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Stabileres Finanzsystem

Genügend Eigenkapital = Ende von Finanzkrisen

Redaktion RiskNET

Stabileres Finanzsystem: Genügend Eigenkapital = Ende von Finanzkrisen

Das Finanzsystem ist heute sicherer als vor der Finanzkrise 2008, und das ist fast ausschließlich das Ergebnis besser kapitalisierter Banken, sagt John Cochrane, Senior Fellow der Hoover Institution an der Stanford Universität. Um eine Finanzkrise zu verhindern, müsse man verstehen, wie Schalterstürme (bank runs) funktionieren. Wichtig sei, wie Cochrane bei einer SAFE Policy Lecture am 28. März im House of Finance betonte, dass ein "bank run" immer das Ergebnis von Problemen mit kurzfristigen Schulden seien.

Nicht eine besser durchdachte Risikoregulierung, sondern mehr Eigenkapital sei eine wirksame Medizin gegen einen potenziell instabilen Bankensektor: "Mit genügend Eigenkapital können wir private Finanzkrisen für immer beenden", sagte Cochrane. Er stellte auch die Vorstellung in Frage, dass das Finanzsystem die Gefahr von Schalterstürmen brauche, um Banken zu disziplinieren.

Cochrane schlägt ein Zwei-Säulen-System vor, bei dem risikoreiche oder illiquide Vermögenswerte nicht durch kurzfristige Verbindlichkeiten gedeckt sind. In diesem Modell würden Banken, die kurzfristige Verbindlichkeiten halten, vollständig durch Staatsanleihen gesichert. Die beiden Aktivitäten würden im Falle eines Konkurses getrennt, was einen Schaltersturm beenden würde. Er räumte ein, dass der vorgeschlagene Ansatz auf der Verfügbarkeit risikofreier Staatsschulden beruhe – dies ist zwar eine realistische Annahme für die Vereinigten Staaten, aber weniger für die Europäische Währungsunion.

Kurzfristige Verbindlichkeiten als Risiko

Cochrane steht dem derzeitigen Regulierungsansatz pessimistisch gegenüber, der an Glaubwürdigkeit verliere. Den Hauptteil der Regulierung hält er für so gut wie nutzlos, weil sich diese sich auf die Krisenursachen konzentriere, anstatt das Hauptproblem anzugehen: Dieses seien die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der Versuch, alle möglichen Krisenursachen auszuschließen, sei hoffnungslos, sagte Cochrane. Mehr Kapital reduziere die Wahrscheinlichkeit von "bank runs" und verhindere so Finanzkrisen, erklärte er. Er stellte auch fest, dass im Vergleich zu den 1930er Jahren die kurzfristige Verschuldung in modernen Volkswirtschaften eine geringere Rolle spiele: "Heute brauchen wir keinen festen Wert mehr für die Liquidität".

Allerdings warnt der Bankensektor davor, dass eine Erhöhung des Eigenkapitals höhere Kosten bedeute und dies zu höheren Hypothekenzinsen führen würde. Cochrane hält dies nicht für notwendigerweise zutreffend.

In seinem Vortrag zeigte er auf, dass es in den USA nach der Finanzkrise keinen signifikanten Anstieg der Kosten und Hypothekenzinsen gab, als die Kapitalanforderungen an Banken erhöht wurden.

Cochrane sieht staatliche Verschuldung, Cyberangriffe und geopolitische Risiken als mögliche Auslöser für eine neue Finanzkrise. In allen diesen Fällen würde aus seiner Sicht mehr Eigenkapital helfen. Er verwies auf das Beispiel der griechischen Staatsschuldenkrise und machte deutlich, dass ein System, das auf einer ausfallsicheren Staatsschuld aufbaue, eine Krise nicht so gut isolieren könnte, wie ein System, das auf Eigenkapital setze.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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