Dem europäischen Bankensystem könnte bei einem Zahlungsausfall von Staaten eine neuerliche schwere Belastungsprobe durch sogenannte Kreditausfallversicherungen drohen. Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) in London haben zahlreiche Geldinstitute in weit höherem Ausmaß als bisher angenommen Credit Default Swaps (CDS) auf Anleihen klammer Euro-Staaten in Südeuropa und Irland mit anderen Finanzhäusern abgeschlossen. Besonders engagiert sind deutsche Institute wie die Deutsche Bank und die Landesbank Baden-Württemberg.
Europäische Banken haben laut den Daten Kreditausfallversicherungen in Höhe von 178 Mrd EUR auf Staatsanleihen der fünf schwachen Euro-Länder Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien (PIIGS-Staaten) ausgegeben. Sollten die Bonds notleidend werden oder gar ausfallen, kämen auf die Banken hohe Zahlungsforderungen zu.
Die betroffenen Kredithäuser haben sich allerdings gegen diese Risiken abgesichert, indem sie selbst Kreditausfallversicherungen im Wert von rund 169 Mrd EUR kauften, vornehmlich bei anderen Geldhäusern. Als Folge ergibt sich ein schwer durchschaubares Netz an Forderungen und Gegenforderungen, das die wirklichen Risiken für einzelne Banken verschleiert. Das unterminiert wiederum das durch die Euro-Staatsschuldenkrise bereits angeschlagene Vertrauen in die europäische Bankenbranche und erschwert deren Finanzierungsfähigkeiten.
Gerade die deutsche Finanzindustrie blickt fundamentalen Risiken entgegen. Von allen Kreditausfallversicherungen für Bonds der PIIGS-Länder entstammen knapp ein Drittel der deutschen Bankenbranche. An vorderster Stelle steht die Deutsche Bank mit einem Wert von 37,4 Mrd EUR verkauften und 34,5 Mrd EUR gekauften Kreditausfallversicherungen. Die Deutsche Bank stellt dabei klar, dass ihre Positionen gut abgesichert seien. Sie kaufe keine Credit Default Swaps von Banken der Länder, gegen deren Ausfall sie sich schützen wollen.
Besonders engagiert sind auch die deutschen Landesbanken. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkaufte rund 5,4 Mrd EUR an Kreditausfallversicherungen über die PIIGS-Anleihen und sicherte sich mit 4,1 Mrd EUR gegen eine Zahlungsunfähigkeit ab. Das ergibt unter dem Strich eine Risikoposition von 1,3 Mrd EUR.
Die europäischen Banken sträuben sich dagegen, den Knoten an Forderungen und Gegenforderungen zu entwirren. Die Zahlen der EBA geben keinen Aufschluss darüber, welche Banken untereinander Verpflichtungen eingegangen sind.
Bisher waren sich Analysten sicher, dass nur wenige große Investmentbanken aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA Kreditausfallversicherungen emittiert haben. Die neuen Daten trüben dieses Bild. Mindestens 38 Bankhäuser engagieren sich in solchen Geschäften auf Anleihen der PIIGS-Staaten.
Die umfangreichen Aktivitäten bei Kreditausfallversicherungen könnten im schlimmsten Fall zu einer Kettenreaktion im europäischen Bankensystem führen. Das hat auch bereits die Politik auf den Plan gerufen. Viele EU-Politiker fordern, dass der Teilausfall von griechischen Staatsanleihen nicht zu komplizierten und unabsehbaren Tumulten bei den Kreditausfallversicherungen führen dürfe. In das gleiche Horn blasen andere Politiker, die sich gleich für ein komplettes Verbot der Credit Default Swaps einsetzen. Die Papiere seien zu einem Spielball von Spekulanten geworden, die von den Schwierigkeiten der Euro-Zone profitieren wollten, lautet deren Argument.
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