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Rezension

Hintergründe und Irrtümer von Geld- und Finanzwirtschaft

Die Kreditgeldwirtschaft

Christoph Tigges [Redaktion RiskNET]07.10.2018, 18:50

Nicht erst seit der Finanzkrise 2008 wird in Deutschland über den Euro gestritten. Es gibt Autoren und Ökonomen, die sich den Austritt aus dem derzeitigen Eurosystem wünschen. Entweder zurück zur alten D-Mark-Zeit oder als Alternative ein Parallelwährungssystem, wo ein Verbund von stabilen Währungsländern eine eher restriktive Geldpolitik verfolgt. Auf keinen Fall sollte die aus ihrer Sicht fehlgeleitete EZB-Politik fortgeführt werden, die zu immer weiteren Schuldenanhäufungen führen, was zum Nachteil der deutschen Wirtschaft und der Bevölkerung ist.

Insofern ist es nur eine Frage der Zeit, wann ein neues Buch erscheint, das sich kritisch mit der Geldwirtschaft beschäftigt.

Mit dem vorliegenden Werk "Die Kreditwirtschaft" wollen die Autoren auf die "Hintergründe und Irrtümer von Geld- und Finanzwirtschaft" hinweisen und erläutern die Folgen geldtheoretischer Fehleinschätzungen und ordnungspolitischer Verstöße für Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei orientieren sie sich an der Konjunkturtheorie Friedrich A. von Hayeks und betrachten das Thema aus verschiedenen Perspektiven. Aktuelle finanz- und wirtschaftspolitische Themen werden aufgegriffen.

Themenschwerpunkte des Buches sind:

  • Ursprung und Entwicklung des Geldes;
  • Das Kreditgeldsystem der heutigen Finanzwirtschaft;
  • Störungen und Fehlentwicklungen in der Finanzwirtschaft;
  • Aktuelle Problemstellungen des Finanzsystems.

Was sind die tatsächlichen Ursachen von Finanzkrisen und welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Kritisch arbeiten die Autoren aktuelle Fragen wie diese auf und analysieren auf Basis klassisch-liberaler volkswirtschaftlicher Theorien die möglichen Konsequenzen. Aus Sicht der Autoren ist Geld nicht neutral zu beurteilen. Rettungspakete sind abzulehnen. Politisch gesteuerte geldpolitische Maßnahmen, wie sie derzeit die Europäische Zentralbank betreibt, missbilligen sie. Im Gegenteil. Ursachen für Geld- und Wirtschaftskrisen liegen immer im ordnungspolitischem Fehlverhalten staatlicher Institutionen. So heißt es auf Seite S. 67: "Nicht die Kreditgeldwirtschaft an sich, sondern die Ökonomie von der Obrigkeit gemanagten staatlichen Monopolbetriebe ist am Ende." Wird die Entwicklung der Geldmenge dem Handel treibenden Publikum überlassen, so würde sich die wirtschaftliche Entwicklung auf ganz natürliche Weise anpassen. Denn schließlich regelt der Markt Fehlentwicklungen von selbst und "zwar auf seine Art - unter Umständen rigoros" (S.72).

Da stellt sich doch die Frage, wer die Krise verursacht hat und wer aktiv handeln musste, damit es nicht zum weltweiten finanziellen Kollaps kam. Kein Wort über die Forderungen der Deregulierung und Nichtregulierung von Seiten der Banken und Investmentgesellschaften an die Politik mit eben dem Argument, dass der Markt schließlich alles besser und selber regelt. Es waren die Banken mit ihrem Kasino-Verhalten, die nach staatlicher Hilfe riefen!

Hier wäre es doch wünschenswert gewesen, präziser zu erfahren, ob und welche Banken die Autoren in die Insolvenz hätten gehen lassen wollen. Kein Wort zum Thema, ob nicht das Investment-Geschäft von dem Bankgeschäft separat zu betreiben ist und so in vollständiger Haftung der Gläubiger liegen soll.
Aus Sicht der Autoren ist ein Lösungsansatz, ein geregeltes Staatsinsolvenzverfahren mit der Übernahme von staatlichen Verbindlichkeiten durch eine gemeinsame europäische Schulden- und Privatisierungstreuhand einzuführen. Die Autoren wissen, dass hier noch kein bis zu Ende gedachtes Konzept vorliegt denn einschränkend müssen auch sie zugeben, dass dieser Vorschlag "im Detail noch konkreter ausgearbeitet werden" muss. Welche Schulden sollen von der Treuhand übernommen werden? Soll der Steuerzahler auch für die Schulden der Investmentgesellschaften haften? Über diese und andere Fragen hätte man doch gerne mehr erfahren, wie eine solche Lösung aussehen soll. Vor allem, wer trägt die finanziellen Lasten?

Wie hätten die Autoren die Griechenlandkrise gelöst? Im Sinne der Autoren wäre in diesem Fall eine Staatsinsolvenz die sinnvolle Alternative gewesen. Nur ist es so, dass diese Fragen im Finanzministerium unter dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück sehr wohl intensiv erörtert wurden. Nach Abwägung aller Pro- und Contra-Argumente entschied man sich sehr bewusst für einen anderen Weg. Und dies auch in Absprache mit den internationalen Zentralbanken. Man mag diesen Weg kritisieren und es ist den Autoren zuzustimmen, dass ein transparentes Staatsinsolvenzverfahren ein demokratischeres Verfahren ist als eine intransparente Haftung und Übernahme finanzieller Risiken für den Steuerzahler.

Aber was soll der Leser davon halten, wenn unter dem Abschnitt "Geregeltes Staatsinsolvenzverfahren" als Krisenprävention die Forderung erhoben wird. "die Banken müssen deutlich mehr haftendes Eigenkapital als bisher vorhalten". Zwangsläufig wäre aus dem Blickwinkel von Basel III und IV die Frage zu beantworten, welche Eigenkapitalquote im Verhältnis zur Bilanzsumme zusätzlich vorzuhalten wäre und wie die finanztechnische Ausgestaltung aussehen soll.  

Mit dem vorliegenden Band beschreiben die Autoren Hintergründe und Irrtümer von Geld- und Finanzwirtschaft. Teilweise sehr plakativ und manchmal populistisch. Was soll in der Zusammenfassung der Autoren auf Seite 151 der Hinweis auf ein Buch eines anderen Autors mit dem Zitat "während der Führer der geldpolitischen Kriegsmaschine (gemeint ist EZB-Chef Mario Draghi) die Schleusen des Zentralbankgeldes immer weiter öffnet [...]"

Die Abgrenzung zwischen persönlicher Meinung und objektiven Tatsachen ist fließend und wissenschaftlich unsauber.



Details zur Publikation

Autor: Christoph Braunschweig/Bernhard Pichler
Seitenanzahl: 180
Verlag: Springer Gabler Verlag
Erscheinungsort: Wiesbaden
Erscheinungsdatum: 2018

RiskNET Rating:

ausreichend Praxisbezug
ausreichend Inhalt
befriedigend Verständlichkeit
ausreichend Gesamtbewertung

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