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Forderungsausfälle durch Insolvenzen steigen auf Rekordhöhe

Gesunde Unternehmen im Insolvenzstrudel

Redaktion RiskNET

Basierend auf Analysen der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG werden die Insolvenzen und die damit verbundenen Forderungsausfälle in diesem Jahr eine neue Rekordmarke erreichen. Während das Unternehmen bei der Zahl der Firmeninsolvenzen von einer Steigerung um 15 Prozent auf 33.800 ausgeht, wird im Hinblick auf die Summe der notleidenden Forderungen eine dramatische Entwicklung erwartet: Bei den gerichtlich angemeldeten Forderungen gegen Unternehmen prognostizieren die Experten für das Jahr 2009 einen Zuwachs von 162 Prozent auf 58 Mrd. Euro. Damit läge der Wert sogar über dem bisherigen Rekordniveau von 2002, als sich das Volumen der Forderungsausfälle auf 51,8 Mrd. Euro belief. Als Ursache für die stakte Zunahme sind laut Euler Hermes insbesondere die zahlreichen Großinsolvenzen zu nennen. "Der Ausfall von Forderungen bei gleichzeitigem Rückgang des Auftragsvolumens trifft vor allem mittelständische Unternehmen mit voller Wucht und kann selbst gesunde Unternehmen in den Insolvenzstrudel reißen", skizziert Gerd-Uwe Baden, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, die aktuelle Risikosituation vieler Unternehmen.

2010 droht weitere Zunahme bei den Insolvenzen

Auch für das Jahr 2010 mit einer steigenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen zu rechnen. Konkret prognostiziert Euler Hermes ein Plus von 9,2 Prozent auf dann 36.900 Firmeninsolvenzen. Die Forderungsausfälle werden sich voraussichtlich auf 45 Mrd. Euro belaufen. Das bedeutet zwar einen Rückgang von 22,4 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr, allerdings ist die Summe auch dann noch rund doppelt so hoch wie im Jahr 2008.

Von den Hauptbranchen in Deutschland trifft die Pleitewelle die Industrie am härtesten: Dort wird die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2009 voraussichtlich um 49,9 Prozent und 2010 um weitere 24,2 Prozent klettern, nachdem sie 2008 um vier Prozent gefallen war. Eine besonders dramatische Entwicklung verzeichnen in diesem Jahr der Automobilbau mit einem Plus von 339 Prozent, die Branche "Eisen und Stahl" mit einer Zunahmen von 146 Prozent sowie der Maschinenbau mit einem Anstieg von 109 Prozent.

Weniger kräftige Insolvenzzuwächse prognostiziert Euler Hermes dagegen für die Elektrotechnik mit 42 Prozent sowie den Bereich "EDV und Elektronik" mit 37 Prozent. Handel und Dienstleistungen folgen auf den nächsten Plätzen mit Steigerungen von 15,9 und 15,4 Prozent in diesem sowie jeweils knapp neun Prozent im nächsten Jahr. Das Baugewerbe schneidet mit einem weit unterdurchschnittlichen Zuwachs von rund 5,5 Prozent in diesem und im nächsten Jahr vergleichsweise gut ab.

Deutlich besser als der Durchschnitt entwickeln sich auch die Pleiten im Kleingewerbe, die sowohl in diesem wie im nächsten Jahr "nur" um jeweils sechs Prozent zunehmen. Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnen dagegen 2009 ein Plus von 26,0 und 2010 einen Zuwachs von 12,4 Prozent.

Regionale Unterschiede bleiben stark ausgeprägt

Nach wie vor sind die Insolvenzquoten, also die Zahl der Pleiten je 10.000 Unternehmen, in den östlichen Bundesländern spürbar höher als im Westen. Eine Ausnahme bildet Nordrhein-Westfalen, das mit einer Quote von 166 an der Spitze rangiert, vor Sachsen- Anhalt mit 154 und Sachsen mit einem Wert von 144. Das Ende der Skala bilden Hessen und Bayern mit jeweils 77 sowie Baden-Württemberg mit 71 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen. Im Bundesdurchschnitt beläuft sich die Insolvenzquote auf einen Wert von 108.
Bei wichtigen Handelspartnern Deutschlands nehmen die Firmeninsolvenzen im Jahr 2009 aller Voraussicht nach ebenfalls drastisch zu. So sei in Frankreich mit einem Anstieg von 16,9 Prozent in diesem und 1,8 Prozent 2010 zu rechnen. Auch in Großbritannien (plus 25,0 Prozent im Jahr 2009, plus/minus null im Jahr 2010), den Niederlanden (plus 75,8 bzw. 5,3 Prozent in diesem bzw. dem nächsten Jahr) und Italien (plus 37,0 bzw. 15,0 Prozent im Jahr 2009 bzw. 2010) steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen laut der aktuellen Prognose deutlich an. Für Westeuropa insgesamt wird ein Anstieg von 24,5 Prozent in diesem Jahr und ein moderates Plus von drei Prozent für 2010 prognostiziert. In den USA werden die Firmeninsolvenzen nach Ansicht der Experten in diesem Jahr noch um 44,9 Prozent steigen, 2010 aber schon wieder um 3,8 Prozent sinken. Auch in Japan könnten die Insolvenzzahlen im Jahr 2010 erstmals seit 2005 wieder leicht zurück gehen.

[Bildquelle: iStockPhoto]



Kommentare zu diesem Beitrag

Pleitegeier /26.11.2009 10:02
Die von Euler Hermes genannten prozentualen Zuwächse sind extrem hoch. Seriöser wäre es aber gewesen auch mal absolute Zahlen zu nennen. Man erinnere sich nur an den Fall in England als bei einer Studie zu einer zweiten Generation eines Medikaments statt 1 von 7.000 Versuchspersonen nun 2 von 7.000 starke Nebenwirkungen verzeichnet haben und in allen Zeitungen stand: Risiko von Nebenwirkungen um 100% gestiegen.....

Egal, wer heute noch als Mittelständler an solchen finanziellen Risiken wie Forderungsausfällen, Liquiditätsprobleme etc. scheitert, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Diese Themen sind soooooooo alt, da haben clevere Unternehmen schon viel früher vorgesorgt. Der Mittelstand hat ein ähnliches Problem wie Handwerker: Fachlich gut, aber hinsichtlich der kaufmännsichen Kompetenzen wird es meistens sehr dünn.

Themen wie Adressenausfallrisiko bei Forderungen, Lieferantenrisikomanagement, strategische Liquiditätsreserve und Working Capital Management scheinen da noch nicht angekommen zu sein. ... Da werden Millionenbeträge für irgendwelche Maschinen etc. investiert, aber mal ein paar Euro für die Existenzsicherung des Unternehmens in die Hand zu nehmen, weit gefehlt ....
Volker /27.11.2009 08:15
@Pleitergeier: Ja, die Zahlen sind etwas schief ... aber logischerweise wird ein Kreditversicherer die Welt immer etwas düsterer darstellen. Aber das Kernthema ist sicherlich, dass bei vielen Mittelständlern so etwas wie ein Kredit-Risikomanagement, ein Liquiditätsmanagement oder häufig auch ein elementares Controlling fehlen. Das spüren Mittelständler immer erst dann, wenn Sie kurz vor dem Abgrund stehen - und dann ist es nicht selten zu spät ;-(
Moorhuhn7 /29.11.2009 10:46
@all: Um es auf den Punkt zu bringen: Der Mittelstand ist beratungsresistent wenn es Geld kostet.... :-) Aber ein Grund zur Schadenfreude ist es nicht, denn der Mittelstand ist der wichtigste Arbeitgeber und eine tragende Säule unserer Volkswirtschaft.

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