So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern?

Die heimliche Enteignung


Rezension

Die extreme und expansive Geldpolitik der Notenbanken birgt Risiken, die heute niemand seriös abschätzen kann. Die Zentralbanken rund um den Globus drücken die Zinsen, real sind sie in vielen Ländern sogar negativ. Die "finanzielle Repression" hilft den Staaten, wie bereits zuvor in der Geschichte, ihre Schuldenlasten zu verringern. Die Verlierer sind die Sparer, denn sie haben schlussendlich die Rechnung zu bezahlen. In dem wissenschaftlichen Paper "The return of financial repression" weist Carmen Reinhart, Professorin an der Harvard-Universität, auf die Rückkehr der finanziellen Repression hin. Hauptziel der finanziellen Repression ist es, die nominellen Zinsen niedrig zu halten und sie real oftmals in den negativen Bereich zu drücken. Seit dem Jahr 2008 sind die Realzinsen in ungefähr der Hälfte der von ihr untersuchten Länder und Jahre unter null gefallen, in 82 Prozent der Fälle waren sie geringer als ein Prozent. Im Kern wirken künstlich gedrückte oder gar negative Zinsen wie eine Steuer auf Anleger und Sparer.

Für Anleger und Bürger ergeben sich angesichts der herrschenden Banken-, Finanz- und Schuldenkrise so große Herausforderungen, wie sie die heutige Generation von Investoren noch nie erlebt hat, so die Autoren Rasch und Ferber in ihrem Buch "Die heimliche Enteignung". Grundsätzlich ist für die Anleger an der Börse eine der wichtigsten Fragen, ob sie sich in einem deflationären oder in einem inflationären Umfeld befinden. In den vergangenen drei Jahrzehnten musste jedoch nie mit einem extremen Szenario gerechnet werden. Die Investoren bewegten sich weitgehend in einem Rahmen mit einem ordentlichen Wirtschaftswachstum und einer geringen Inflation. Experten sprechen von einem disinflationären Umfeld. In der Regel sind solche Phasen die Zeit des relativ billigen Geldes. 

Das beflügelt die Risikonehmer in einem System und führt zu einem großen Schuldenaufbau – was bis zum Jahr 2007 über längere Zeit geschehen ist. Wenn der Schuldenaufbau dann ein Ausmaß erreicht hat, das den Zinsendienst stark in die Höhe treibt, und wenn die erworbenen Vermögenswerte an Wert verlieren, schwächt das die öffentlichen und privaten Bilanzen und wirkt deflationär.

Seit dem Sommer 2012 sind anhaltend große deflatorische Prozesse in Gang. In den USA und in Europa droht weiterhin eine starke Deflation. Das jahrelange Leben auf Pump – vor allem in den USA, aber auch in Europa und an anderen Orten der Welt – hat zu einer gewaltigen Kreditblase geführt, die ebenfalls für die Finanz- und Bankenkrise mitverantwortlich ist. Diese Kreditblase ist nun geplatzt. Der übermäßige Konsum der Vergangenheit auf Kosten der künftigen Generationen, der die Überschuldung vieler Nationen verursachte, kann so nicht fortgesetzt werden. Im Gegenteil: Die Rechnung muss irgendwann bezahlt werden. Und dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. Die angelaufene Entschuldung vieler Volkswirtschaften – betroffen sind vor allem die USA, Großbritannien und die  südeuropäischen Länder  – entzieht der Wirtschaft Kaufkraft und wirkt daher deflationär. Zudem durchliefen und durchlaufen zahlreiche Länder eine Rezession, und es gab einen Einbruch am Immobilienmarkt, was in vielen Bereichen ebenfalls sinkende Preise verursachte. 

Immer wieder machen Politiker die Finanzmärkte für die Folgen ihrer eigenen disziplinlosen Haushaltspolitik und ihrer anderen Verfehlungen verantwortlich, um vom Versagen der politischen Klasse abzulenken. Ursache und Wirkung wurden dabei wieder einmal vertauscht, kritisieren Rasch und Ferber. "Nicht  die Arbeit der Marktakteure war die Ursache für die Explosion der Refinanzierungskosten gewisser Staaten, sondern es war das unsolide Finanzgebaren in diesen Ländern. Das haben die jeweiligen Politiker zu verantworten, die daher lieber Finanzmarktteilnehmer zu Sündenböcken machen, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken." 

Anhand historischer Daten und seriöser Erfahrungswerte erläutern die Autoren, welche Anlageklassen für welches makroökonomische Umfeld geeignet sind, wie Anleger erkennen, ob sie mit Deflation, Inflation oder Stagflation rechnen müssen, und wie Investoren auf Grundlage dieser Analyse ein robustes Portfolio konstruieren können. Mit einem "Frühwarnsystem für die Anleger" lassen sich die wichtigsten ökonomischen Kennzahlen übersichtlich zusammenfassen. So kann jeder Anleger ein Risikomanagementsystem für sein eigenes Depot aufbauen.

Das Buch gehört zur Pflichtlektüre jedes Kapitalanlegers, um sich seriös und fundiert über die derzeitigen Deflations-Risiken und den künftigen Inflations-Gefahren zu informieren und vor allem ein eigenes Frühwarnsystem zu entwickeln.

Autor der Rezension: Frank Romeike


Details zur Publikation

Autor: Michael Rasch/Michael Ferber
Seitenanzahl: 300
Verlag: Finanzbuch Verlag
Erscheinungsort: München
Erscheinungsdatum: 2012

RiskNET Rating:

Praxisbezug
Inhalt
Verständlichkeit

sehr gut Gesamtbewertung

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