Glossar-Eintrag

Phillips-Kurve

Definition:

Die Phillips-Kurve ist eine Graphik, die ursprünglich eine stabile negative Beziehung zwischen Lohn- bzw. Preissteigerungsrate und Arbeitslosenquote beschrieben hat. Die Phillips-Kurve wurde im Jahr 1958 vom englischen Statistiker und Ökonomen Alban William Housego Phillips (* 1914, † 1975) in der Zeitschrift Economica publiziert. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der methodische Ansatz immer wieder modifiziert, beispielsweise von Paul A. Samuelson (* 1915, † 2009) und Robert Merton Solow (* 1924) zur sogenannten erweiterten Phillips-Kurve. Diese stellt einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und der Veränderung der Inflationsrate her. Diese Kurve zeigt den Zusammenhang auf, dass höhere Inflationsraten von geringen Arbeitslosenquoten begleitet sind und vice versa. Hierdurch wird implizit unterstellt, dass es eine Wahlmöglichkeit zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation gibt und dass die Beschäftigungspolitik im Sinne des Keynesianismus durch expansive Geld- und Fiskalpolitik die Beschäftigung erhöhen kann, wenn sie bereit ist, dafür eine höhere Inflationsrate in Kauf zu nehmen.

Man nahm damals an, dass man einen einfachen Weg gefunden hatte, wie die Arbeitslosigkeit äußerst effektiv bekämpft werden könne. Einfach formuliert: Die Politik oder die Zentralbanken drucken mehr Geld, um die Inflation zu erhöhen. Und schon geht die Arbeitslosigkeit zurück.

Die Realität zeigt allerdings ein anderes Bild: Ein Blick auf die Inflationsraten und Arbeitslosenquoten in Deutschland seit 1960 zeigt, dass eine einfache Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation nicht nachgewiesen werden kann.Viele Ökonomen gehen heute daher von aus, dassdie Philipps-Kurve keine Gültigkeit mehr hat. So wird argumentiert, dass eine gute Wirtschaftslage nicht mehr automatisch mit höheren Lohnforderungen einhergeht und daher die Inflation auch ausbleibt. Dieser fehlende Lohndruck wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass Gewerkschaften in den Industrienationen - die sich immer stärker in Dienstleistungsgesellschaften verwandeln - an Einfluss verloren haben. Zum anderen erlaubt die Digitalisierung der Wirtschaft (siehe Industrie 4.0 etc.) Arbeitsplätze durch Algorithmen oder Maschinen zu ersetzen. Als weiterer Grund wird angeführt, dass die Industrieländer immer stärker im Wettbewerb zu den günstigeren Produzenten aus Schwellenländern stehen, wodurch es immer schwieriger wird Kostensteigerungen auf die Abnehmer zu überwälzen.

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