Bankenrating


Rezension

Seit 2002 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht an alle Kreditinstitute bestimmte Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft, wie Risikoklassifizierungssysteme  für Zins- und Konditionengestaltung, gekoppelt mit dem Kreditvolumengeschäft.  Damit sind auch die Banken angehalten, Ratings in ihren Geschäften zu berücksichtigen.

Zielte der Schwerpunkt der bisherigen Diskussion um das Thema Rating eher in Richtung  Unternehmensklassifizierung, so gewinnt durch die aktuellen Erörterungen das Thema Bankenrating über die befristete Gewährträgerhaftung seitens des Staates für die öffentlichen Banken und insbesondere die der Landesbanken mehr und mehr an Signifikanz. Hat doch eine Bank mit einer schlechteren Bewertung im Verhältnis zu ihren Wettbewerbern gravierende Nachteile hinzunehmen.

Mit dem vorliegenden Buch werden Nutzen und Funktion eines Bankenrating aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Unterscheidet sich doch die Bewertung von Banken hinsichtlich Risikostruktur, dem Finanzierungsgeschäft, und den regulatorischen Anforderungen grundlegend von der Bewertung eines Industrieunternehmen.

 

Ein Autor beschreibt die unterdurchschnittliche Rentabilität deutscher Banken im Verhältnis zu den internationalen Wettbewerbern, und die ungünstigere Ausgangslage bei der Ermittlung einer positiven Bewertung durch eine Ratingagentur. Hat doch die Rentabilität, als ein wesentlicher Indikator, einen wichtigen Einfluss auf die Zensur einer Bank. Somit hat die externe Wertung auch Einfluss auf den unternehmerischen Entscheidungsprozess.

Ist diese Entwicklung wünschenswert oder besteht nicht die Gefahr, dass sich Entscheidungsprozesse zunehmend auf eine Kennzahl konzentrieren?

Welche makro- und mikroökonomischen Auswirkungen wird eine veränderte Bankenlandschaft für nationale Unternehmen haben, wenn der Trend zur Konzentrierung und Rationalisierung angeblich unvermeidbar ist?

Mehrere Autoren befassen sich mit der Konzeption von Bankenratingsystemen. Neben dem Ratingprozess werden die Kriterien für ein Bankenratingverfahren, die Auswirkungen der Qualität von Ratingsystemen und die Konzeption von Bankenratingsystemen beschrieben. Von besonderem Interesse wären Beiträge von weiteren Groß- und Privatbanken gewesen, um somit auch Vergleiche in der Praxis ziehen zu können. Leider wurde hier die Chance vergeben. Auch ist unklar, inwieweit die Handhabung operationeller Risiken Einfluss auf ein Rating hat.

Hervorzuheben ist; um die bankspezifischen Geschäftsprozesse und Risiken in Einklang zu bringen, ist ein funktionierendes Risk Management mit einer integrierten Gesamtbanksteuerung wichtig. Damit verbunden ist die Zielsetzung, neben der Absicherung des Bankgeschäfts, die Implementierung eines risikogerechten Pricing von Adressausfällen.

Last but not least; der letzte Abschnitt befasst sich mit dem Thema Rating und Unternehmenskommunikation. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung der Investor Relation und die Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern. Resümee ist; eine offene Kommunikation ist von Vorteil für eine positive Bewertung.

Das vorliegende Buch gibt dem Leser einen Überblick über das Thema Bankenrating. Neben den guten und informativen Artikeln wären im Abschnitt Konzeption von Bankenratingsystemen tiefergehende Informationen wünschenswert gewesen. Es bleibt die Erkenntnis: Rating hat sich von Basel II emanzipiert.       

Rezension von Christoph Tigges


Details zur Publikation

Autor: O. Everling/K.-H. Goedeckemeyer (Hrsg.)
Seitenanzahl: 581
Verlag: Gabler-Verlag Wiesbaden
Erscheinungsdatum: 2004

RiskNET Rating:

Praxisbezug
Inhalt
Verständlichkeit

sehr gut Gesamtbewertung

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