Studie

Entrepreneurship

Die Angst vor dem Risiko

Redaktion RiskNET

Entrepreneurship: Die Angst vor dem Risiko

Der griechische Philosoph Demokrit wusste bereits, dass jeder neue Weg ein Wagnis darstellt. "Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, über unsere Zweifel und Bedenken." Eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt, dass immer weniger junge Menschen ihre Chance in einer Gründung sehen, sondern vielmehr den scheinbar sicheren Hafen des Staates ansteuern und die Sicherheit des öffentlichen Dienstes anstreben. Das Ergebnis erstaunt, da insbesondere der digitale Wandel vielfältige Chancen für Unternehmensgründer bietet. Ein wesentlicher Grund liegt wohl auch in einer eher risiko-aversen Mentalität vieler Menschen und auch in der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz der Unternehmer insgesamt. Wenn hierzulande Unternehmer scheitern, fühlen wir uns darin bestätigt, dass ins Risiko zu gehen eher dumm als mutig ist. So entscheiden sich viele junge Menschen für die Komfortzone.

Gestützt durch die gute Binnenkonjunktur hat sich die seit Jahren rückläufige Gründungstätigkeit in Deutschland 2018 stabilisiert. Die Zahl der Existenz-gründer ist mit 547.000 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesunken (-10.000 bzw. -2 Prozent). Für die Gründungstätigkeit 2019 sind die Vorzeichen widersprüchlich. Arbeitsmarkt- und Konjunkturprognosen geben in Summe ein negatives Signal, so das Ergebnis des KfW-Gründungsmonitor 2019.

Die rekordträchtige Arbeitsmarktentwicklung belastet die Gründungstätigkeit in Deutschland seit Jahren. Mit 547.000 Existenzgründern haben 2018 nur 10.000 Personen weniger eine neue, beruflich selbstständige Tätigkeit begonnen als noch 2017 (-2 Prozent). Die Gründerquote (Gründer pro 100 Erwerbsfähige) hält sich somit kaum verändert bei 1,06 Prozent knapp über der Ein-Prozent-Marke (siehe Abb. 01). Die Zahl der Vollerwerbsgründer legte dabei auf 255.000 Personen zu (+21.000). Die Zahl der Nebenerwerbsgründer fiel hingegen das fünfte Jahr in Folge auf nun 292.000 Personen (-31.000).

Abb. 01: Gründerquote: Anteil der Existenzgründer an der Erwerbsbevölkerung (18 bis 64 Jahre) [Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2019, S. 1]Abb. 01: Gründerquote: Anteil der Existenzgründer an der Erwerbsbevölkerung (18 bis 64 Jahre) [Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2019, S. 1]

Chancengründer mit deutlicher Mehrheit

Ein Großteil der Gründer macht sich selbstständig, um eine Geschäftsgelegenheit auszunutzen. Der Anteil dieser "Chancengründer" blieb im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei 70 Prozent. Analog zur Gesamtzahl der Gründer hat sich die Zahl der Chancengründer mit 382.000 Personen daher kaum verändert (2017: 390.000). Der Anteil von Gründern mangels besserer Erwerbsalternative ist dagegen leicht auf 27 Prozent gestiegen. Die Zahl dieser "Notgründer" legte so-mit auf 148.000 Personen zu (2017: 135.000), so das Ergebnis der Studie.

Finanzierungsprobleme haben starke Barrierewirkung

Der Anteil von Gründern mit Finanzierungsschwierigkeiten ist im Jahr 2018 auf 17 Prozent gestiegen (2017: 14 Prozent). Finanzierungsschwierigkeiten treten auf, wenn die Gründungsfinanzierung nicht wie erwartet realisiert werden kann. Beispielsweise wenn die Eigenmittel der Gründer nicht ausreichen, externes Kapital nicht oder nur eingeschränkt beschafft werden kann oder mehr Planungs- und Überzeugungsarbeit anfällt als gedacht. Speziell bei Fremdfinanzierungen sind Gründungen gegenüber bereits etablierten Unternehmern systematisch im Nachteil, so die Autoren der Studie. So fehlen Gründern tendenziell vertrauensbildende und risikomindernde Elemente wie ei-ne Unternehmerhistorie oder Sicherheiten. Zudem haben Gründer häufig einen relativ geringen Kreditbedarf. Aufgrund von Fixkosten ist die Vergabe kleinvolumiger Kredite für Finanzinstitute aber weniger attraktiv. Der Aufwand, eine Gründungsfinanzierung unter Dach und Fach zu bringen, kann daher beträchtlich sein.

Abb. 02: Finanzierungsschwierigkeiten wirken erneut stärker als Gründungsbarriere [KfW-Gründungsmonitor 2019, S. 8]Abb. 02: Finanzierungsschwierigkeiten wirken erneut stärker als Gründungsbarriere [KfW-Gründungsmonitor 2019, S. 8]

* Je häufiger ein bestimmtes Problem bei Abbrechern von Gründungsplänen im Vergleich zu tatsächlichen Gründern vorkommt, desto häufiger dürfte dieses Problem als Gründungsbarriere gewirkt und effektiv Gründungen verhindert haben.

Abbruchraten von Existenzgründungen

Für die Bestandsfestigkeit von Existenzgründungen zeigt sich im KfW-Gründungsmonitor ein stabiles empirisches Muster: Im Lauf von drei Geschäftsjahren beenden rund 30 Prozent der Gründer ihre Existenzgründung wieder (3-30-Faustregel). 36 Monate nach Start sind also noch etwa 70 Prozent der Gründer mit ihrer Existenzgründung aktiv, so der KfW-Gründungsmonitor 2019. Die Abbruchgründe sind vielfältig. Der weitaus größte Teil der Existenzgründer bricht aus persönlichen Gründen ab, ohne unmittelbaren wirtschaftlichen Zwang. Beispiele für persönliche Gründe sind familiäre Belastung, Stress, Krankheit, Unzufriedenheit mit dem erzielten Einkommen oder weil sich eine bessere Jobalternative ergab.

Nur ein kleiner Bruchteil der Beendigungen erfolgt aufgrund von Insolvenz. Abbruchquoten können daher nicht mit "Ausfallquoten" gleichgesetzt werden. Dies wäre auch deshalb falsch, da ein Großteil der Existenzgründungen ohne den Einsatz von externem Kapital erfolgt und es bei diesen somit gar nicht zu einem "Ausfall" kommen kann. Im Vergleich schneiden Gründer, die höhere Summen über 25.000 EUR in die Hand nehmen (unabhängig ob Eigenmittel oder Fremdkapital), bei der Bestandsfestigkeit deutlich besser ab. Insbesondere Gründer, die ganz ohne Finanzkapital starten, zeigen höhere Abbruchraten, so das Ergebnis der KfW-Analyse.

Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass wir eine Entrepreneurship-Kultur bereits in der Schule stärken sollten, anstatt "ein antiquiertes Bild von Wirtschaft" zu vermitteln. So werden wir erkennen, dass nicht nur jeder neue Weg ein Wagnis darstellt, sondern eben auch eine Chance.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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