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Rezension

Reduzieren Sie die Komplexität

Das Prinzip Einfachheit

Redaktion RiskNET05.04.2018, 10:20

Unternehmensschieflagen und Pleiten dokumentieren immer wieder ein Phänomen: Lineares Denken basiert vor allem auf einfachen Ursache-Wirkungsbeziehungen und vermeidet weitgehend die Auseinandersetzung mit komplexen Vernetzungen und Wechselwirkungen, die durch die zunehmende technische und gesellschaftliche Vernetzung entstehen. Aktuelle (komplexe) Herausforderungen werden oft stark vereinfacht und in Einzelthemen zerlegt, um sie mit den bisherigen Verfahren analysieren und bearbeiten zu können. Zahlreiche aus dem Ruder gelaufene Großprojekte zeugen davon, wie etwa der Flughafen Berlin Brandenburg als extremes Beispiel.

Im Klartext formuliert heißt das, unsere bisherigen Lösungskompetenzen stoßen zunehmend an Grenzen – gerade mit Blick auf die Digitalisierung und Vernetzung. Mehr noch, bringt die "Welt im Wandel" unser bisheriges Erfolgsmodell ins Wanken. Das Wirtschaftsmagazin "Brand eins" warnt denn in einem Beitrag bereits im Jahr 2006 vor dem Vereinfachen und nennt es im Titel des Beitrags: "Vorsicht: Vereinfacher!" Und der Artikel führt an: "Wer sich der Komplexität erst einmal stellt, wird immer neue Wege finden, mit ihr zu leben." Und weiter heißt es: "Vereinfachung ist eine Botschaft, die zwar noch immer Bestseller garantiert, aber im richtigen Leben wenig hilft. Und die in der Wirtschaft gefährlich werden kann: Die Zukunft gehört denen, die Komplexität managen – nicht einfach durch Augen-Schließen ignorieren."

Der Autor des Buches "Das Prinzip Einfachheit" fordert im Untertitel zur Komplexitätssituation auf. Er ist davon überzeugt, dass Organisationen in allen Bereichen sind nur durch Vereinfachung effizienter und menschlicher machen können. Dazu müssen die Komplexitätstreiber erkannt werden, um sie bekämpfen zu können, so der Ansatz. Neue sowie natürliche Organisationsformen bilden dazu die Leitlinien. Hinweise aus der Praxis unterstützen die neue Einfachheit. Beispiele für Informations-Architektur und Arbeitstechnik in bekannten und erfolgreichen Firmen runden die Darstellung ab. So führt der Autor unter anderem Aldi als ein erfolgreiches Beispiel für Komplexitätsreduktion auf. Der Autor führt aus, dass weniger Zentralismus bei dezentralen Strukturen jede Organisation vereinfacht, da sie weniger kanalisierte Übertragungswege und Kontroll-Mechanismen benötigt. "Anstelle einer zentralen Weisung und dauernden Kontrollen sind Zielvereinbarungen getreten und eine einfache, dezentrale Organisation verringert den Kommunikationsbedarf der Mitarbeiter. Die dauernde Informations-Berieselung von oben sowie die befohlene Kommunikation können entfallen", so der Autor. Fortschritt ist der Weg vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.

Fazit: Das Buch liefert interessante Impulse für eine konstruktive Diskussion um Komplexitätstreiber und Kompliziertheit in unserer Welt. Leider liefert der Autor mit seinem Buch ein eher schlechtes Beispiel zur Reduktion von Komplexität. Das Buch ist in weiten Teilen nicht gerade einfach strukturiert – was in großen Teilen auch am eher unspektakulären Layout liegt. Warum hat der Autor die Metapher "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" nicht stärker beherzigt. Das eine oder andere Bild oder eine Darstellung hätten viele Themen einfacher erklären können. Stattdessen muss sich der Leser durch eine 140-seitige Textwüste arbeiten.


Details zur Publikation

Autor: Christian Helfrich
Auflage: 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage
Seitenanzahl: 141
Verlag: Expert Verlag
Erscheinungsort: Renningen
Erscheinungsdatum: 2018

RiskNET Rating:

gut Praxisbezug
befriedigend Inhalt
gut Verständlichkeit
befriedigend Gesamtbewertung

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