in Grund- und Immobilienbesitz, der nunmehr 18 Prozent des durchschnittlichen Portfolios ausmacht und damit vier Prozentpunkte über dem Wert des Jahres 2007 liegt. Der Anteil barmittelbasierter Anlagen hat ebenfalls signifikant zugenommen und erreichte 21 Prozent des Gesamtportfolios. Japan, wo Spareinlagen traditionell einen hohen Stellenwert haben, verzeichnete hier mit 30 Prozent den größten Anteil. HNWIs in Nordamerika hingegen hatten mit 14 Prozent den geringsten Teil ihres Portfolios in Barmitteln oder Depositen investiert und lagen damit nur drei Prozentpunkte über dem Wert von 2007.
"Thema des vergangenen Jahres war die Wahrung von Werten, nicht ihre Steigerung", so Oliver Orth, verantwortlich für den Bereich Global Wealth Management für Merrill Lynch in Deutschland und Österreich. "Die Finanzkrise des letzten Jahres hat zu einer deutlich erhöhten Risikoaversion bei Privatanlegern geführt und so fanden sich diese am Ende mit großen Mengen Barmittel und Staatsanleihen in ihren Portfolios wieder. Mit der Erholung der Märkte verfügen sie über die entsprechende Flexibilität, ihre Strategien neu auszurichten und dabei in neue, sich entwickelnde Chancen zu investieren."
Laut den Schätzungen der Studienautoren wird das Finanzvermögen der HNWIs parallel zu der erwartetet Erholung der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2013 wieder auf 48,5 Billionen US-Dollar ansteigen, was einer Zuwachsrate von gut acht Prozent pro Jahr entspräche.

Der vollständige "World Wealth Report 2009" steht auf der Website von Capgemini unter www.de.capgemini.com zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

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