Aufwärtsrisiken für Preisstabilität

Europäische Zentralbank schaltet rhetorisch zurück


Europäische Zentralbank schaltet rhetorisch zurück News

Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen zum zweiten Mal nach dem Ende der Rezession im Euroraum anheben wird. Dafür sprechen sowohl die realen Wirtschaftsdaten als auch die Kommunikation der Ratsmitglieder in den vergangenen Wochen und Tagen. Weniger klar ist, mit welchem Tempo die EZB ihre Zinserhöhungen anschließend fortsetzen wird. Zunächst dürfte sie rhetorisch eine Gang zurück schalten und damit für den Sommer eine Zinspause signalisieren.

Die realwirtschaftlichen Argumente für höhere Leitzinsen haben sich in den vergangenen Wochen ungeachtet einer allgemein zu beobachtenden Wachstumsabschwächung nicht geändert. Der EZB-Leitzins ist mit 1,25 Prozent außerordentlich niedrig, der Realzins negativ und die Wirtschaft wächst - in großen Mitgliedsländern des Währungsgebiets sogar oberhalb der Potenzialrate.

An diesem Befund ändert auch die Tatsache nichts, dass die Inflationsrate im Juni entgegen den Erwartungen nicht weiter gestiegen ist, sondern bei 2,7 Prozent verharrte. Wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag bei einer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments sagte, rechnet die EZB damit, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten deutlich über 2 Prozent, dem aus Sicht der Notenbank mittelfristig gerade noch tolerablen Inflationswert, liegen wird.

Das Wachstum der breiten Geldmenge M3 war im Mai höher als erwartet, lag mit 2,4 Prozent aber weiter deutlich unter dem EZB-Referenzwert von 4,5 Prozent. Auch die Kreditvergabe war eher schwach. Allerdings hat die EZB in letzter Zeit regelmäßig auf eine noch aus Vorkrisenzeiten vorhandene monetäre Überschussliqiquidität hingewiesen, so dass schwache M3- und Kreditwachstumsraten derzeit keine Argumente gegen Zinserhöhungen darstellen.

Trichet hatte in der Brüsseler Anhörung am Donnerstag keinen Zweifel am Willen der EZB gelassen, die Zinsen in der kommenden Woche anzuheben. Er sagte, die EZB befinde sich in "hoher Wachsamkeit" wegen der Risiken für die mittelfristige Preisstabilität. Diese seien weiterhin überwiegend aufwärts gerichtet.

Wie nach früheren Zinserhöhungen dürfte die EZB auch dieses Mal rhetorisch "einen Gang zurück schalten" und damit deutlich machen, dass ein weiterer Zinsschritt nicht unmittelbar bevor steht. Wahrscheinlich ist, dass Trichet in den Einleitenden Bemerkungen zu Beginn der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung sagen wird, dass die EZB die Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität genau verfolge ("closely monitoring").

Nicht ändern dürfte sich die Einschätzung, dass die Geldpolitik akkommodierend sei und die Aufwärtsrisiken für die Inflationsentwicklung überwögen. Damit bliebe auch das von vielen Beobachtern favorisierte Szenario wahrscheinlich, dass die EZB das nächste Zinserhöhungssignal im September geben wird, wenn auch neue Inflations- und Wachstumsprojektionen veröffentlicht und die Planungen für die Liquiditätsversorgung der Banken aktualisiert werden.

 

[Bildquelle: iStockPhoto]

Kommentare zu diesem Beitrag

Markus /05.07.2011 00:54
Frage:

Was für ein Rating hat die EZB eigentlich??? Bei dem Haufen an Müll in der Bilanz.....Da kann wohl nur noch die HRE bzw. FMS Wertma. mithalten...

Banken und Versicherer haben einen Großteil ihrer Greek-Bonds bereits wieder zu Geld gemacht... Dank der EZB sogar zu vollem Nominal....

Jippie,...die Fixed-Income Abteilungen lachen sich kaputt über die Situation.....Letzlich wird die Gemeinschaft für Griechenland aufkommen müssen

Die paar Milliarden, die jetzt noch in den Bilanzen stecken werden mit neuen Anleihen verrechnet: Anstatt 20% für 1-2-Jährige wird jetzt für 30 Jahre knapp 10% kassiert.....TOLL

Leider mit voller Haftung für die Käufer, aber was bislang an Zinsen verdient wurde, reicht locker um eventuelle kosten abzufedern...
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