Weiter keine Zinswende der EZB

Wechselkurskanal verstärkt über Importpreise die Inflation


Weiter keine Zinswende der EZB: Wechselkurskanal verstärkt über Importpreise die Inflation Comment

Die EZB hat die Zinsen unverändert belassen und bekräftigt, dass das Ankaufprogramm APP im 3. Quartal ausläuft. In Anbetracht der sehr hohen Inflation wäre es spätestens jetzt aber aller höchste Zeit gewesen, die Ankaufprogramme sofort einzustellen und unverzüglich entschlossene Zinserhöhungen einzuleiten  Mit 7,3% in Deutschland (7,5% Eurozone) ist die Inflation so hoch wie zuletzt 1981, damals lag der Leitzins der Bundesbank allerdings bei 7,50% - nicht bei -0,50%!

2020, spätestens 2021 wäre die richtige Zeit gewesen, die geldpolitische Normalisierung einzuleiten Es wirkt im Rückblick unverantwortlich, dass die EZB stattdessen versuchte, die absehbar höhere Inflation als temporär „wegzuerklären“. Diese Fehleinschätzung oder Hoffnung, die Inflation würde von allein wieder weggehen, hat nun hohe Kosten.

Die EZB ist noch stärker "behind the curve" als die Fed, die ebenfalls zu spät mit der Inflationsbekämpfung begonnen hat. Je länger die EZB aber hinter der Fed zurückbleibt, desto mehr verstärkt sich über den Wechselkurskanal die Inflation der Importpreise - so heizt die EZB die Inflation weiter an.

Importpreise, Großhandelspreise (+22,6%) und Erzeugerpreise (+25,9%) erreichen in Deutschland weiterhin Allzeithochs und halten den Druck auf die Verbraucherpreise hoch. Diese vorlaufenden Preisdaten fressen sich mit Zeitverzug durch in die Verbraucherpreisinflation.

Im Interesse ihrer eigenen Glaubwürdigkeit müsste die EZB schelle, entschlossene Zinsanhebungen beginnen, will sie sich nicht länger dem Verdacht aussetzen, andere Ziele als ihren eigentlichen Auftrag - die Preisstabilität  - zu steuern. Gerade die Fortführung der Ankaufprogramme ist bei Inflationsraten von 7,50% offenkundig nicht angemessen.

Selbst wenn die EZB schlussendlich erste Zinsschritte einleitet, wird der reale Leitzins noch lange stark negativ bleiben. Die finanzielle Repression wirkt so unvermindert schmerzhaft auf ein Investmentportfolio. Anleger sind daher gut beraten, weiterhin auf wirksame Selbstverteidigungsinstrumente gegen die Notenbankpolitik zu setzen, wie Gold, inflationsgeschützte Anleihen und stärker inflationsreagible Aktien von Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht.

Autor:

Bernhard Matthes

Bereichsleiter Asset Management bei der Bank für Kirche und Caritas – BKC
Bereichsleiter Asset Management bei der Bank für Kirche und Caritas – BKC
Bernhard Matthes ist Investmentchef des kirchlichen Asset Managers BKC Asset Management, dem Vermögensverwalter der Paderborner Bank für Kirche und Caritas. Er verantwortet u.a. den defensiven Mischfonds BKC Treuhand Portfolio und Spezialmandate für Stiftungen und kirchliche Anleger.

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