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Komplexität der Risiken nimmt in einer globalen Welt zu

Frank Romeike [Redaktion RiskNET]

Risikokomplexität, Nationalismus und staatliche Willkür sind die neuen großen Bedrohungen für die Bilanzen multinationaler Unternehmen. Dies ist eines der Ergebnisse der 14. Auflage der „Political and Economic Risk Map“ von Aon. Die aktuelle Ausgabe zeigt auch: Von den 214 Ländern, die 2006 analysiert wurden, stellen 17 dieses Jahr ein geringeres Risiko dar.

Trotzdem gab es auch im vergangenen Jahr politische Risikoereignisse. Dazu Christof D. Bentele, Chairman Aon Crisis Management: „In Thailand und auf den Fidschi-Inseln haben sich in letzter Zeit Staatsstreiche ereignet, die bisher zwar relativ ruhig verlaufen sind, aber den Unternehmen, die mit diesen Ländern zu tun haben, potenziell Probleme bereiten könnten. Die „Atom-Konflikte“ im Iran und in Nordkorea sind eine enorme politische und diplomatische Belastung. Aber auch der zunehmende Nationalismus entwickelt sich zu einem großen Problem, besonders für einige der großen multi-nationalen Energieversorger.“

Verstaatlichung als zunehmendes Risiko

Ölproduzierende Länder haben die lokalen Ressourcen, die zuvor im Besitz oder Teilbesitz von internationalen Ölfirmen waren, beschlagnahmt. Dabei handelte es sich um das pauschale Vorgehen eines Landes – wie zum Beispiel die Verstaatlichung der Öl- und Gasindustrie in Bolivien im Mai 2006. Oder aber um eine gezielte Aktion durch willkürlich auferlegte behördliche Vorschriften und Behinderungen einzelner Projekte, wie bei den jüngsten Schritten Russlands gegen Sachalin II oder TNK-BP von BP. Dazu noch einmal Bentele: „Neben weiteren geopolitischen Problemen in anderen Regionen der Welt werden solche Vorkommnisse die Ölpreise für mindestens ein Jahr hoch halten.“ Venezuela kündigte vergangene Woche die Absicht an, seine Energie- und Telekommunikationswirtschaft für eine Verstaatlichung ins Visier zu nehmen. Beide Bereiche wurden erst Anfang der 1990er Jahre privatisiert.

Russland kam im Januar 2006 in die Schlagzeilen, als es die Gaszufuhr zur Ukraine mit der Forderung einer Preiserhöhung stoppte. Die Ukraine wird 2007 noch höhere Preise zahlen müssen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Und die jüngsten Ereignisse zwischen Russland und Weißrussland haben die steigenden politischen und wirtschaftlichen Empfindlichkeiten der Öl- und Gasversorgung noch einmal unterstrichen.

Handelsstörungen in einer globalen Welt

Durch die größere Abhängigkeit von im Ausland gekauften Waren sowie immer höhere Ansprüche an eine Just-in-Time-Produktion setzen die Unternehmen ihre Versorgungsketten den Gefahren politischer oder nicht-politischer Handelsstörungen, zum Beispiel durch ein Embargo oder sogar die Vogelgrippe, aus. Dazu Bentele: „Die Größe und Komplexität von Risiken nimmt für Unternehmen weltweit zu. Sie müssen die Risiken, mit denen sie auf ausländischem Gebiet konfrontiert werden könnten, sehr viel genauer und umfassender analysieren. Und diese Probleme – gleich ob auf Mikro- oder Makroebene – müssen ständig überwacht werden.
 
Bentele weiter: „Darüber hinaus sind Unternehmen einer stärkeren Kontrolle sowohl durch interne als auch externe Organe ausgesetzt, zu denen auch nicht-staatliche Organisationen gehören. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Druck von ihrer eigenen Regierung oder aus dem eigenen Land ebenso gut zur Ursache ihrer Probleme werden könnte. Das Risiko kommt nicht immer nur aus dem Ausland.“

„Die auf der 'Political and Economic Risk Map' von Aon dargestellten Risiken können für Unternehmen ernsthafte Folgen haben,“ kommentiert Sam Wilkin, Senior Consultant bei Oxford Analytica. „Das gilt umso mehr in Zeiten von SOX (Sarbanes-Oxley-Act) und angesichts des Umstands, dass Unternehmen verstärkt für ihre Arbeitsmethoden selbst an fernen Orten ihrer weltweiten Versorgungsketten in die Verantwortung gezogen werden.” Aon arbeitet gemeinsam mit Oxford Analytica an der politischen Risikoanalyse der „Political and Economic Risk Map“.



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